
Kategorie: Spielfilm
Darsteller: Edward Speleers, Elliot Cowan, Holly Weston, Sam Gittins
Regie: Paul Hyett
Filmstudio: capelight
Genre: Horror
FSK: 16
Laufzeit: 92 Minuten
Erscheinungsdatum: 16.05.2015
Sprache: Deutsch
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In Howl von 2015 kann der geneigte Zuschauer einmal mehr die beliebte Filmtrope von „Siege and Resist“, bzw. des isolierten Raumes bestaunen. Wie in zahllosen anderen Beispielen dieser Stilistik seit den späten 1960er Jahren (in den USA), geht es auch im vorliegenden Fall weniger um die Attackierenden (hier eine Art abgewandelter Werwolf), sondern um die ums Überleben Kämpfenden. Die zwischenmenschlichen Dynamiken, versteckte Bosheit und Figurenentwicklung gehören dabei zum Standardrepertoire, also darf zum Beispiel auch nicht die egozentrische, verräterische und letztlich gefahrbringende Figur fehlen. Im Grunde genommen zeigt der abgeschlossene Raum (eine im Wald steckengebliebene Regionalbahn) nur, was in der Geschwindigkeit und Anonymität des Industriestaatalltags untergeht: Menschlichkeit und Allzu-Menschliches.
Inhalt des Films
Joe (Edward Speleers) ist Kartenkontrolleur in einer englischen Regionalbahn und wie in Deutschland auch (und in einigen asiatischen Ländern nicht), bedeutet das Status-technisch nicht viel. Seine Vorgesetzten brummen ihm eine Extra-Nachtschicht auf, die Fahrgäste belächeln ihn spöttisch oder sind feindselig und sein Gefühl der „Männlichkeit“ schwankt, da er seine Kollegin Ellen (Holly Weston) großartig findet und sie ihn (noch) nicht. Bei der Nachtfahrt kontrolliert er alle Passagiere und der Zuschauer lernt also darüber die Figurenpalette kennen, was ein gelungener strategischer Filmgriff ist. Man wird in die Handlung eingeführt, erlebt Joes weniger attraktiven Alltag und weiß um zukünftig von Werwölfen Zerfleischte bescheid. Nachdem Joe kurz eingenickt ist, kommt die Bahn plötzlich mitten im regnerischen und nebligen Wald zum Stehen – was einige sehr atmosphärische Gothic-Bilder zur Folge hat.
Die Inszenierung
Was folgt ist alles, was man aus dieser Art Film so kennt: die erste Panik, das Zurechtfinden, versuchte Flucht, Verschanzung, die infizierte Person in der Gruppe, selbstsüchtiges Handeln, Figurenentwicklung des Underdogs hin zum männlichen, kraftvollen, Frauen-gewinnenden Märtyrer. Gut, letzteres findet man so nicht in The Thing (1982) und auch nicht in The Birds (1963), was vielleicht auch besser so ist. Auch wenn die Formel altbacken ist, funktioniert sie in Howl über Zweidrittel trotzdem erstaunlich gut und man ist empathisch mit den verschiedensten Charakterhintergründen, ist gespannt, was als Nächstes passiert und… Leider ist man dann mehr als enttäuscht über das letzte Drittel, was wirkt wie eine fehlgeschlagene Low-Budget-Neu-Interpretation von Clive Barkers Kurzgeschichte The Midnight Meat Train (und deren Filmadaption von 2008). Die Creature-Effects und die Gore-Effects lassen stark zu wünschen übrig und das „Finale“ ist mehr als unterirdisch.
Fazit
Tatsächlich hätte man sich mehr eine Art Thriller-Drama gewünscht, bei dem die Monster komplett unsichtbar bleiben oder in dem ungewiss ist, ob es überhaupt welche gibt. Denn wenn sie einmal im Film auftauchen, macht es die gesamte Situation lächerlich, aber nicht auf eine gute Art wie in Abominable (2006), sondern im Sinne eines Qualitäts-zerstörenden Deus Ex Machina. Aber, wie es beim Genre-Film so ist, ganz viel falsch machen kann man trotzdem nicht. Wie auf dem Cover der DVD- und Blu-ray-Ausgabe werbetechnisch deutlich wird: man bekommt eine Vollmondnacht im Wald, eine steckengebliebene Bahn und Werwölfe.
2,5 von 5 verbrannten Popcornkörnern.
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