House of Gucci

03.01.2022 von Joanna Müller-Lenz

House of Gucci Filmplakat

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Regie:

Filmstudio:

Genre:

FSK: 12

Laufzeit: 158 Minuten

Erscheinungsdatum: 02.12.2021

Sprache: Deutsch

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Ein Monat nach Filmstart habe ich es doch getan, ich war in „House of Gucci“. Trotz der Starbesetzung hat der Film mein Interesse einfach nicht stark genug geweckt. Ich hätte mich auch bis zur Heimkino-Veröffentlichung gedulden können. Meine Schwester hatte aber Lust ins Kino zu gehen und so ist der erste Kinofilm des Jahres einer, der eigentlich schon wieder am Auslaufen ist.

House of Gucci: Fiktion trifft auf Realität

Viel zur Story braucht man eigentlich nicht sagen. Spoilerwarnung: Wer die Geschichte nicht kennt, sollte diesen Absatz überspringen. Wer ein wenig mit der Geschichte der Familie Gucci vertraut ist, erfährt hier nichts Neues: Maurizio Gucci heiratet eine für seine Verhältnisse zu Bürgerliche. Es kommt zu Skandalen in der Familie und endet mit Maurizios Tod, ermordet im Auftrag seiner Frau. Das alles steht auch im Wikipedia, wenn auch in keinem eigenen Artikel. Wozu brauchen wir da eigentlich noch einen Film?

Was mit wenigen Sätzen erzählt werden kann, wurde hier aufwändig in über 2,5 Stunden Film verpackt. Starbesetzt wohlgemerkt. So wie es sich für Gucci gehört: teuer, luxuriös aber nicht wirklich notwendig und bei Gucci wäre ich mir nicht mal sicher, ob man hier von Geschmack sprechen kann. Wenn ich mir die heutigen Kollektionen anschaue, kann ich mich nur fragen, ob den Menschen, die das kaufen, wirklich gefällt was sie da anhaben, oder ob es nur darum geht Gucci aufzutragen.

 

Das Drama vor lauter Drama nicht sehen

Erstaunlicherweise sind aber die 2,5 Stunden Film gar nicht so langwierig und langweilig, wie ich das befürchtet hatte. Die ersten zwei Stunden plätschern vor sich hin, erzählen die Liebesgeschichte, die authentisch wirkt, allerdings wohl kaum real war. Die Schauspieler zeigen was sie können, es passt gut zusammen. Dann kommt die Wende und irgendwie hat das Publikum das Gefühl, dass hier nun Schnell der Abschluss kommen muss. Alles wird überstürzt, in wenigen Minuten wird der dramaturgische Konflikt zum Höhepunkt aufgebauscht und dann folgt nur noch der Schluss. Ich frage mich: Wie konnte es soweit kommen? Das beantwortet der Film leider nicht.

Maurizio und Patrizia Gucci, wie aus einer glücklichen Ehe ein Rosenkrieg wurde. © Universal Pictures Germany

Auch andere Fragen bleiben offen. In der Realität sah diese Gucci-Ehe alles andere als harmonisch aus. Was hier bis kurz vor Ende als glückliche Ehe präsentiert wurde, war in Wirklichkeit eine Schlammschlacht und ein Rosenkrieg, den sich die Drama-Queens der Modewelt nicht besser hätten ausmalen können. Über Jahrzehnte gab es Streitigkeiten zwischen den Gucci-Brüdern, zwischen Guccis und Patrizia Reggiani und schließlich auch zwischen Maurizio und Patrizia. Ein Drama folgte dem nächsten und jedes davon hätte in einen Film ergeben können. Ridley Scott versucht hier alles zusammen zu bekommen und am Ende bleibt trotz meist gutem Schauspiels nur ein Hauch von Nichts über.

Teuer. Luxuriös. Und ein Witz

Patrizia Reggiani ist nicht die schwarze Witwe, Maurizio Gucci ist nicht der exzentrische Lebemann, der das Geschäft in den Ruin treibt und alle anderen Figuren sind auch nur ein Schatten ihrer selbst. Da hilft auch Jared Letos Komödiantenschauspiel nicht, der aus Paolo Gucci eine absolut erbärmliche Witzfigur macht. Von all dem echten Drama gibt es nichts zu sehen. Die Liebesgeschichte könnte unaufgeregter kaum sein, die Ehe verläuft harmonisch und selbst ein wenig Leidenschaft ist zu sehen, wenn Patrizia ihren angezogenen Maurizio zu sich in die Badewanne zieht oder in ganz früher Ehe im Bauwagen des Vaters vernascht. Für das Publikum ist daher die Wende überraschend. Nichts deutete darauf hin, dass Maurizio unglücklich war. Ganz plötzlich fängt das Paar an zu streiten, aber scheinbar grundlos. Und genauso grundlos wird das kaum vorhandene Drama inszeniert, das genau deshalb weniger glaubwürdig nicht hätte sein können.

Was bleibt? Ein Film, den man aus zwei Blickwinkeln betrachten kann. Als freie Fiktion ohne jeglichen Bezug zur Realität ist „House of Gucci“ durchaus sehenswert, denn trotz aller Widrigkeiten gehen die 2,5 Stunden recht schnell um. Im Bezug zur Realität hingegen ist und bleibt der Film ein Witz. Und erstaunlicherweise passt das gerade sehr gut zur heutigen Marke, als ob Scott meinen Geschmack teilen würde.

Sehen muss man „House of Gucci“ nicht. Es tut aber auch nicht besonders weh, wenn man ihn gesehen hat. Nur eines darf man auf keinen Fall: den Film ernst nehmen. Und deswegen kann man doch getrost auf ihn verzichten.

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