Hollow Man

07.03.2026 von Leonardo Beckert

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Serie:

FSK: 16

Laufzeit: 112 Minuten

Erscheinungsdatum: 12.10.2000

Sprache: Deutsch

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Die filmische Trope der Unsichtbarkeit wurzelt in James Whales unschlagbarem Klassiker Der Unsichtbare von 1933, der eine Verfilmung von H. G. Wells gleichnamigem Roman ist. Der Unsichtbare hat schon in den frühen Dreißigerjahren die Messlatte hoch angesetzt, durch sowohl seine beeindruckende Tricktechnik als auch durch die schonungslose Darstellung von egozentrischer Gewalt. Der Film war derart einflussreich, dass John Carpenter eine liebe- und humorvolle Neuverfilmung gemacht hat – Jagd auf einen Unsichtbaren von 1992. Viele Grundnuancen bleiben beim Stoff der Unsichtbarkeit gleich, egal wie weit weg vom Ursprung sie auch sein mögen. So zum Beispiel, dass der Körper zwar unsichtbar ist, aber nicht die Kleidung, was Nacktheit voraussetzt und so zahlreiche Untertöne bietet. Selbst bei Fantastic Four (2005) findet man diese.

Erst Leigh Whannells furchteinflößend-plausible Neuverfilmung Der Unsichtbare von 2020 hat es geschafft, das metaphorische Potenzial in seiner Gänze zu erfassen und der Trope die Tendenz zur Superheldenfantasie zu rauben. So sind alle vorherigen unsichtbaren Männer durch ein Serum oder ein missglücktes Experiment unsichtbar geworden, in Whannells Variante schafft das aber ein selbstgebauter Anzug. Das ist so ähnlich, wie wenn man sich streitet, ob Peter Parker (Spider-Man) seine Netze aus der Haut oder aus einer Vorrichtung am Handgelenk abfeuert. Zwischen Superheldenstatus, Narzissmus, Klamauk und Horror bewegt sich auch Paul Verhoevens mittlerweile hoffentlich zum Kultfilm avancierter Hollow Man (2000) mit Kevin Bacon.

Inhalt des Films

Sebastian Caine (Kevin Bacon) ist ein genialer Wissenschaftler, Egomane und Swagger, der in seinem Auto Alternative-Metal hört und mit Sonnenbrille zur Arbeit kommt. Die Forschungstiere interessieren ihn nicht, die Vivisektion schon eher, denn Caine arbeitet an einem Serum, das Unsichtbarkeit ermöglichen soll und welches das Pentagon rund um Dr. Howard Kramer (William Devane) brennend interessiert. Die Forschung betreibt Caine in einer stillgelegten Fabrik, die im Untergeschoss bestens als Forschungsstation ausgestattet ist und nicht unbeabsichtigt enorm an Alien (1979) erinnert. Dort hat sich auch sein Team eingerichtet, das in bester Slasher-Manier (mit Sicherheit auch nicht unbeabsichtigt) aus einprägsamen und mit Cartoon-haft überzeichneten Eigenschaften ausgestatteten Figuren besteht. Besonders interessant sind seine Ex-Freundin und Arbeitspartnerin Linda (Elisabeth Shue) und deren neue Flamme (wovon Caine anfangs nichts weiß), Matthew (Josh Brolin – bevor er cool war).

Wie bei den Tierversuchen deutlich wird, hat das Serum zwar irgendwann Erfolg, löst aber auch körperliche Extremzustände aus und macht aggressiver – man kennt es aus x-beliebigen B-Movie-Mad-Scientist-Variationen. Wie es auch in diesen Filmen der Fall ist, probiert Caine das Serum an sich selbst aus, denn das Pentagon ist ungeduldig, er auch und sowieso ist alles zu langsam und Linda hat einen anderen, etc. Das Selbstexperiment als Selbstbestätigung. Aus Selbstbestätigung wird dann tatsächlich wissenschaftliche Bestätigung: Caine wird unsichtbar!

Und nach einiger Zeit wird aus dieser Bestätigung Selbstüberhöhung. Denn wer dich nicht sieht, kann dich nicht richten (oder so) und die Schweinerein nehmen ihren Lauf. Anfangs ist das noch „harmlos“ und bleibt bei sexueller Belästigung, artet aber rapide aus und geht fast nahtlos in Vergewaltigung über, was dann den Weg zum Karrieremord an Dr. Kramer ebnet. Ist das erstmal geschafft, wird Sebastian plötzlich zu Michael Myers in unsichtbar, bzw. zum unsichtbaren Alien und dezimiert sein Forschungsteam, nachdem er dasselbe in der Station eingeschlossen hat. Aber Linda ist bereit, sich zu wehren…

Die Inszenierung

Dass Paul Verhoeven nicht unbedingt als moralischer und ethischer Vorzeige-Engel gilt, ist bekannt und muss nicht extra hervorgehoben werden. Weiterhin ist auch recht bekannt, dass Hollow Man weder zu seinen noch zu irgendwelchen besten Filmen gehört und an so manchen Mankos zu leiden hat. Zusätzlich ist es einer der Filme aus den frühen 2000ern, die so bekannt sind und schier in Endlosschleife im TV laufen, dass man ihn in jedem Trödelladen für 1,50 Euro als speckige DVD kaufen kann. Doch genau das macht in auf eigenartige Weise so relevant.

Wie Sebastian Caine als Quasi-Geist durch die Forschungsstation spukt, spukt Hollow Man durch das kollektive Kulturbewusstsein. Mittlerweile doch schon 26 Jahre alt, läuft er immer noch auf einschlägigen Sendern im Nachtprogramm und in egal welcher Stadt, solange dieselbe einen Gebrauchtwarenladen zu bieten hat, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass man ihn dort findet. Ein Film, den jede Person wenigstens mal zur Hälfte gesehen hat oder „reingesehen“ hat – vielleicht war gerade Werbung bei dem favorisierten Film. Man muss also insbesondere die extratextuelle Ebene berücksichtigen.

Fazit

Es scheint so zu sein, dass Verhoevens Filmunsichtbarer alles Mögliche vereint, das alle möglichen Leute so halb interessiert: spannende CGI-Effekte, Slasher-Momente, isoliertes klaustrophobisches Setting, Nacktheit und voyeuristisches Abenteuer, Action, 2000er Flair, Kevin Bacon. Viele Leute werden den Film halb mögen, aber aus unerfindlichen Gründen reicht das aus, damit er einfach nicht verschwindet. Womit Hollow Man, wenn kein Qualitätssiegel, dann ein Bestandssiegel erhalten sollte – ein widerstandsfähiger Film. Im Gegensatz zum im gleichen Jahr erschienenen und von „der Kritik“ gelobten Chocolat, der zwar für einige Zeit immer wieder im Bewusstsein aufgetaucht ist. Aber wer erwähnt ihn jetzt noch? Manchmal ist Unkraut eben doch besser.

4 von 5 verbrannten Popcornkörnern.

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