Der Soldat James Ryan

02.04.2026 von Leonardo Beckert

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FSK: 16

Laufzeit: 169 Minuten

Erscheinungsdatum: 08.10.1998

Sprache: Deutsch

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Ist der Mensch im Krieg Material oder kann er seine Identität als Person wahren? Insbesondere in den zwei Weltkriegen erscheint diese Frage zentral. In Kriegsfilmen und Nachkriegsliteratur wird insbesondere der Zweite Weltkrieg, als der behandelt, in dem der Mensch aufgehört hat, als Mensch zu existieren. Natürlich sind sowohl der Erste Weltkrieg als auch der Vietnamkrieg ebenso zentral für die Infragestellung von Menschsein. Aber der Zweite Weltkrieg mit den begleitenden Menschheitstraumata Hiroshima und den KZ-Lagern, hat das Individuum unwiderruflich in eine Hölle aus Zerstörung und Brutalität gestoßen.

Im Film kann man immer wieder beobachten, dass diese Schrecken entweder eine heroisch-patriotisch oder eine nihilistisch-existenzialistische Antwort erhalten. Letztlich sind Propagandafilme, die den Zweiten Weltkrieg als Bildfläche benutzen, so oder so verwerflich, weil unhaltbar. Wie sehr propagandistisch oder existenziell ist also Steven Spielbergs vielgefeierter Der Soldat James Ryan von 1998, mit Tom Hanks in der Hauptrolle?

Inhalt des Films

Nachdem US-Captain John Miller (Tom Hanks) eine schrecklich-blutige und verstörend realistisch inszenierte Landung an Omaha Beach erfährt und dabei zahlreiche Kameraden verliert, wird ihm ein Auftrag erteilt. General Marshall (Harve Presnell) will Private James Ryan (Matt Damon) zurück in die Heimat zur Mutter schicken. Da diese alle restlichen drei Söhne verloren hat und somit Ryan auch seine Brüder. Miller stellt eine Truppe zusammen, unter anderem aus den überlebenden Kameraden der Army Rangers.

Die Truppe ist beinahe Comic-methodisch aus Figuren zusammengestellt, die jeweils eine Sache besonders gut können und die Vorlage dafür bieten, mit bekannten und beliebten Schauspielern besetzt zu werden. Da wären Tom Sizemore, Edward Burns, Vin Diesel, Giovanni Ribisi und Jeremy Davies. Mit diesen begabten Soldaten (und Upham, gespielt von Davies, der das Element der Unerfahrenheit und Moral mit in den Film bringt) begibt sich Miller hinter die feindlichen Linien. Direkt in die Normandie.

Die Inszenierung I

Auf der Suche nach Ryan begegnen Miller und seine Kameraden verschiedensten Charakteren und durchlaufen unterschiedliche Passagen und Etappen auf ihrer Reise. Das erinnert stark an Mythen und fantastische Abenteuer-Geschichten. Zum Beispiel eine Mischung aus Homers Odyssee und Tolkiens Der Herr der Ringe. Nur eben als Kriegsepos. Zwischen den Action-geladenen und sehr brutalen Gefechtsszenen, kann man immer wieder Dialogszenen beobachten, in denen das Ziel der Mission behandelt und vorsichtig infrage gestellt wird.

Letztlich ein universalistisches gegen ein individualistisches Argument: ist das Retten des einen gerechtfertigt, wenn durch dieses Unternehmen mehrere sterben müssen? Weiter wird die Skepsis der Truppe verstärkt dadurch, dass durch Uphams Eingreifen ein deutscher Soldat verschont wird. Nachdem dieser den Sanitäter (Ribisi) erschießt, sich danach aber ergibt. Dass das Leben eines Deutschen bewahrt wird, aber das eines Amerikaners nicht, nur um eine fremde Person (Ryan) zu retten, entreißt fast die Truppe. In solchen Szenen wird auch ein Kernmotiv des Films angesprochen: der Soldat.

Die Inszenierung II

Der deutsche Verleihtitel macht das deutlicher als der amerikanische Originaltitel. „Der Soldat James Ryan“ – das identifiziert Private James Ryan als Individuum. Saving Private Ryan – der Originaltitel, setzt die Rettung ins Zentrum, also die Odyssee und Tour de force, die die Soldaten unternehmen müssen. Dabei begegnen sie als Soldaten anderen Soldaten, egal ob auf feindlicher Seite oder auf der „eigenen“.

Irgendwann finden die Männer rund um Miller auch Ryan. Doch der will seine Kameraden wiederum nicht im Stich lassen, da sie den Auftrag haben, eine kleine Brücke gegen die Deutschen zu verteidigen. Die Loyalität bekommt hier geradezu Verästelungen: loyal gegenüber der Mutter, dem Vaterland, den eigenen Männern, den Aufträgen. Für die Soldaten stellt sich die Frage nach der Gewichtung. Ryan ist darin sehr schnell und entscheidet sich für seine eigenen Kameraden und den Auftrag. Nach kurzer Zeit entscheiden sich Millers Männer allerdings für den Auftrag – und nicht für die eigenen Männer. An dieser Stelle darf dann gerne der vorsichtige Vorwurf der Propaganda angebracht werden. Alles wird geopfert: für das Vaterland. Dabei sollte doch ursprünglich ein Individuum gerettet werden. Am Ende ist es eben doch das Gebot des Landes – saving – das befolgt wird und nicht das religiöse oder soziale.

Fazit

Am Ende wird die Handlung abgeschlossen durch ein großes und intensives Gefecht, was mit der Anfangssequenz einen geeigneten Rahmen bildet, auch narrativ und dramaturgisch. Wichtig ist noch zu erwähnen, dass im abschließenden Feuerkampf Upham den gleichen deutschen Soldaten erschießt, den er zuvor gerettet hat. Denn der ersticht den einzigen expliziten Juden (Adam Goldberg) aus der Truppe um Miller. Upham greift allerdings zuvor nicht ein, aus zu großer Angst und kann die Exekution erst vollführen, als sich bei der Unterstützung durch Flieger die Deutschen ergeben müssen.

Ein eigenartiger Kreis bildet sich. Deutscher Soldat ergibt sich, soll getötet werden – Upham rettet ihn – deutscher Soldat tötet amerikanischen, jüdischen Soldaten – Upham greift nicht ein – deutscher Soldat ergibt sich erneut – Upham erschießt ihn. Feigheit, Ethik, implizierte Tötungsaufforderung von Deutschen (bzw. Anklage durch den zweifachen Mord des Deutschen an den Amerikanern), da ist so Einiges drin. Abgeschlossen wird diese fragwürdige Tendenz durch die erste und letzte Einstellung: die amerikanische Flagge.

Ein außergewöhnlich realistisch und gekonnt inszenierter, gespielter und konzipierter Kriegsfilm, der durch die Vielschichtigkeit an Aussagen eine Sichtung definitiv lohnt. Allerdings sollten die Subtexte mit großer Vorsicht genossen werden. Da man in so manchem eine nicht allzu humane Aussage vermuten darf.

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