
Kategorie: Spielfilm
Darsteller: Noah Segan, Victoria Moroles
Regie: Noah Segan
Filmstudio: Shudder, Tiberius Film
Genre: Horrorkomödie
FSK: 12
Laufzeit: 93 Minuten
Erscheinungsdatum: 18.09.2025
Sprache: Deutsch
Bei Amazon bestellen (Affiliate*)
Die Bewegung mit dem Auto auf der Straße als Erzählkosmos ist literarisch grundlegend durch Jack Kerouacs On The Road (1957) und – vielleicht weniger offensichtlich – durch Vladimir Nabokovs Lolita (1955) geprägt. Beides Romane aus den 50er Jahren und, wenn auch implizit, Nachkriegsliteratur. Das ist von Wichtigkeit. Nun kann man das Roadmovie mehrere Jahrzehnte nach vorne verfolgen und auf dem Weg noch den Vampir-Topos aufgabeln: so geschehen in From Dusk Till Dawn (1996) und besonders eindringlich in Stake Land (2010). Wir biegen ab und die Scheinwerfer der Filmrezeption beleuchten Blood Relatives – Blut ist dicker als Wasser (2022) von und mit Noah Segan.
Inhalt des Films
Derselbe spielt Francis, einen jüdischen Vampir, der seine Familie im KZ verloren hat und, nach seinem Arm-Tattoo zu urteilen, auch die Schrecknisse der Naziherrschaft erdulden musste. Jetzt lebt er aber in den USA, fährt ein cooles Auto, hat schwarz gefärbte Haare und trägt eine Lederjacke. Wie ein Rock’n’Roll Biker aus den 50er Jahren. Auf seinem Weg von Ort zu Ort und Staat zu Staat, in bester Supernatural (2005 – 2020) Manier, begegnet ihm im Motel die fünfzehnjährige Jane (Victoria Moroles). Sie erläutert ihm kurzerhand, dass sie seine Tochter und damit zur Hälfte Vampirin ist (ein Wort, das im Film allerdings nie ausgesprochen wird).
Was folgt, ist ein Roadmovie mit Kollateralschäden, im Sinne von Badlands (1973). Dabei verfolgt der Film aber zunehmend die Spur von Lolita, denn genau wie im Roman und in den Verfilmungen (1962/1997), begegnen die Leute Francis und Jane mit Misstrauen. Tochter und Vater reden sich raus, in dem sie die wahre Tatsache aussprechen. Ganz ähnlich wie Humbert Humbert und Lolita sich rausreden, indem sie den gleichen Fakt vorgaukeln. Und genau wie im Roman, enden Francis und Jane in einer kleinen Stadt, in der Francis sich widerwillig als Vater beweisen muss, die Tochter bei einer Schule anmeldet und versucht, sie zufriedenzustellen. Es gibt sogar eine Streitszene mit ihm im Sessel – die Lesenden sollten sich nun bemühen und die Vergleichsszene in erwähnten Vorlagen finden. Es ist verblüffend.
Die Inszenierung
Das Roadmovie auf seine Nachkriegswurzeln hin zu untersuchen und das Potential dieser Entstehungszeit auszunutzen, hat seltsamerweise noch niemand so richtig gewagt. Wenn man von Easy Rider (1969) einmal absieht, der Krieg und Roadmovie parallel ansetzt, im Sinne der Gegenkultur. Francis als jüdische Person hat eine Zeitgeschichte hinter sich, die er an sich trägt (Tattoo/Lederjacke) und erlebt die Zeit kontinuierlich als Vampir weiter. Seine Reise mit dem Auto wird durch Klezmer-Musik begleitet, was seinem Treiben sowohl Feierlichkeit als auch Grabesstimmung beifügt.
Den Zeitgeist baut der Film auch durch Andeutungen hinsichtlich Feminismus, Technologisierung, Konservativismus und dem Bewusstsein für queere Identitäten ein. Man beachte den jungen Werwolf am Ende des Films. Eine wunderbar unkommentierte und natürliche Sequenz. Also nicht nur eine Autofahrt von Stadt zu Stadt, sondern auch von einer geschichtlichen Etappe zur anderen, dabei aber immer nur andeutend, nie explizit handlungstragend. Man kann Blood Relatives auch einfach als Horror-Roadmovie-Coming-of-Age-Independent-Film sehen.
Fazit
Meine Sympathie hatte der Film schon bei den ersten Klezmer-Tönen, aber auch abgesehen davon, lohnt sich eine Sichtung allemal. Trotz dem ausgefransten Ende, was dem Streifen die Aura eines Pilotfilms verleiht. Wenn er das nicht sogar tatsächlich ist.
* Affiliate-Link: Mit einen Kauf bei Amazon über diesen Link unterstützt du die Redaktion. Das Produkt kostet dich dabei nichts extra.