Angel Sanctuary

21.06.2018 von Joanna Lenc

Angel Sanctuary Cover © 2000 Kaori Yuki / Hakusensha • “Angel Sanctuary“ Committee

Kategorie:

Regie:

Filmstudio:

Genre:

Serie:

FSK: 16

Laufzeit: 87 Minuten

Erscheinungsdatum: 29.06.2018

Sprache: Deutsch

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Es gibt Themen, über die hat über Jahrzehnte hinweg niemand gesprochen. Die (nicht nur) deutsche Medienlandschaft ist lange Zeit harmlos gewesen im Gegensatz zu heute. Eines dieser Themen ist der Inzest, der nicht nur durch die Serie Game of Thrones thematisiert wurde. Tatsächlich gibt es auch für das jüngere Publikum bereits ältere Veröffentlichungen, die mit dem Begriff „Geschwisterliebe“ kokettieren. Unter den Mangas erschien beispielsweise bereits zur Jahrtausendwende die Reihe Angel Sanctuary. Sie geht mit 20 Bänden sehr ausführlich auf das Thema ein. Der dazugehörige Anime kam kurz darauf als OVA (Original Video Animation) mit drei Episoden zu je 29 Minuten und erhielt eine FSK-Einstufung von 16 Jahren. Nun gibt es den Anime ab dem 29. Juni 2018 frisch auf DVD bei Nipponart.

Angel Sanctuary: Geschwisterliebe mal anders

Setsuna Mudo ist auf den ersten Blick ein ganz normaler Schüler einer ganz normalen High School. Seine Eltern sind geschieden und während er bei seinem Vater lebt, ist seine jüngere Schwester Sara bei der Mutter geblieben. Einen Tag im Monat verbringt er mit seiner Schwester, jedoch eher widerwillig, denn er trägt ein Geheimnis mit sich. Seine Gefühle für Sara gehen weit über familiäre Zuneigung hinaus. Er liebt sie und weiß ganz genau, dass es moralisch verwerflich ist. Das ist auch der Grund, warum seine Mutter Abstand zu ihm hält und versucht die beiden Geschwister voneinander fern zu halten.

Setsunas Gefühle zu seiner Schwester sind aber nicht sein einziges Problem. Plötzlich belästigen ihn ständig irgendwelche Leute, die behaupten Dämonen zu sein und ihn erwecken zu wollen. Tatsächlich soll in ihm die Seele des „Organischen Engels“ Alexiel wohnen. Sie hat sich den Dämonen angeschlossen und Gott den Dienst versagt. Alexiel hat auch einen Bruder, der sie abgöttisch liebt, den „Inorganischen Engel“ Rosiel. Dieser wurde kürzlich aus seiner Verbannung befreit, um wieder Ordnung im Himmelreich zu schaffen. Seine Pläne sind jedoch ganz andere. So sehr Setsuna dem ganzen aus dem Weg gehen möchte, er kann es nicht und dabei hat er noch gar nicht begriffen, welche weitreichenden Folgen das alles haben kann.

Angel Sanctuary Setsuna und Sara © 2000 Kaori Yuki / Hakusensha • “Angel Sanctuary“ Committee

Angel Sanctuary Setsuna und Sara
© 2000 Kaori Yuki / Hakusensha • “Angel Sanctuary“ Committee

Die Verknüpfung zweier Handlungsstränge

Die ersten Minuten der Serie erschlagen den Zuschauer regelrecht mit Informationen. Kampf Gut gegen Böse, Engel gegen Dämonen, die komplette Vorgeschichte in wenigen Minuten. Es wäre alles einfach und logisch, wenn das Geschehen nicht gänzlich das Gegenteil beschreiben würde, was wir aus dem christlichen Glauben und unserer Gesellschaft kennen. Dies ist allerdings nicht der Fall, die Karten sind hier ganz anders gemischt und die guten Engel, wie wir sie kennen, scheinen hier mordlüstern und böse zu sein. Die andere Seite der Medaille? Oder doch nur künstlerische Freiheit? Leider bleibt diese Frage unbeantwortet, denn der Kampf des Himmels und der Hölle wird hier nur angerissen und nicht tiefgehender fortgeführt.

Es wird auch Blut vergossen © 2000 Kaori Yuki / Hakusensha • “Angel Sanctuary“ Committee

Es wird auch Blut vergossen
© 2000 Kaori Yuki / Hakusensha • “Angel Sanctuary“ Committee

Detaillierter geht die Serie auf den Protagonisten Setsuna ein, der sich gegen die romantischen Gefühle zu seiner Schwester wehrt, allerdings vergebens. Beeinflusst durch gesellschaftliche Zwänge und die Ablehnung seiner Mutter ihm gegenüber sind zentrale Bestandteile seiner Zweifel. Glücklicherweise ist dieser Anime eher an ein erwachseneres Publikum gerichtet, weshalb gerade dieser Teil der Erzählung nicht plump, sondern gut durchdacht daherkommt. Der Zuschauer erhält plausible Erklärungen dafür, warum die Gefühle Setsunas so sind, wie sie sind. Passend dazu sind seine Handlungen und Entscheidungen. In den seltensten Fällen sind sie so logisch aufgebaut und erklärt wie bei Angel Sanctuary.

Zu Ende aber doch nicht abgeschlossen

Wenn es heißt Angel Sanctuary gibt es nun komplett auf DVD, dann darf man sich nicht davon täuschen lassen, dass damit die Animation der kompletten Manga-Serie gemeint ist. Denn von der abgeschlossenen Manga-Serie, die 20 Bände umfasst, sind tatsächlich nur die ersten animiert worden.  Daraus entstand eine dreiteilige OVA mit einem Umfang von ca. 90 Minuten, mehr leider auch nicht. Das Ende bleibt offen und lässt einen hungrigen Zuschauer zurück, der nach den kleinen Häppchen nur noch größeren Hunger hat. Dennoch ist der Anime schön anzuschauen und wer unbedingt wissen möchte, wie es weiter geht, hat noch die Möglichkeit auf den Manga zurück zu greifen.

Der Inorganische Engel Rosiel hat seine eigenen Pläne © 2000 Kaori Yuki / Hakusensha • “Angel Sanctuary“ Committee

Der Inorganische Engel Rosiel hat seine eigenen Pläne
© 2000 Kaori Yuki / Hakusensha • “Angel Sanctuary“ Committee

Die Gewichtung der Handlung auf die Liebesgeschichte der beiden Geschwister ist zwar etwas ausgeprägter, die FSK-Einstufung von 16 Jahren kommt allerdings nicht nur durch das Thema Inzest, es gibt durchaus einige Kampfszenen und etwas Blut zu sehen. Wer hingegen Erotik erwartet, der sollte nicht enttäuscht sein, diese ist hier gar nicht zu finden.

Technisch ist der Anime hervorragend umgesetzt, die Synchronisation, die Animation und sogar die Musikauswahl sind bestens aufeinander abgestimmt. Schade, dass es keine Überarbeitung für eine Blu-ray-Veröffentlichung gab, die hätte der Serie sichtlich gut getan. Das hätte allerdings auch nur Sinn ergeben, wenn alle Mangas als Anime umgesetzt wären. So bleibt es ein sehenswerter Einstieg in eine Serie, die leider nur als Manga vollständig ist. Schade!

 

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