
Kategorie: Spielfilm
Darsteller: Christopher Walken, Colin Farrell, Olga Kurylenko, Sam Rockwell, Tom Waits, Woody Harrelson
Regie: Martin McDonagh
Filmstudio: dcm
FSK: 16
Laufzeit: 110 Minuten
Erscheinungsdatum: 12.10.2012
Sprache: Deutsch
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Als Schriftsteller kennt man es und fürchtet es (angeblich): die leere weiße Seite. Eine Schreibblockade macht es einem unmöglich, Wörter zu Sätzen und Sätze zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen. Man hat keine Ideen, keine Inspiration und dennoch – vielleicht aufgrund einer Deadline oder aus Geldnot oder aus Prinzip – muss man schreiben. Was oft hilft ist, über das Schreiben selbst zu schreiben.
Was herauskommt, ist dann letztlich Metafiktion und diese ist manchmal genial wie im Falle von Adaptation (2002) und manchmal merkt man dem Film (wir reden hier vom Film-Schreiben) an, dass die schöpferische Kraft dahinter in einer schweren künstlerischen Krise gesteckt hat wie im Falle von Martin McDonaghs 7 Psychos (2012). Es würde nicht überraschen, wenn McDonagh nach seinem Filmerstling Brügge sehen…und sterben? (2008) nicht mehr wusste, wie weiter zu verfahren ist. Denn sein erster Film ist zurecht hochgelobt und auf so einem hohen Standard weiterzumachen, nun, ist schwer und kann blockieren.
Inhalt des Films
Grundsätzlich geht es in 7 Psychos um Marty (Marty – Martin…), gespielt von Colin Farrell, einem Drehbuchautor in Hollywood, der ein starkes Alkoholproblem hat und bei seinem neuen Drehbuch „Seven Psychopaths“ (so auch der Originaltitel des Films) einfach keinen Anfang findet. Er weiß nur, dass es um sieben Psychopathen gehen soll. So weit so gut. Hilfreich ist ihm beim Schreiben anfänglich kaum, später zu sehr sein guter Freund Billy (Sam Rockwell), der zusammen mit Hans (Christopher Walken) Hunde stiehlt und diese dann den Eigentümern zurückbringt. Und die Belohnung einsackt.
Was Marty zuerst nicht weiß: beide seiner Freunde sind eigentlich psychopathische Mörder. Richtige Probleme bekommen die drei aber erst, als sie den Hund von Gangsterboss Charlie (Woody Harrelson) stehlen und dieser auf Rache aus ist. Und nebenbei seinen Hund wiederhaben will. Rund um diesen dramaturgischen Ankerpunkt spannen sich aber parallel, simultan, eingeschoben und draufgeschlagen allerhand Absurditäten, Blutbäder und skurrile Dialoge, wie mit dem…Psychopathen…Zachariah (Tom Waits).
Die Inszenierung
Tom Waits als Kaninchen-im-Arm-tragender Anzugträger, der zusammen mit seiner Frau Serienmörder gemordet hat. Woody Harrelson als gefühlskalter Killer, der aber dringend seinen kleinen Hund wiederbekommen will. Sam Rockwell als vollkommen durchgedrehter Mörder mit Überambition beim Drehbuch-Schreiben. Christopher Walken als tendenz-depressiver Hundedieb mit dunkler Vergangenheit und Colin Farrell als dauerbetrunkener und überforderter Schriftsteller.
Das ist großartig im Schauspielfest und die Ideen sprudeln förmlich. Allerdings werden diese Charakterideen kaum zusammengehalten, was ja auch das Ausgangsproblem und der Running Gag des Films ist. Doch leider zündet der Gag nie und das Ausgangsproblem bleibt Problem. Es wirkt schludrig, unbeholfen, stolpernd und ist an manchen Stellen schlicht nervig. Natürlich könnte man dem Film anrechnen, dass er es geschafft hat, mit einem Star-Cast so einen zusammengeschusterten Flickenteppich zu präsentieren. Aber man sollte nicht Unvollständigkeit mit brillantem Lückenlassen verwechseln.
Fazit
Filme wie The Texas Chainsaw Massacre (1974) haben viele Lücken, die vom Zuschauer ausgefüllt oder weitergedacht werden müssen. Elf Uhr nachts (1964) ist zum Beispiel ein Film, den man als unbeholfen und stolpernd bezeichnen könnte, aber in der Tat ist es eine Herausforderung ans Publikum, am Ball zu bleiben. Um es böse auszudrücken: 7 Psychos fühlt sich an, als hätte er unbeabsichtigte Lücken und der Regisseur präsentiert diese als Pseudo-Herausforderung. Dennoch muss vermerkt werden, dass Kunst gegen Widerstände (auch interne) produziert wurde. Es ist gut, dass das Endprodukt steht, auch wenn es kein „gutes“ Produkt geworden ist. Der Prozess der Produktwerdung wurde abgeschlossen und manchmal ist das alles, was man von so einem schwierigen Medium wie Film erwarten darf.
3 von 5 verbrannten Popcornkörnern.
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