The Pro – Die Super-Schlampe

29.12.2010 von Marcus Pohlmann

The Pro - Die Superschlampe

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Genre: ,

Format: Softcover

Seiten: 76

Preis: 9,95

Erscheinungsdatum: 01.11.2010

Sprache: Deutsch

Der Comic-Autor Garth Ennis ist hierzulande hauptsächlich für seine überragende Arbeit Preacher bekannt und für seine Arbeiten bei den Serien Punisher für Marvel und Hellblazer für DC. Daneben werkelt er, mit unterschiedlichen Zeichnern, an einigen anderen Serien und Projekten in denen er seine Vorlieben für Sex, Gewalt und derbe Sprüche weiter ausleben kann und die in kleineren Verlagen erscheinen. Dieses, zum großen Teil in Deutschland bislang unveröffentlichte, Material wird nun von Panini Comics neu bearbeitet und schrittweise auf den Markt gebracht. Neben umfangreicheren Serien wie dem grandiosen The Boys gehören dazu auch solche kürzeren Geschichten wie The Chronicles of Wormwood oder das vorliegende The Pro – Die Super-Schlampe.

The Pro erzählt die Geschichte einer Bordsteinschwalbe der übelsten Sorte. Ständig auf der Suche nach dem nächsten Freier um sich und ihr kleines Kind durchzubringen hat sie sich auf die Kategorie „Blow-Job“ spezialisiert und dadurch die Aufmerksamkeit eines kosmischen Beobachters auf sich gezogen. Angetrieben durch eine Wette mit seinem Droiden beschließt dieser galaktischen Spanner, pardon, Späher, unserer Professionellen einen Teil seiner Kraft zur Verfügung zu stellen, damit sie in Zukunft für das Gute streiten kann. Während unsere Heldin also direkt nach dem Aufwachen mit ihren neuerlangten Superkräften konfrontiert wird, stellt sich auch die Liga der Ehre bei ihr vor um sie in ihren Reihen willkommen zu heißen. Diese illustre Gruppe von Superhelden, angeführt vom Super-Heiligen und dem Kühlen Ritter, kämpft für die Schwachen, beschützt die Hilflosen und tut auch sonst alles, was man von aufrechten Helden erwartet. Doch schon gleich bei ihrem ersten Einsatz mit ihren neuen Kollegen gegen die Grammatik-Gang des Grauens wird deutlich, dass die frischgebackene Superheldin andere Vorstellungen vom Kämpfen hat und sich wenig um den korrekten Umgang gegenüber ihren Widersachern schert. Nach dieser unrühmlichen Episode nutzt sie ihre Kräfte um sich an einem ehemaligen Kunden zu rächen, der sie um ihren gerechten Lohn gebracht hat. Als Revanche bedroht dieser nun den Sohn unserer strahlenden Heldin und kann erst durch das Eingreifen des Super-Heiligen gestoppt werden. Während sich The Pro auf ihre ganz spezielle Art bedankt, kommt es zu einer weiteren Beinahe-Katastrophe die ebenfalls vom Heiligen abgewendet werden kann. Nach einem weiteren Gruppentreffen der Liga wird ihr schließlich noch eine letzte Chance eingeräumt sich als Heldin zu bewähren. Diese ergibt sich auch prompt als Terroristen das Empire State Building angreifen und mit der Vernichtung der ganzen Stadt drohen. Im spektakulären Finale hat The Pro schließlich doch noch die Gelegenheit zu beweisen, dass sie eine würdige Streiterin für das Gute ist.
In einer zweiten, wesentlich kürzeren, Geschichte macht The Pro die Bekanntschaft von Nuttella, einer Kollegin die seit dem Eingreifen des außerirdischen Spähers über elf Hände verfügt und diese entsprechend einsetzt. Nach einem epischen Konflikt zwischen den beiden Konkurrentinnen um die Gunst der Freier gelingt schließlich eine für alle Seiten einvernehmliche Lösung zu finden und die besonderen Talente von Nuttella für einen guten Zweck zu nutzen.

Obszön, brutal, witzig, zynisch und ganz und gar politisch nicht korrekt kommt The Pro – Die Super-Schlampe daher. Ohne die Einschränkungen der großen Verlage kann sich Garth Ennis hier hemmungslos austoben. Ganz gleich ob es sich um exzessive Gewalt, übelste Fäkalsprache oder obskure Sexpraktiken handelt, alles wird in der Geschichte untergebracht und zu einer ausgesprochen unterhaltsamen Mischung vermengt. Mit der Idee das Superhelden-Genre und das „wirkliche“ Leben hart aufeinander prallen zu lassen hat Ennis mittlerweile schon mehrfach experimentiert, aber in keiner seiner Stories stehen sich zwei solche Extreme gegenüber wie die Welt der heroischen Helden mit ihren außergewöhnlichen Kräften und diejenige der Mädels, die ihre Freier auf jede erdenkliche Art befriedigen müssen um einigermaßen über die Runden zu kommen. Und ganz nebenbei gelingt es dem Autor auch noch, beiläufig ein wenig Kritik an der Gesellschaft, der Politik und dem „American Way Of Life“ unterzubringen. Das dabei die Zeichnungen von Amanda Conner mit ihrem schon fast naiv-kindlichen Stil in krassem Gegensatz zur Handlung stehen, wirkt grade deswegen auf verquere Weise passend und unheimlich symphatisch. Außerdem erfährt der wissbegierige Leser noch wie die kreativen Köpfe hinter The Pro zusammen fanden und bekommt zudem noch Kurzbiografien der Beteiligten und einige Skizzen zu Gesicht.

Für Fans von Garth Ennis stellt dieser Comic sowieso eine Pflichtlektüre dar, aber auch Leser die ein wenig Abwechslung vom weichgespülten, strahlenden Superhelden-Einerlei suchen sind mit diesem kleinen aber feinen Band gut bedient.

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