Spiel mir das Lied vom Goblin

02.05.2026 von Joanna Müller-Lenz

Spiel mir das Lied vom Goblin

Kategorie:

Autor:

Verlag:

Genre:

ISBN: 978-3764533632

Format: Softcover

Seiten: 320

Preis: 17,00

Erscheinungsdatum: 25.03.2026

Sprache: Deutsch

Bei Amazon bestellen (Affiliate*)

Der Tag, an dem Terry Pratchett starb, war ein schwarzer Tag für die Fantasyliteratur. Der Meister der Fußnoten hat eine große Lücke hinterlassen, die gefüllt werden möchte, aber doch niemanden findet, der würdig genug ist. Pratchetts Romane rund um die Scheibenwelt sind originell und strotzen vor Witz und Intelligenz. Der Brite hat Geschichte geschrieben, indem er Geschichten schrieb. Nun kommt mit Oliver Darkshires Spiel mir das Lied vom Goblin ein Titel auf den Markt, der nicht nur von der gleichen Insel stammt, sondern ebenfalls ein Lesevergnügen verspricht, das an Pratchetts Persiflagen erinnert.

Von Goblinfrüchten und gestohlenen Folianten

Hauptrolle in der Geschichte voller geheimnisvoller Goblinfrüchte ist die Farmerin Isabella Nagg. Sie ist unglücklich verheiratet, spricht mit ihrem Basilikum und räumt ständig ihrem Mann hinterher. Dieser hingegen ist verantwortlich für die Alraunenernte, die er regelmäßig an den ortsansässigen Zauberer liefert. Statt aber mit der Belohnung zurückzukehren, manövriert sich Mr. Nagg in Schwierigkeiten. Denn der Zauberer ist spurlos verschwunden. Statt Geld bringt der Farmer einen der Zauberfolianten nach Hause. Isabella entschließt sich dazu, diesen zurückzubringen, um den Schaden möglichst klein zu halten oder gar ganz abzuwenden. Doch stattdessen überschlagen sich die Ereignisse und Isabellas gesamte Umgebung droht in einer Flut von Goblinfrüchten zu ertrinken.

Viel Potential aber auch Abstand

In erster Linie ist der Roman, der den Auftakt zu einer ganzen Reihe bilden soll, dem Fantasy-Genre zuzuordnen. Darkshire verbindet humorvolle Elemente mit einer gemütlichen Atmosphäre, um ein vertrautes, aber doch neues Setting zu erschaffen. So haben Lesende gleich das Gefühl sich in einem Dorf zu befinden, das auch an eine typische Kleinstadt irgendwo in den USA oder Großbritannien erinnert. Jeder kennt jeden und über jeden gibt es etwas zu lästern, natürlich auf eine sehr liebevolle Art und Weise. Und weil sonst überhaupt nichts Spannendes passiert, kommt einmal im Jahr der Jahrmarkt, der etwas Abwechslung in den Alltag bringt. Alles in allem ein Setting, das gut zu „cozy“ passt, aber doch mehr als heißen Tee und warme Decken birgt.

Darkshire schafft es tatsächlich humorvoll Charaktere zu beschreiben, aber sein Erzählstil bleibt so weit weg vom Geschehen, dass sie nicht richtig zum Leben erwachen. Er steckt sehr viel Potential in allen Figuren, aber sie bleiben für die Lesenden unnahbar und am Ende der Lektüre hat man eher das Gefühl ganz entfernte Bekannte getroffen zu haben und keine neuen Freunde, mit denen man sich identifizieren oder in sie hineinversetzen kann. Ganz besonders auffällig ist es bei Isabella Nagg selbst. Ständig schwingt mit, wie unglücklich ihre Ehe ist, aber sie selbst will eigentlich gar nichts daran ändern. Sie bleibt sehr unpersönlich bis zum Schluss und so wird auch beim Lesen keine Beziehung zu ihr, geschweige denn zum Buch aufgebaut.

Fußnoten ohne Ende

Was bei Pratchett liebevoll zur Kenntnis genommen wurde, aber sonst in jedem Buch eher störend ist, sind Fußnoten. Und Darkshire übertreibt es damit maßlos. Einige von diesen Fußnoten sind so umfangreich, dass sie sich über zwei Seiten ziehen, ohne dabei wirklich etwas zum Geschehen beizutragen. Amüsanter sind dagegen die Auszüge aus den Zauberfolianten zwischen den Kapiteln. Die sorgen – ebenfalls mit Kommentaren versehen – zumindest für ein Schmunzeln.

Insgesamt liest sich Spiel mir das Lied vom Goblin recht holprig. Die Charaktere bieten nicht genug Tiefe, um wirklich Nähe zu erzeugen und die interessantesten Aspekte bleiben angekratzt und so schnell abgehandelt, dass nicht viel Substanz hängen bleibt. Leider liest man doch recht oft den Vergleich mit Terry Pratchett, aber dies lässt sich nur mit der ausschweifenden Verwendung von Fußnoten erklären, bei allen anderen Dingen bleibt Pratchett unerreicht. Wem hingegen Pratchett zu komplex war, der könnte hier  leichtere Kost entdecken.

* Affiliate-Link: Mit einen Kauf bei Amazon über diesen Link unterstützt du die Redaktion. Das Produkt kostet dich dabei nichts extra.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert