Soldierboy

26.04.2019 von Nils Schlieske

Joe Haldeman - Soldierboy

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ISBN: 978-3939212577

Format: Softcover

Seiten: 561

Preis: 12,95

Erscheinungsdatum: 18.12.2014

Sprache: Deutsch

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Wie viele Opfer darf der letzte Krieg fordern? Der wirklich letzte Krieg. Dieser Frage geht Joe Haldeman in seinem Roman Soldierboy von 1997 nach, der im Mantikore-Verlag neu aufgelegt wurde.

Im Jahr 2043 ist die Welt geteilt: In die technologisch überlegene Allianz und die Ngumi. Während die Ngumi noch mit Fleisch und Blut auf dem Schlachtfeld stehen, kämpfen die Krieger der Allianz überwiegend mit ferngesteuerten Maschinen. Zu Land, zu Wasser und in der Luft. Soldierboys, Waterboys und Flyboys werden von Operatoren gelenkt. Der Protagonist Julian ist ein solcher Operator und der Anführer seines Zuges. Ein Implantat im Hinterkopf der Soldaten stellt die Verbindung zwischen Mensch und Maschine her. Nicht nur Operator und Soldierboy sind dadurch verbunden, sondern auch die Menschen: Sie teilen alle Gefühle, Gedanken und Erinnerungen miteinander. Im Einsatz werden zehn Individuen zu einem.

Brutaler Atomkrieg

Nicht nur Operatoren, sondern alle Menschen mit einem Anschluss am Hinterkopf, ähnlich wie beim Film Matrix, können sich einseitig oder offen einklinken. In Jack-Schuppen ist die virtuelle Welt für jeden mit Anschluss erlebbar: Wilder Sex, waghalsige Abenteuer oder sogar der eigene Tod. Der Krieg, den der Leser durch die Augen des schwarzen Protagonisten Julian miterlebt, ist auf einer hohen Eskalationsstufe. Die Allianz hat sogar schon Atomwaffen auf Gebiete der Ngumi gefeuert. Der Krieg erscheint wie der letzte Krieg der Menschheit, doch eine noch viel größere Bedrohung als der nukleare Fallout rückt näher.

Krieg als Livestream

In ihren Soldierboys sehen die Soldaten den Krieg zwar nur als einen Livestream, doch fühlen und erleben sie ihn umso intensiver. Da eine Truppe alle Gefühle teilt, verstärken sich Angst, Schmerz und  Kummer. Die Ngumi setzen dem technologischen Fortschritt erbarmungslose Brutalität entgegen und schrecken auch nicht davor zurück, Kinder als menschliche Schilde zu missbrauchen. Die Aufzeichnungen der Soldierboys sind sogar öffentlich zugänglich, sodass auch Julians Lebensgefährtin seine Einsätze mitverfolgt. Im Unterschied zu ihm sieht sie den Krieg und die Kämpfe aber nur und erlebt sie nicht so wie er. Das ist nur ein Aspekt, der den Unterschied zwischen Menschen mit und Menschen ohne Anschluss verdeutlicht und den Graben zwischen ihnen aufzeigt.

Liebe, Menschlichkeit, Technologie und Moral

In Soldierboy packt Autor Haldemann unfassbar viele Themen an. Er lässt die Fragen dabei häufig offen und unbeantwortet. Ist es besser das innige Gefühl der Liebe nur einmalig und kurz zu spüren oder niemals in diese Höhen vorzustoßen und nicht zu wissen, was man verpasst? Die zentrale Rolle in der Geschichte spielt Julians Anschluss. Er ist Last und Hochgefühl zugleich, er verbindet ihn mit einigen und trennt ihn von anderen Menschen. Seine Welt wird durch den Anschluss erweitert und er definiert sich durch ihn. Mit der Beziehung zu seinem Anschluss ändert sich auch die Wahrnehmung seines Selbst und seiner Persönlichkeit.

Julian nimmt den Leser mit in seine Perspektive

Nicht nur die Operatoren erleben den Krieg als Livestream, in gewisser Weise auch der Leser. Ist Julian über seinen Anschluss mit seinem Soldierboy verbunden, wechselt der allwissende Erzähler in die Ich-Perspektive. Der Leser erfährt die Gefühle und Erlebnisse von Julian hautnah und hat so gegenüber den anderen Figuren häufig einen Wissensvorsprung. Soldierboy liest sich trotz der zahlreichen Themen und Fragestellungen flüssig und leicht. Schnelle, spannende Abschnitte in Kriegsgebieten wechseln sich mit nachdenklichen Passagen ab. Beide sind zur Entwicklung der tiefen Charaktere notwendig und halten sich optimal die Waage. Auf andere Charaktere und Themen wurde hier bewusst nicht eingegangen, da die Handlung wirklich unvorhersehbar ist und einige Wendungen nimmt.

Neuauflage mit vielen Schwächen

Die Geschichte ist spannend und wunderbar erzählt, nicht umsonst gewann Haldemann für Soldierboy (Originaltitel „Forever Peace“) 1998 drei wichtige Science-Fiction-Awards: Den Hugo Award, den Nebula Award und den John W. Campbell Award. Ein Pflichtkauf ist diese Neuauflage leider trotzdem nicht. Die neue Übersetzung strotzt nur so von Rechtschreib- und Interpunktionsfehlern. Testweise habe ich die Fehler in den letzten 100 Seiten des Buches gezählt: sieben Rechtschreibfehler und sechs Interpunktionsfehler sind meiner Meinung nach zu viel für ein Taschenbuch, das 12,95 Euro kostet. Mich persönlich stören diese Fehler im Lesefluss und für den vergleichsweise hohen Preis kann man ein besseres Lektorat erwarten. Eine weitere Schwäche ist das Format des Buchs. In der Mitte der Geschichte muss man die Buchhälften schon kräftig auseinanderzerren, was natürlich den Buchrücken vollkommen zerstört. Ein größeres Format und somit ein dünneres Buch hätten sich hier besser gemacht.

Wen diese Schwächen nicht stören und wer die hervorragende Geschichte dennoch lesen will, greift im Shop des Mantikore-Verlags zu. Andernfalls gibt es Soldierboy auch als E-Book zu kaufen.

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