Kane – Der Blutstein

18.02.2018 von Marcus Pohlmann

Kane - Der Blutstein

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ISBN: 978-3942396912

Format: Softcover

Seiten: 297

Preis: 16,90

Erscheinungsdatum: 15.03.2014

Sprache: Deutsch

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Der, leider viel zu früh verstorbene, Autor Karl Edward Wagner hat nicht nur eine ganze Reihe von Horror-Stories veröffentlicht, sondern vor allem einige Romane und Kurzgeschichten im Fantasy-Bereich, deren Hauptperson der (Anti-)Held Kane ist. Der Golkonda Verlag hat sich daran gemacht, dem Leser die lange vergriffenen Texte wieder zugänglich zu machen und präsentiert mit Der Blutstein den ersten Band dieser überarbeiteten Neuauflage.

Im Prolog des knapp 300 Seiten starken Softcover-Bandes findet ein Jäger auf der Pirsch die Überreste eines längst verstorbenen Kriegers. Einzig ein merkwürdiger, von einem Blutstein gekrönter Ring hat sich erhalten und wird vom glücklichen Finder eingepackt.
Die eigentliche Geschichte beginnt kurze Zeit später mit einem Streit unter Banditen. Während der Aufteilung der Beute des letzten Raubzuges sorgt eben jener Ring für Spannungen zwischen den Wegelagerer. Schließlich erschlägt Kane, ein wortkarger, aber fähiger Schwertkämpfer den Räuberhauptmann und seinen Leutnant, bevor er sich mit dem Ring davon macht. Kurz darauf treffen wir besagten Kane wieder, als er beim Herrscher des Stadtstaates Selonari vorgestellig wird. Der junge, unerfahrene Dribeck hat alle Hände voll damit zu tun, seine Macht innerhalb der eigenen Grenzen zu festigen und die intriganten Höflinge im Zaum zu halten. Zudem schielt der Nachbarstaat Breimen gierig auf die Ländereien des Fürsten. Hier präsentiert sich der vormalige Straßenräuber als Gelehrter, erfahrener Söldnerführer und Forscher. Es gelingt ihm, den belesenen Dribeck davon zu überzeugen, eine Expedition in die nahegelegene Sümpfe zur Ruinenstadt Arellarti auszustatten. Dort würden Artefakte und Waffen einer untergegangenen, außerweltlichen Zivilisation nur darauf warten, geborgen zu werden.
Auf dem Weg durch den Sumpf werden die Söldner immer weiter durch die feindselige Umgebung und die amphibischen Sumpfbewohner, die Rillyti, dezimiert. Bei einem letzten Gefecht auf den Burgmauern verlieren alle Söldner, von ihrem Anführer abgesehen, ihr Leben. Geschützt durch seinen Ring erkundet Kane die Stadt und findet schließlich in ihrem Zentrum das Gegenstück zu seinem eigenen Blutstein. Ihm gelingt es dieses gewaltige kristalline, vernunftbegabte Wesen aus seiner Totenstarre zu erwecken und leitet mit Hilfe der Krötenmenschen den Aufbau der Stadt in die Wege. Kurze Zeit erfährt der Leser, das Kane auch im Sold des Stadtstaates Breimen steht. Hier versorgt er als Spion den Fürsten Malchion und dessen Tochter Teres mit Informationen aus Selonari. Dabei schürt er die Feindseligkeiten zwischen den beiden Städten durch gezielte Falschinformationen und schreckt auch nicht davor zurück, wichtige Ratgeber Malchions zu töten.
Diese Bemühungen tragen Früchte und schließlich stehen sich die beiden Heere in der Schlacht gegenüber. Kane hat zwischenzeitlich erneut die Seiten gewechselt und sorgt mit einer Kriegslist und roher Gewalt dafür, dass der eigentlich unterlegene Dribeck siegt. Teres wird dabei, zusammen mit ihren verbliebenen Soldaten, gefangen genommen und als Kriegsbeute nach Selonari geschafft. Nach einem Bankett wechselt Kane erneut die Seiten und verhilft der Kriegerin zur Flucht, die jedoch im Sumpf von Kranor-Rill endet. Die Krötenmenschen wollen die Frau dem Blutstein opfern, auch diesmal greift Kane ein und rettet erneut ihr Leben. Anschließend führt er sie durch die Stadt und offenbart ihr seinen Plan, die beiden Städte gegeneinander auszuspielen und derweil seine eigene Armee aufzubauen.
Teres kann jedoch erneut entkommen und informiert sowohl ihren Vater als auch den jungen Dribeck über den Verrat ihres einstigen Ratgebers und Verbündeten. Bevor jedoch weitere Schlachtpläne geschmiedet werden können, fällt Kane mit einer Armee der Rillyti und der Energie Blutsteins über Breimen her und macht die Stadt dem Erdboden gleich. Auch Malchion stirbt bei dem Gemetzel, zusammen mit dem Großteil seiner Krieger.
Nun endlich legen Selonari und Breimen ihre Differenzen bei und starten, unterstützt durch die Magie ihrer Priester, einen Angriff auf die neu errichtete Stadt Arellarti. Während die Menschen dabei immer weiter durch die Rylliti zurück gedrängt werden, sucht der wiedererstarkte Blutstein im Universum nach den anderen Mitgliedern seiner Rasse sucht. Als er jedoch keine findet, verliert die, auf Perfektion angewiesene, Kreatur den Verstand und lockert die mentale Kontrolle über Kane. Dieser realisiert, dass er nur manipuliert wurde, kann die gesitige Verbindung zu Blutstein brechen und beschädigt den Kristall schwer. Schließlich durchbricht die von der Priesterschaft beschworene Flutwelle die Schutzschilde von Arellarti und verschlingt die Stadt mitsamt ihrem kristallenem Herrscher. Kanes Schicksal bleibt derweil ungewiss – jedoch findet Teres Hinweise auf das Entkommen des Kriegers.

Der Blutstein bietet alles, was der Leser von einem soliden Fantasy-Roman erwartet: versunkene Geheimnisse, heroische Krieger, Palastintrigen, finstere Schurken, epische Schlachten, Magie und eine (zugegeben sehr zaghafte) Lovestory; sogar einige SciFi-Elemente hat der Autor in seine Geschichte gepackt. Dazu kommt ein ausgesprochen detaillierter, stimmiger, aber keinesfalls langatmiger Erzählstil, eine umfangreiche Hintergrundwelt, eine schlüssige Handlung und nicht zuletzt interessante Charaktere. Aber vor allem ist es die Hauptfigur selbst, aus der der Roman seine Faszination zieht. Auf den ersten Blick ist Kane nicht mehr als der klassische Fantasy-Schwertschwinger, doch ist der Charakter deutlich komplexer angelegt als ähnlich geartete Figuren. Wagner streut immer wieder beiläufig Hinweise zum Hintergrund seines Protagonisten ein und schafft so ein Bild von einem unsterblichen, aber zynischen und gelangweilten Egoisten, der jegliche Spuren von Skrupel und Moral abgelegt hat. Dabei gelingt ihm jedoch der Spagat, den Leser nicht gegen Kane aufzubringen, sondern so etwas wie Verständnis zu wecken.
Die Übersetzung ist sehr gelungen und transportiert viel von der Stimmung des Originals. Dabei macht das Layout den Roman angenehm zu lesen, allerdings war ich anfangs durch die Verwendung von Ligaturen etwas irritiert. So etwas habe ich praktisch seit meiner Ausbildung nicht mehr gesehen. Die Covergestaltung mit dem Titelbild von Tom Edwards finde ich im Aufbau etwas merkwürdig – auch kann ich keinen unmittelbaren Zusammenhang zur Geschichte erkennen. Von diesen Kleinigkeiten abgesehen, legt der Golkonda Verlag hier eine sehr gelungene Neuauflage vor, der hoffentlich auch noch die anderen Romane und Kurzgeschichten folgen werden.
Weitere Informationen zum Autor und zum Buch, sowie eine kleine Leseprobe, findet sich auf der Homepage des Verlages.

Mit Der Blutstein bekommt der Leser einen spannenden, originellen Sword & Sorcery-Roman, der auch über 40 Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung zu fesseln versteht.

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