
Kategorie: Belletristik
Autor: Beatriz Serrano
Verlag: Eichborn
Genre: Roman
ISBN: 978-3847902126
Format: Hardcover
Seiten: 240
Preis: 22
Erscheinungsdatum: 28.03.2025
Sprache: Deutsch
Bei Amazon bestellen (Affiliate*)
In Geht so begleiten wir Marisa durch ihren Alltag in Madrid – ein Alltag, geprägt von innerer Leere, einem überflüssig wirkenden Job „irgendwas mit Medien“ und einem stetigen Versuch, irgendwie Bedeutung im Belanglosen zu finden. Sie ist chronisch unterfordert vom Job, überfordert vom sozialen Leben, genervt von Small Talk und lässt sich treiben – zwischen bedeutungslosem Sex mit dem Nachbarn, YouTube-Videos und beruflichem Stillstand.
Geht so bietet einen starken Start – mit Identifikationspotenzial
Auf der Leipziger Buchmesse fiel mir das Buch durch sein ansprechendes Cover ins Auge – und die Leseprobe hat mich sofort abgeholt. Die Protagonistin wirkt zunächst wie jemand, mit dem man sich identifizieren kann: Müde vom Rennen im Hamsterrad, trotzdem da und neugierig auf das nächste Besondere, denn da ist immer „mehr“. Sie ist eher introvertiert, gesellschaftsmüde, beruflich desillusioniert. Gerade ihre distanzierte Sicht auf den modernen Medienbetrieb und ihre Aversion gegenüber oberflächlichem Geplauder machten sie für mich zunächst sympathisch.
Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr entgleitet die Figur. Ihr Umgang mit Frust, ihre Teilnahmslosigkeit und ihr zielloses Verhalten – insbesondere in Beziehungen und Alltagsflucht – schaffen Distanz statt Nähe. Was zu Beginn wie ein leiser Roman über Entfremdung und Sinnsuche wirkt, verwandelt sich zunehmend in eine Abfolge bedeutungsloser Episoden, ein Spiegelbild ihrer selbst.
Leerlauf zwischen Youtube, Leere und Lieblosigkeit
Die medial überreizte Gegenwart wird durch endlose YouTube-Schleifen eingefangen – stellvertretend für geistige Leere, die Marisa umgibt. Die einzige Figur, die über längere Zeit präsent bleibt, ist ironischerweise eine, die gar nicht physisch auftaucht. Das unterstreicht ihre Isolation zwar symbolisch, bleibt aufgrund des geringen Umfangs aber ebenso blass wie der Rest der Figuren.
Auch der obligatorische, gefühllose Sex darf nicht fehlen – scheinbar ein Standard moderner Gegenwartsliteratur. Doch auch diese Szenen wirken beiläufig, austauschbar, beinahe mechanisch. Sie fügen sich ein in das emotional verflachte Mosaik zwischenmenschlicher Begegnungen.
Gerade als sich eine Entwicklung andeutet, bleibt die Geschichte nicht nur abrupt stehen – sie fährt regelrecht an die Wand. Was danach folgt, bleibt ungewiss und der Phantasie der Lesenden überlassen. Wichtige Konsequenzen werden nicht ausreichend thematisiert, der mögliche Wendepunkt verpufft. Statt eines kraftvollen Schlussteils versandet der Roman in einer ständig wiederkehrenden Out-of-Office-Mail – schade, denn das Potenzial war da.
Fazit
Geht so beginnt stark, mit Witz, Schärfe und einer Protagonistin, die zum Greifen nah scheint. Doch je weiter der Roman voranschreitet, desto mehr verflüchtigt sich dieser Eindruck. Mehr Umfang, mehr Tiefe – und vor allem mehr Konsequenz – hätten der Geschichte gutgetan. Der Titel trifft es auf den Punkt: Es geht so – aber leider auch nicht mehr.
Wertung: 6 von 10 Hamsterrädern – der Lauf war vielversprechend, das Ziel aber nicht in Sicht.
* Affiliate-Link: Mit einen Kauf bei Amazon über diesen Link unterstützt du die Redaktion. Das Produkt kostet dich dabei nichts extra.