
Kategorie: Belletristik
Autor: S. F. Williamson
Verlag: Heyne
Serie: Die Sprache der Drachen
ISBN: 978-3453274914
Format: Hardcover
Seiten: 512
Preis: 24,00
Erscheinungsdatum: 11.06.2025
Sprache: Deutsch
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In Die Sprache der Drachen wünscht sich Vivien nichts sehnlicher, als als Spezialistin für Drachenlinguistik zu arbeiten. Sie träumt von einer angesehenen Stellung, doch statt eines guten Jobangebots trifft sie ein Schicksalsschlag: Die Regierung beschuldigt ihre Eltern, sich einer Rebellion gegen das Friedensabkommen angeschlossen zu haben – und verhaftet sie. In ihrem Versuch, sie zu retten, verschlimmert Vivien die Lage nur und wird selbst zur Verbrecherin erklärt. Ihre einzige Chance auf einen Freispruch für sich und ihre Familie: Sie soll der Premierministerin helfen, den geheimnisvollen Code zu entschlüsseln, mit dem Drachen kommunizieren.
Starkes Setting, gelungener Einstieg
Der Einstieg ist stark! Das Setting bietet gesellschaftskritische Aspekte, die nicht nur in vergangener Zeitrelevant waren, sondern auch heute noch sind. Die Autorin konstruierte eine Drei-Klassen-Gesellschaft: an der Spitze die Reichen und Mächtigen, in der Mitte die kleine Mittelschicht und darunter die große Mehrheit, die kaum Aufstiegschancen hat. Diese Klassenteilung ist ein gelungener Spiegel gesellschaftlicher Ungleichheit und gibt der Geschichte Tiefe. Auch die Zeit, in der die Handlung spielt, trägt zur besonderen Atmosphäre bei. Der Aufbau und das Tempo in der ersten Hälfte des Romans sind sehr gelungen und machen neugierig auf mehr.
Eine naive Protagonistin
Leider kann Vivien, aber auch alle anderen Charaktere, mit der Tiefe des Settings nicht mithalten. Sie verdrängt offensichtliche Wahrheiten, handelt häufig unlogisch und wirkt in entscheidenden Momenten naiv. Was auch immer mit ihr in Berührung kommt: Es wird schlimmer. Dazu trägt auch ein Geheimnis bei, welches sie mit sich herumträgt. Immer wieder wird penibel betont, wie schwer ihre Tat wiegt und wie sehr sie sie belastet, ohne dass dabei auf Details eingegangen wird. Es hängt mit ihrer ehemals besten Freundin Sophie zusammen, die ebenfalls zu den Code-Knackern gehört. Dieser Schatten aus der Vergangenheit lässt Vivien ständig an sich zweifeln – doch erst ganz am Ende wird der Leserschaft überhaupt klar, was damals geschehen ist. Die ständigen Anspielungen darauf nerven. Statt Spannung aufzubauen, sorgt dieses ständige Hinauszögern eher für Frustration und verstärkt den Eindruck einer planlosen Heldin. Auch die anderen Charaktere bleiben blass zurück, dabei boten sie so viel Potential!
Verlorenes Potential und unpassende Tropes
Der Klappentext kündigt Dark Academia und einen Slow Burn Enemy-to-Lovers an. Beides findet man im Buch nicht wirklich: Die Figuren sind nie echte Feinde, und die Romanze ähnelt eher einer Liebe auf den ersten Blick. Dazu kommt, dass die romantischen Momente oft an völlig unpassenden Stellen eingestreut sind – immerhin ohne Spice, was man hier durchaus positiv sehen kann.
Je näher es dem Ende zugeht, desto hektischer wird die Handlung. Anstatt die spannenden Aspekte – die Klassengesellschaft und die politischen Machenschaften – stärker zu vertiefen, rücken diese in den Hintergrund. Andere Länder erwähnt die Autorin, sie bleiben aber eine Randnotiz. Die Tragweite der eigenen Gesellschaft in der Weltpolitik findet keine Beachtung. Insgesamt ist alles kurz angeschnitten, wirkt aber dann doch sehr unausgereift. Das Finale verliert dadurch an Schlagkraft und wirkt überhastet. Es soll eine Fortsetzung geben, das englische Original ist für Januar 2026 geplant. Diese Fortsetzung ist dringend notwendig für die Story, aber ob sie ebenso notwendig für die Leserschaft ist? Ich für meinen Teil kann darauf verzichten
Fazit
Die Sprache der Drachen überzeugt anfangs mit starkem Setting, gesellschaftskritischem Unterbau und sprachlicher Raffinesse. Doch die naive und unglaubwürdige Hauptfigur, die unpassende Romanze und ein gehetztes Finale nehmen dem Buch viel von seiner Wirkung. Schade, denn die Ansätze sind da – sie hätten nur konsequenter ausgearbeitet werden müssen.
5 von 10 Drachenrufen – laut begonnen, schwach verklungen.
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