Die Musik des Erich Zann und weitere Geschichten

18.01.2026 von Marcus Pohlmann

Die Musik des Erich Zann und weitere Geschichten

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ISBN: 978-3689500382

Format: Hardcover

Seiten: 104

Preis: 19,80

Erscheinungsdatum: 26.06.2025

Sprache: Deutsch

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Nachdem die erste grafische Umsetzung einer Lovecraft-Story vom Splitter Verlag rundweg überzeugen konnte, folgte kurz darauf der nächste Band. Für die Adaption von Die Musik des Erich Zann und weitere Geschichten in Form einer Graphic Novel zeichnet sich erneut D.D. Bastian verantwortlich. Die Illustrationen übernimmt diesmal Sergio Vanello – der auch selbst eine Story beisteuert. Wie bereits der Vorgänger, so ist das Buch ursprünglich bei Edizioni NPE in Italien erschienen.

Was steckt drin?

Im ersten Teil des 104seitigen Hardcover-Bandes bekommt der Leser einen kurzen Überblick in die Biografie des Autors Howard Phillips Lovecraft und erhält eine Einführung in den von ihm geschaffenen Cthulhu-Mythos.

Die erste Story des Bandes ist die titelgebende „Die Musik des Erich Zann“ aus dem Jahr 1921 – ein Kammerstück über einen ebenso begnadeten wie verfluchten Musiker. Ein namenloser Erzähler zieht in eine heruntergekommene Mitwohnung in Paris. Dort wohnt über ihm, direkt unter dem Dach, der alte Erich Zann, dessen Spiel er des Nachts belauscht. Nach anfänglichen Unstimmigkeiten kommt er dem stummen Violinisten näher und lässt sich sogar allabendlich etwas von ihm vorspielen. Besonders eigenwillige und verstörende Stücke behält der alte Mann jedoch für sich und lässt sich nicht überreden, sie seinem Zuhörer vorzuspielen. Daraufhin schleicht sich unser Protagonist heimlich vor die Zimmertür des Musikers, um zu lauschen.

Bei einer Gelegenheit kommt es zu einem, wie der Lauscher vermutet, medizinischen Notfall, als er Erich Zann aufschreien hört. Er macht sich bemerkbar und findet den Violinisten verstört und verängstigt vor. Nachdem dieser sich beruhigt hat, fängt er an, eine Erklärung für seinen Besucher niederzuschreiben. Aufgeschreckt durch ein Geräusch nimmt er jedoch bald sein Spiel wieder auf, während draußen unvermittelt ein Unwetter tobt und die Geschichte weiter auf ihren Höhepunkt zusteuert.

Bei der zweiten Story, „Samsara“, ist Sergio Vanello nicht nur für die Illustrationen, sondern auch für die Texte verantwortlich. Dabei handelt es sich weniger um eine Geschichte im eigentlichen Sinn, eher um das Psychogramm eines (wiederum) namenlosen Mannes. Bei seinem Weg durch die nahezu verlassenen Straßen einer Stadt kommen hier Themen wie Selbsthass, Entfremdung, Aggressionen und Angststörungen zum Tragen.

Abgeschlossen wird der Band von „Das Bild im Haus“ – auch dies wieder eine räumlich eng begrenzte Geschichte aus dem Jahr 1920. In dieser sucht ein einsamer Wanderer (oder eher Radfahrer) in einer abgelegenen Hütte Zuflucht vor einem Gewitter. In der scheinbar verlassenen Behausung entdeckt er im Erdgeschoss eine ganze Reihe obskurer, sehr alter Bücher. Vor allem ein Band mit Zeichnungen einer Afrikareise aus dem 16. Jahrhundert fesselt seine Aufmerksamkeit. Kurz darauf kommt auch der Bewohner des Hauses aus dem ersten Stock herunter und die beiden unterhalten sich.

Der Alte weiß viele Geschichten aus der Gegend und den Besucher verwundert die erstaunlich umfangreiche Bibliothek des offensichtlich ungebildeten Mannes. Vor allem ein Buch hat es dem merkwürdigen Hausherrn angetan – eben jenes Reisetagebuch mit den expliziten Darstellungen von Kannibalismus. Über die Betrachtung kommt er ins Philosophieren, welche Auswirkungen denn eine Umstellung der Ernährung auf Gesundheit und Langlebigkeit eines Menschen haben könnten. Und auch hier ist es wieder ein Unwetter, dass die Geschichte nach einer beängstigenden Entwicklung abrupt beendet.

Gehört das Buch ins Regal?

Die beiden Lovecraft-Stories in Die Musik des Erich Zann und weitere Geschichten haben zwar eine ähnliche Ausgangssituation, funktionieren aber auf völlig unterschiedliche Weise. Bei „Die Musik des Erich Zann“ bleibt die Bedrohung für den Protagonisten schwammig und vage und konzentriert sich auf den formlosen kosmischen Horror – eine der großen Stärken Lovecrafts. Dagegen deutet „Das Bild im Haus“ zumindest eine konkrete Gefahrensituation an, wie sie viele Jahre später in den Filmen aus dem Subgenre des Backwood Horror genutzt wurde. Beide Geschichten haben ihren jeweils eigenen Reiz, wobei die letztgenannte zu meinen Favoriten zählt. Die Bearbeitung von D.D. Bastian ist an manchen Stellen etwas gestrafft, behält dennoch die vorherrschende Stimmung der ursprünglichen Erzählungen bei. Dagegen fällt „Samsara“ aus der Reihe. Visuell eindrucksvoll aber erzählerisch dünn, passt sie meinem Empfinden nach thematisch nicht in diesen Band. Es handelt sich hier weniger um eine klassische Story, sondern um einen Aneinanderreihung verschiedener Eindrücke und Emotionen der Hauptfigur.

Die Zeichnungen von Sergio Vanello sind charakteristisch, halten sich nur selten mit Details auf und nutzen eine recht eingeschränkte Farbpalette. Auch einen typischen Panel-Aufbau sucht der Leser hier vergeblich. Starke Kontraste, gezielter Einsatz von Farbe und teils ungewöhnliche Perspektiven passen dabei zu der diffusen Bedrohung, welche die Storys zum Thema haben. Einzig der exzessive Einsatz von „Klecksen“ stört das ansonsten stimmige, eindringliche Bild – hier wäre weniger wohl mehr gewesen.

Splitter haben einige Seiten auf ihrer Hompage bereitgestellt, damit der interessierte Leser in den Band hineinschnuppern kann. Hier finden sich auch Informationen zu den beiden bisher erschienenen anderen Graphic Novels.

Die Musik des Erich Zann und weitere Geschichten visualisiert gut die beklemmende Stimmung der beiden Lovecraft-Stories und kann mit einer ungewöhnlichen zusätzlichen Erzählung aufwarten.

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