Der Flüsterer im Dunkeln

21.09.2018 von Marcus Pohlmann

Der Flüsterer im Dunkeln

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ISBN: 978-3865526434

Format: Hardcover

Seiten: 192

Preis: 16,99

Erscheinungsdatum: 28.06.2018

Sprache: Deutsch

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Vor einiger Zeit veröffentlichte der Festa Verlag mit Berge des Wahnsinns bereits eine Geschichte von H. P. Lovecraft in einer illustrierten und kommentierten Edition. Nun folgt mit Der Flüsterer im Dunkeln ein weiterer Band mit ähnlicher Aufmachung. Für die zusätzlichen Illustrationen zeichnet sich wieder ein mal Timo Wuerz verantwortlich, der abschließende Kommentar stammt diesmal von US-amerikanischen Horror-Autor Darrell Schweitzer. Bei dem Text in dem 192 Seiten starken Hardcover-Band handelt es sich um eine neue Übersetzung durch Andreas Diesel und Frank Festa.

Nach starken Unwettern im Herbst des Jahres 1927 machen in den abgelegenen Gegenden Neuenglands immer wieder Gerüchte von nichtmenschlichen Gestalten die Runde, deren Leichen in den Flüssen gesehen wurden. Albert Wilmarth, der Protagonist des Romans, Literaturprofessor an der Miskatonic Universität und eine Autorität was die lokale Sagenwelt angeht, tritt diesen Gerüchten entschieden entgegen – teils in privater Korrespondenz, teils öffentlich in Leserbriefen und Artikeln in Zeitungen.
Nachdem der Streit weite Kreise zieht, erhält Wilmarth ein Schreiben von einem Bewohner der Gegend, Henry Akeley. Im weiteren Briefwechsel zwischen den beiden Männern schildert Akeley seine Forschungsergebnisse und Beobachtungen in Bezug auf die nichtmenschlichen Kreaturen – vermutet sogar einen außerirdischen Ursprung. Er geht sogar so weit und schickt Wilmarth Photografien, eine Tonaufnahme und einen Stein mit merkwürdigen Schriftzeichen zu – alles vermeintliche Beweise für die Existenz dieser Wesen.
Immer wieder gehen Postsendungen verloren, Akeley fühlt sich verfolgt und schließlich wird sogar ein Anschlag auf ihn unternommen. Diese Bedrohungssituation nimmt immer weiter zu – es kommt zu einer regelrechten Belagerung durch die außerirdischen Wesen und ihre Handlanger. Derweil versuchen Wilmarth und Akeley weiter ihren Briefwechsel aufrecht zu erhalten und überlegen, wie sie die Situation bewältigen können.
Kurz darauf ändert sich das Verhalten Akeleys, er schreibt, dass er sich mit den Wesen geeinigt hat und bittet Wilmarth in sein abgelegenes Haus – etwas, dass er vorher strikt abgelehnt hat. Der Professor nimmt die Einladung an und macht sich auf den Weg ins die abgeschiedenen Wälder, auf Akeleys Bitte hin mit sämtlichen Unterlagen und Beweisstücken. Dort angekommen findet er seinen Gastgeber krank und geschwächt vor – auch ein anderer Gast ist anwesend, ein menschlicher Abgesandter der Kreaturen, der jedoch das Haus bald wieder verlässt.
Akeley erzählt seinem Gast von den außerirdischen Wesen, die auf der Erde Minen unterhalten und vom Planeten Yuggoth kommen. Sie würden es auserwählten Persönlichkeiten ermöglichen zu den Sternen zu reisen – ein Angebot, das er annehmen will. Zudem bittet er den Professor, ihn auf dieser Reise zu begleiten. Dabei präsentiert er die technischen Möglicheiten der Außerirdischen, die sich selbst Mi-Go nennen, beispielsweise lebende Gehirne in Glaszylindern, die durch den Weltraum transportiert werden. Nachdem sich Wilmarth in sein Zimmer zurückgezogen hat, kann er eine Unterhaltung zwischen mehreren Personen im Raum unter ihm belauschen. Dies – und die Dinge die er auf Akeleys Sessel findet – lassen ihn schließlich mitten in der Nacht das Haus fluchtartig verlassen. Akeley bleibt in der Folge verschwunden und es finden sich keine weiteren Hinweise auf seinen Verbleib.
Darrell Schweitzer geht in seinem ergänzenden Text sowohl auf die Entstehungs- als auch die Veröffentlichungsgeschichte von Der Flüsterer im Dunkeln ein und betrachtet diese auch im Kontext der Lovecraftschen Veröffentlichungen und dessen Lebenseinstellung.

Für heutigen, durch langjährigen Horror-Konsum geschulte, Leser ist das Verhalten des Protagonisten natürlich reichlich naiv und die Falle in die er tappt offensichtlich. Dennoch gelingt es Lovecraft mit Der Flüsterer im Dunkeln einen unheimlichen, spannenden und atmosphärisch ungemein dichten Roman abzuliefern – auch wenn das Ende keine wirkliche Überraschung bietet. Die kühle Wissenschaft weicht langsam und gemächlich dem übernatürlichen Schrecken und der anfänglich neutrale Beobachter Albert Wilmarth findet sich schließlich mitten im Geschehen wieder. Auch die Struktur der Geschichte wandelt sich mit dem Erzähltempo – sind es zu Anfang nur gelegentliche Briefe, die die beiden Hauptpersonen wechseln, so kommen später mehrere Briefe am Tag oder gleich Telegramme, die auf einen Höhepunkt zusteuern. Erst durch die persönliche Begegnung von Akeley und Wilmarth wird dieses Tempo wieder reduziert, nur um dann in der überstürzten Flucht aus dem einsamen Haus einen würdigen Abschluss zu finden. Obwohl die Geschichte über 85 Jahre alt ist, funktioniert sie immer noch sehr gut – die Elemente die Lovecraft hier nutzt sind praktisch zeitlos. Darüber hinaus gelingt es auch durch Aufbau und Beschreibung moderne Leser zu fesseln. Der ergänzende Text von Herr Schweitzer liefert dabei einige Einblicke in die Veröffentlichungspolitik der damaligen Zeit, aber auch in die Gedankenwelt H. P. Lovecrafts.
Timo Wuerz liefert auch hier wieder einige sehr stimmige, finstere Illustrationen ab. Diese unterstützen die Atmosphäre der Story und setzen die Vorfälle im einsamen Haus treffend in Szene, ohne dabei das Kopfkino des Lesers zu beeinträchtigen. Das sehr gefällige Layout, die gelungene neue Übersetzung und die Aufmachung mit Hardcover und Lesebändchen runden den hervorragenden Gesamteindruck ab. Einen kurzen Einblick in den Band bekommt der Leser auf der Homepage von Festa.

Für Freunde der Geschichten Lovecrafts ist diese Ausgabe von Der Flüsterer im Dunkeln ein echter Leckerbissen.

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