Winter der Toten

12. September 2015 von Marcus Pohlmann

Winter der Toten

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Erscheinungsdatum: 12.09.2016

Sprache: Deutsch

Über eine mangelnde Auswahl an Spielen mit Zombie-Thematik kann sich der passionierte Spieler derzeit eigentlich nicht beschweren. Während bei den meisten Spielen dieser Art der Kampf (und natürlich die Vernichtung) der Untoten im Mittelpunkt steht, wählt dagegen Winter der Toten vom Heidelberger Spieleverlag einen etwas anderen Ansatz. In diesem mehr oder minder kooperativen Spiel versuchen bis zu fünf Spieler in einer feindlichen Umgebung zu überleben und dabei ihre Menschlichkeit nicht zu verlieren.

Das Spielmaterial ist recht umfangreich und zu Beginn sollten die Spieler etwas mehr Zeit einplanen, um sich mit dem Material vertraut zumachen und es gleich zu sortieren. Im Mittelpunkt steht der Spielplan, der die Kolonie der Spieler zeigt. Hier finden sich Ablageflächen für verschiedene Karten, Leisten um die Anzahl der Runden und die Moral der Charaktere festzuhalten, eine Vorratskammer für Lebensmittelmarker und eine Übersicht über die derzeitigen Koloniebewohner. Schließlich tummeln sich auf sechs Feldern um die Kolonie herum auch noch Zombies, die versuchen durch die Befestigungen an die leckeren Gehirne der Bewohner zu gelangen. Außerhalb der Kolonie, auf gesonderten Karten, befinden sich sechs verschiedene Standorte, wie beispielsweise die Schule, die Polizeiwache oder das Krankenhaus. An diesen Orten können die Charaktere im Spielverlauf nach Ausrüstung suchen um ihre Überlebenschancen zu verbessern und auch die Standorte können von Zombies attackiert werden. Für jeden Spieler gibt es noch einen Übersichtsbogen, auf dem die wichtigsten Regeln zusammengefasst sind. Insgesamt 30 Überlebende stehen zur Auswahl, neben passenden Aufstellern, die über das Spielfeld bewegt werden, gehört zu jedem Überlebenden auch eine Karte auf der seine Werte für Angriff und Durchsuchen, sowie seine besondere Fähigkeit und sein Einfluss innerhalb der Kolonie aufgelistet sind. Auch 30 Zombies liegen dem Spiel als Aufsteller bei, ergänzt von einigen einfachen Markern, sollten noch mehr Untote benötigt werden, außerdem finden sich eine ganze Reihe anderer Marker für die unterschiedlichsten Spieleffekte, wie Verletzungen, Nahrung oder Geräusche in den Stanzbögen. Schließlich gibt es noch eine Menge Karten die zugeordnet werden müssen. Objektkarten für die verschiedenen Standorte bringen nützliche Gegenstände, Schicksals- und Krisenkarten machen den Spielern das Leben schwer. Gemeinsame und geheime Zielkarten sowie Zielkarten für Verräter und verbannte Spieler runden das Kartenmaterial ab. Mit diesen Karten wird festgelegt, welche Siegbedingungen die Spieler als Gruppe erfüllen müssen, beispielsweise eine bestimmte Anzahl an Runden überleben oder Medikamente sammeln. Die anderen Zielkarten geben diesem eigentlich kooperativen Spiel etwas mehr Biss. Komplettiert wird das Spielmaterial durch 30 normale sechsseitige Würfel, den zwölfseitigen Infektionswürfel und die recht umfangreiche Anleitung, die neben den Spielregeln auch noch einige Flufftexte enthält.
Zu Beginn werden die Karten auf ihre jeweiligen Stapel verteilt und eine gemeinsame Zielkarte aufgedeckt. Diese kann Einfluss auf die Platzierung von Zombies und die Spieldauer haben. Dazu bekommt jeder Spieler noch eine geheime Zielkarte, die er ebenfalls erfüllen sollte und wählt zwei Überlebende aus.
Damit sind die Spielvorbereitungen abgeschlossen und die Spielerphase beginnt. Diese setzt sich aus drei Segmenten zusammen: Zuerst wird eine Krise aufgedeckt, deren Effekt allerdings erst später im Spiel eintritt, so haben die Spieler noch die Möglichkeit die Krise zu umgehen, indem sie bestimmte Bedingungen erfüllen; meist müssen dafür Ressourcen wie Nahrung oder Medikamente abgegeben werden. Danach wirft jeder Spieler für jeden seiner Überlebenden einen Würfel und einen zusätzlichen Würfel, die in seinen Pool kommen. Nun wird noch eine Schicksalskarte aufgedeckt und deren Effekt abgehandelt, dies kann auch durchaus positive Auswirkungen auf die Spieler haben. Zudem gibt es meist zwei Wahlmöglichkeiten, zwischen denen sich der oder die betroffenen Spieler entscheiden müssen. Ist auch dieser Schritt abgehandelt, so führen die Spieler, beginnend mit dem Startspieler, mit ihren Überlebenden verschiedene Aktionen aus. Manche davon sind abhängig von den Würfelergebnissen, andere stehen immer zur Verfügung. So können sie Zombies angreifen, Standorte wechseln und durchsuchen, Spezialfähigkeiten nutzen, Barrikaden errichten und noch eine ganze Reihe Dinge mehr tun. Manche dieser Aktionen erfordern einen Wurf mit dem Infektionswürfel, beispielsweise beim Kampf gegen Untote. Dies kann relativ glimpflich ablaufen, allerdings kann sich ein Charakter im schlimmsten Fall mit dem Zombie-Virus infizieren, diesen in die Kolonie tragen und weitere Figuren anstecken. Haben so alle Spieler ihre Züge abgehandelt, folgt die Koloniephase. Auch diese Phase teilt sich wieder in mehrere Abschnitte auf in denen beispielsweise geprüft ob genug Nahrung für alle Überlebenden vorhanden ist, nicht zu viel Abfall in der Kolonie herumliegt und natürlich ob es den Spielern gelingt die Auswirkungen der Krise zu verhindern. Schließlich kommen noch neue Zombies auf das Spielfeld und an die sechs Standorte, bevor geprüft wird ob die Spieler die Siegbedingungen erreichen.
Abhängig von der gewählten Spielvariante kann dabei aus Winter der Toten ein rein kooperatives Spiel werden, für etwas anspruchsvollere Spieler gibt es eine Verräter-Variante, in der ein Spieler erst heimlich, später offen, gegen die Überlebenden agiert. In der Hardcore-Variante sind die Vorgaben der Zielkarten deutlich schwerer zu erfüllen und bei der tödlichen Version des Spiels ist es sogar möglich, dass Spieler komplett ausscheiden.

Es dauert etwas bis das Spiel wirklich flüssig läuft, zu viele Optionen stehen zur Verfügung und zu viele Details und Konsequenzen müssen bedacht werden. Daher sollte für die ersten Spiele durchaus deutlich mehr Zeit eingeplant werden als die angegebenen ein bis zwei Stunden. Haben sich die Spieler jedoch an die Abläufe gewöhnt und können die Auswirkungen ihrer Handlungen richtig abschätzen, so macht Winter der Toten wirklich viel Spaß. Selbst in der kooperativen Variante ist der Schwierigkeitsgrad, abhängig vom aufgedeckten Ziel, dabei teilweise schon recht happig. Wirklich schwierig und spannend wird es jedoch durch den Verräter und die geheimen Ziele der Spieler, was auch eine willkommene Abwechslung zu normalen kooperativen Spielen darstellt. Einzig kleinere Detail-Fehler fallen im Ablauf störend auf, beispielsweise dass die alleinerziehende Mutter zur besten Kämpferin im Spiel mutiert oder das es dem Verräter in manchen Situationen viel zu einfach gemacht wird das Spiel zu entscheiden.
Optisch macht das Spiel einen wirklich tollen Eindruck. Zwar wird auf die mittlerweile allgegenwärtigen Kunststoff-Miniaturen verzichtet, doch die gezeichneten Aufsteller der Charaktere und Zombies wirken ebenso stimmig, wie das Spielbrett und die Karten. Einziger Kritikpunkt ist hier lediglich das relativ dünne Material, auf welches die Standortkarten gedruckt wurden, ansonsten sind die verschiedenen Spielkomponenten durchgehend hochwertig und machen einen ausgesprochen soliden Eindruck. Eine nette Geste des Heidelberger Spieleverlag sind auch die zahlreichen Tütchen, die dem Spiel beiliegen um die verschiedenen Komponenten verstauen zu können. Die, mit gut 20 Seiten recht umfangreich ausgefallene, Anleitung beschreibt die einzelnen Spielsituationen recht gut, dennoch muss sie grade in den ersten Partien relativ häufig zu Rate gezogen werden, was Dank eines Index, aber auch kein größeres Problem darstellt.

Neben viel Liebe zum Detail überzeugt Winter der Toten vor allem durch seine tolle Aufmachung und das spannende, originelle Spielprinzip.

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