Warhammer Invasion

11. April 2010 von Marcus Pohlmann

Warhammer Invasion

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Spieleranzahl: 2 Spieler

Altersempfehlung: ab 13 Jahren

Erscheinungsdatum: 14.10.2010

Sprache: Deutsch

Das Warhammer-Universum von Games Workshop hat in seinem fast dreißigjährigen Bestehen schon die unterschiedlichsten Blüten getrieben. Neben Tabletops, Computerspielen, Romanen, Comics und Brettspielen war sogar schon ein Sammelkartenspiel dabei, dem allerdings nur eine recht kurze Lebensdauer beschieden war. Fantasy Flight Games bzw. der Heidelberger Spieleverlag starten nun mit Warhammer Invasion – Das Kartenspiel, einem so genannten Living Card Game, einen neuen Anlauf den Kartenspielmarkt zu erobern.

Zuerst stellt sich natürlich die Frage, was ein „Living Card Game“ denn überhaupt ist. Generell kann man sagen, dass es ähnliche spielerische Merkmale aufweist, wie ein gewöhnliches Sammelkartenspiel. So stellt jeder Spieler aus einem Kartenfundus sein Spiel-Deck zusammen, Handkarten werden mit Ressourcen bezahlt und abwechselnd ausgespielt und treten im Kampf gegeneinander an. Der größte Unterschied besteht darin, dass die Karten nicht in zufälligen Boostern verkauft werden, sondern der Spieler weiß genau, was ihn erwartet, wenn er sich einen Satz Karten zulegt. Dieses Prinzip hat sich schon bei den ehemaligen Sammelkartenspielen A Game of Thrones und The Call of Cthulhu bewährt, die durch diesen Schritt eine viel größere Spielergemeinde erreichen konnten.

Das Spiel selbst enthält 220 Spielkarten für die vier Hauptvölker, Menschen, Zwerge, Orks und Chaos, daneben sind noch einige Karten für die Hoch- und Dunkelelfen vorhanden, mit denen man seine Truppen gezielt verstärken kann. Für jede der vier Rassen liegt ein Hauptstadtbogen bei, der im Spiel selbst eine zentrale Rolle einnimmt. Dazu kommen noch verschiedene Marker für Schaden, Ressourcen und Brände und natürlich die recht umfangreiche Anleitung. Spieler die schon Erfahrungen mit Sammelkartenspielen gemacht haben dürften sich sehr schnell zu Recht finden. Für alle anderen Spieler sind einige der Begriffe und Spielmechanismen zuerst wahrscheinlich etwas fremd und gewöhnungsbedürftig, was sich allerdings bald gibt.
Vor dem Beginn des Spieles steht der schon erwähnte Deck-Bau, bei dem aus den vorhandenen Karten 50 bis 100 ausgewählt und durchgemischt werden. Dies ergibt den Kartenstapel, von dem Handkarten gezogen werden. Die Karten unterscheiden sich grob in Einheitenkarten, die in die Schlacht geschickt werden, Taktikkarten, die während eines Kampfes Vorteile bringen, Questkarten, deren Erfüllung bestimmte Boni mit sich bringt und Hilfskarten, die schon ausliegende Karten unterstützen. Um eine Karte ins Spiel zu bringen muss eine bestimmte Anzahl an Ressourcen bezahlt werden, die weiteren Charakteristiken der Karten beinhalten Machtsymbole, die in der Königreich- bzw. Questphase von Bedeutung sind, die Trefferpunkte die eine Karte aushalten kann bevor sie aus dem Spiel entfernt wird und besondere Eigenschaften die sich auf den Einsatz der Karte und den Spielverlauf auswirken. Die Zusammenstellung dieser Karten liegt ganz im Ermessen des Spielers, Karten verschiedener Völker können so kombiniert werden um Synergien zu nutzen oder dem individuellen Spielstil anzupassen.
Derart vorbereitet kann man sich endlich daran machen die erste Partie zu beginnen. Um den Sieg zu erringen, muss man zwei der drei Teilbereiche der gegnerischen Hauptstadt in Brand stecken, also zerstören. Diesen Teilbereichen kommt im Spielverlauf eine zentrale Bedeutung zu. Der Bereich „Königreich“ generiert Ressourcen für den Spieler, mit deren Hilfe man neue Karten ausspielen kann, auf dem „Schlachtfeld“ treten die gegnerischen Armeen an und die „Quest“ ist schließlich besonderen Aufgaben reserviert, die bei Erfüllung verschiedene Vorteile für das eigene Spiel bringen.
Der Spielverlauf teilt sich in vier Phasen auf, die von einem Spieler komplett durchlaufen werden bevor der Mitspieler an der Reihe ist, allerdings gibt es die Möglichkeit auch außerhalb seines eigenen Zuges durch Taktikkarten Einfluss zu nehmen. In der Königreichphase werden die vorhandenen Ressourcen ermittelt, die bestimmen wie viele und wie teure Karten man in dieser Runde ausspielen kann. Die Questphase dient dazu, neue Karten vom Stapel auf die Hand zu nehmen. In der Hauptstadtphase hat man die Gelegenheit Karten von seiner Hand auf das Spielfeld zu bringen. Je nachdem in welchem Teilbereich seiner Hauptstadt diese Karten ausgelegt werden, unterscheiden sich dann auch die Möglichkeiten die sich in der Runde ergeben. Die wichtigste Phase ist allerdings die Schlachtfeldphase, in welcher die eigenen Truppen Teile der gegnerischen Hauptstadt angreifen und versuchen diese zu zerstören. Dazu bestimmt der Angreifer, mit welchen Einheiten er welchen Teil der gegnerischen Stadt angreifen will. Der Verteidiger kann jetzt Einheiten aus diesem Teil benennen, die sich dem Angreifer entgegen stellen. Gleichzeitig verteilen beide Spieler den Schaden, den sie in den gegnerischen Reihen verursacht haben. Macht der Angreifer genug Schaden, so kann er damit nicht nur die gegenüberstehende Armee vernichten sondern auch die gegnerische Hauptstadt schädigen. Hat er hier genug Schaden verursacht so geht der betreffende Teil in Flammen auf. Steht der zweite Teil der Hauptstadt in Brand, so endet das Spiel.

Das Konzept von Warhammer Invasion ist nicht grundsätzlich neu und ähnelt anderen Spielen dieser Art, allen voran natürlich Magic – the Gathering. Doch ist die Umsetzung recht gut gelungen, sowohl was die optische Präsentation, die stimmige Darstellung der verschiedenen Warhammer-Rassen und einige innovative Regelmechanismen angeht. Dank dieser hat der Spieler auch nie den Eindruck nur einen billigen Abklatsch zu spielen sondern ein eigenständiges Spiel vorliegen zu haben. Das Spielmaterial ist stabil und ansprechend illustriert und bewegt sich auf dem hohen Niveau, das man vom Heidelberger Spieleverlag mittlerweile gewohnt  ist. Keine Kritikpunkte gibt es ebenfalls bei der umfangreichen und ordentlich übersetzten Anleitung. Diese ist verständlich geschrieben und wird durch zahlreiche Beispiele ergänzt, so dass auch Spieler, die vorher noch nie mit Kartenspielen dieser Art in Berührung kamen sich schnell zu Recht finden. Der eigentliche Spielverlauf gestaltet sich flüssig und schnell, ohne dass es für den einen oder anderen Spieler zu langen Wartezeiten kommt. Zudem lassen sich mit den vorhandenen Karten die unterschiedlichsten Taktiken entwickeln, so dass keine Partie der nächsten gleicht. Glücklicherweise wird der Kontext der Warhammer-Welt nie aus dem Auge verloren, so dass die Besonderheiten der Rassen erhalten bleiben und damit auch für Fans des Tabletops interessant sind. Dazu kommen die ausgesprochene Turniertauglichkeit des Spieles und die Möglichkeit, den bestehenden Kartenfundus durch den gezielten Einkauf von Erweiterungen den eigenen Vorlieben weiter anzupassen.

Mit Warhammer Invasion erhält man ein komplexes aber nicht kompliziertes Spiel für zwei Personen, das auch nach mehrmaligem Spielen nicht langweilig wird und immer neue taktische Möglichkeiten bietet.

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