The Witcher – Abenteuerspiel

2. August 2015 von Marcus Pohlmann

The Witcher

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Erscheinungsdatum: 01.04.2015

Sprache: Deutsch

Jeder, der sich schon einmal mit Computerspielen beschäftigt hat, sollte etwas von The Witcher gehört haben. Vor kurzem wurde mit Wild Hunt der dritte Teil der Serie veröffentlicht, die locker auf den Romanen des polnischen Schriftstellers Andrzej Sapkowski basiert. Wie auch schon bei anderen Titeln aus dem Computer-/Konsolen-Bereich hat der Heidelberger Spieleverlag nun auch mit The Witcher – Abenteuerspiel eine Brettspielumsetzung veröffentlicht, bei der sich bis zu vier Helden auf die Jagd nach Monstern, Gold und Ruhm machen können.

Nach dem Öffnen der Box wirkt die reine Masse des Spielmaterials mit den verschiedensten Markern und Karten etwas abschreckend. Daher tut der Spieler gut daran, sich die Zeit zu nehmen um mit den verschiedenen Komponenten vertraut zu werden. Den Anfang macht hier das achtseitige Heft mit den eigentlichen Spielregeln, das zudem Erläuterungen zum Spielmaterial enthält. Detailliertere Informationen zum Spielablauf, Beispiele und Hintergrundinformationen zu The Witcher bekommt der Leser auf 16 Seiten im Referenzhandbuch. Im Mittelpunkt des Spiels steht die großformatige Karte mit ihren Königreichen, Städten und Sehenswürdigkeiten, auf der sich die Spielfiguren bewegen. Darüber hinaus gibt es hier Ablageflächen für verschiedene Karten und Spieleffekte und auch eine Leiste um die errungenen Siegpunkte der Spieler zu dokumentieren. Danach gilt die Aufmerksamkeit den vier Charakteren, jeder mit einer eigenen Figur und einem Heldenbogen. Zur Auswahl für die Spieler stehen der Zwerg Yarpen Zigrin, die Magierin Triss Merigold, der Barde Rittersporn und natürlich der Monsterjäger Geralt von Riva, der Protagonist der Computerspiele. Jeder dieser Charaktere unterscheidet sich in einigen Aspekten von den anderen, und entwickelt sich im Spielverlauf anders. Eine zentrale Rolle im Spiele haben die Queste, die die Charaktere erfüllen müssen um zu gewinnen. Diese unterteilen sich in jeweils 16 Missionen mit den Schwerpunkten Diplomatie, Kampf und Magie. Auf diesen Karten findet sich ein kurzer Fluff-Text, die Bedingungen die für das Lösen der Hauptqueste erforderlich sind, zwei Nebenquesten sowie natürlich die Belohnung, die für das erfolgreiche Lösen der Aufgabe winkt. Im Spielverlauf können die Helden Ermittlungen anstellen und damit eine Ermittlungskarte ziehen. Ebenso wie bei den Questen gibt es drei Kategorien mit jeweils 40 Karten zur Auswahl. Meist müssen hier kleine Aufgaben erfüllt werden, die dem Spieler Vorteile bringen, beispielsweise Hilfe zur Lösung einer Queste, Geld oder andere Boni. Glücks- und Unglückskarten haben direkten Einfluss auf den Spielverlauf, beispielsweise kann ein Schneesturm den Spielern arg zusetzen oder ein Leibwächter der den Charakter vor Schaden bewahrt. Schließlich gibt es noch für jede der vier Spielfiguren individuelle Trainingskarten, die besondere Fähigkeiten, Gegenstände aber auch Verbündete bereit halten. Zahlreiche Marker für Wunden, Geld, Monster und allerlei andere Spieleffekte runden das Material ab. Schließlich gibt es noch neun Würfel in fünf unterschiedlichen Farben, mit denen Kämpfe und manche Situationen bei The Witcher abgehandelt werden. Diese sechsseitigen Würfel zeigen auf ihren Seiten keine Zahlen sondern verschiedene Symbole für Angriff, Verteidigung, Spezialeffekte oder gar eine Kombination daraus.
Haben sich die Spieler mit den Regeln und dem Spielmaterial vertraut gemacht, das Brett entsprechend aufgebaut und die Charaktere verteilt, so steht der Spielrunde nichts mehr im Wege. Nun zieht jeder Spieler zwei Quest-Karten und sucht sich eine davon aus, die er erfüllen möchte. Dem Spieler stehen jetzt zwei Aktionen zur Verfügung, die er in seinem Zug ausführen kann, beispielsweise über die Karte reisen, eine Ermittlungskarte ziehen, Trainieren oder Rasten um etwaige Wunden zu kurieren. Daneben stehen jedem Charakter besondere Aktionen zur Verfügung, so kann Gerald alchimistische Tränke brauen, Rittersporn Geld verdienen, Triss Zaubersprüche vorbereiten oder der Zwerg Yarpen seinen Gefolgsleuten Befehle erteilen. Daneben gibt es noch die Möglichkeit im Zug Hinweismarker zu tauschen, Questen zu erfüllen oder mit anderen Spielern zu interagieren. Schließlich muss der Spieler noch einer Gefahr in seinem Feld begegnen, dabei zieht er entweder eine Unglückskarte und handelt diese ab oder deckt einen Monstermarker auf und tritt gegen die entsprechende Kreatur an. Dazu würfelt er seine Helden- und Kampfwürfel, sowie etwaige Bonuswürfel und vergleicht die Anzahl seiner erwürfelten Treffer und Verteidigungen mit denen des Monsters. Als Belohnung winken in der Regeln Gold und Siegpunkte, manchmal auch andere Vorteile. Gespielt wird so lange, bis es einem Spieler gelingt drei Questen zu lösen, danach sind alle anderen Spieler noch einmal an der Reihe. Schließlich werden die erreichten Siegpunkte verglichen und so der Spieler ermittelt.

Wie so häufig bei den Spielen des Heidelberger Spieleverlag ist auch hier die Ausstattung opulent. Das ausgesprochen umfangreiche Spielmaterial ist qualitativ hochwertig, tolle Illustrationen und auch einige Grafiken aus den Computerspielen sorgen für die notwendige Atmosphäre und die beiden Regelhefte bringen Klarheit in den Spielablauf. Auch spielerisch gibt es nicht viel auszusetzen, kombiniert das Spiel doch bewährte Elemente anderer Spiele, angefangen beim altehrwürdigen Talisman über Runebound bis hin zu Aspekten der Arkham Horror-Serie zu etwas Eigenständigem. Die Interaktion zwischen den Spielern beschränkt sich weitgehend auf den Tausch von Hinweisen und Geld sowie das Erfüllen von Unterstützungsquesten. Manche Karten haben zudem noch Einfluss auf die Mitspieler, so verliert der Führende beispielsweise einige Siegpunkte oder alle Spieler erleiden Wunden. Ansonsten spielt jeder für sich alleine und versucht soviel Siegpunkte wie möglich zu sammeln um die Konkurrenz in ihre Schranken zu verweisen. Der Spielablauf ist dabei recht einfach gehalten und die Wartezeit für die Mitspieler hält sich in der Regel in Grenzen.

Der Heidelberger Spieleverlag liefert hier eine gelungene, stimmige Brettspielumsetzung des Computer-Klassikers ab, bei der allerdings das „miteinander spielen“ etwas zu kurz kommt.

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