Star Wars: X-Wing

17. Februar 2013 von Marcus Pohlmann

Star Wars XWing

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Erscheinungsdatum: 18.10.2012

Sprache: Deutsch

Es gibt wahrscheinlich keinen Aspekt des Star Wars-Universums, der noch nicht vermarktet wurde. Auch der Brettspielbereich ist davon nicht ausgenommen, haben es sich doch schon mehrere Spiele zur Aufgabe gemacht, die Schlachten aus den Filmen auf den heimischen Spieltisch zu transportieren. Der Heidelberger Spieleverlag präsentiert nun mit dem Miniaturenspiel X-Wing den neuesten Ableger des Franchise und bietet damit zwei oder mehr Spielern die Möglichkeit sich Weltraumgefechte mit schnittigen Kampfschiffen, auf Seiten des Imperiums oder der Rebellen zu liefern.

Der Blick in die Spielbox konfrontiert den Spieler zuerst mit einer Vielzahl unterschiedlicher bunter Marker, Plättchen und Karten, deren Bedeutung sich allerdings recht schnell durch das kleinere der beiden Regelhefte erschließt. Die vierseitigen Schnellstartregeln handeln, wenn auch oberflächlich, fast alle Aspekte des Spieles ab. Vom Zusammenbau der Schiffe bis hin zu den ersten Spielen finden sich hier sämtliche Informationen, welche der Spieler für den Einstieg braucht. Das richtige Regelheft geht dagegen auf 28 Seiten wesentlich tiefer ins Detail und ergänzt den Regeltext großzügig mit Beispielen. Bei jedem Star Wars-Fan gilt das besondere Augenmerk natürlich den drei beiliegenden Raumschiffen. Ein X-Wing und zwei TIE-Fighter müssen lediglich auf ihre Flugbasen gesteckt werden, um startklar zu sein. Für jedes Schiff gibt es zudem doppelseitig bedruckte Plättchen mit unterschiedlichen Piloten, welche ebenfalls auf die Base gesteckt werden und eine Karte mit identischen Angaben, die der Spieler zwecks besserer Übersicht vor sich abgelegt. Jedes Schiff verfügt dabei über vier Werte, welche für den jeweiigen Schiffstyp identisch sind. Primärwaffenwert und Wendigkeitswert geben an, wie viele achtseitige Würfel für Angriff oder Fertigung zur Verfügung stehen, der Hüllenwert sagt aus, wie viel Schaden ein Schiff aushalten kann, bevor es vom Spielfeld entfernt wird und der Schildwert sorgt dafür, dass Schaden absorbiert wird bevor er das Schiff beschädigen kann. Die Piloten der Schiffe, vom einfachen Rekruten bis hin zu Luke Skywalker selbst, sind dagegen in der Lage unterschiedliche Manöver zu fliegen, besondere Fähigkeiten zu nutzen oder ihr Schiff individuell auszustatten. Wiedergegeben wird die unterschiedliche Spielstärke durch die Kommandopunktkosten, aus deren Kontingent die Spieler ihre Flotten rekrutieren können. Für jedes seiner Schiffe bekommt der Spieler zudem ein Manöverrad, mit auf dem sich verschiedene Bewegungen einstellen lassen.
Im ersten Schritt der Spielvorbereitung einigen sich die Spieler auf die bevorzugte Punktgröße in der gespielt wird. Nun können Piloten für die jeweiligen Schiffe ausgewählt werden, auch gibt es die Möglichkeit zusätzliche Waffensysteme, Reparaturdroiden oder besondere Taktiken zuzuweisen. Daran schließt sich die Auswahl der Missionen und der Aufbau des Spielfeldes an. Sind auch diese Vorbereitungen abgeschlossen, kann das Spiel endlich beginnen.
Eine Spielrunde teilt sich dabei in vier Phasen auf, welche die Spieler nacheinander ausführen. In der ersten Phase dreht jeder Spieler die Manöverräder seiner Schiffe auf die Aktion, welche er ausführen möchte und legt sie dann verdeckt neben das entsprechende Schiff. In der Aktivierungsphase werden nun die Manöverräder aufgedeckt und das Schiff, dessen Pilot den niedrigsten Pilotenwert hat, bewegt sich als Erstes. Im Anschluss daran kann sich der Spieler noch dafür entscheiden, eine der Aktionen auszuführen, die der Pilot in seinem Repertoire hat. Diese können bei der Verteidigung oder beim Angriff wichtig sein oder auch einfach die Beweglichkeit des Schiffes erhöhen. Danach ist das Schiff mit dem nächsthöheren Pilotenwert an der Reihe. Dies wird so lange fortgesetzt, bis alle Schiffe aktiviert wurden. In der anschließenden Kampfphase dreht sich die Aktivierungsreihenfolge der Schiffe um, das heißt, das Schiff mit dem höchsten Pilotenwert agiert als Erstes. Zuerst wird bestimmt, ob gegnerische Schiffe im Schusswinkel und in Reichweite der Bewaffnung des Schiffes liegen. Danach würfelt der Spieler mit einer Anzahl Angriffswürfel entsprechend dem Waffenwert des Schiffes. Der Angegriffene hat nun noch die Möglichkeit Schutzschilde zu aktivieren oder auszuweichen. Versagen auch diese beiden Optionen, so wird am getroffenen Schiff Schaden verursacht. Für jeden normalen Treffer wird eine verdeckte Schadenskarte neben das Schiff gelegt, bei den kritischen Treffern wird die Schadenskarte umgedreht und ihre Auswirkungen treffen das Schiff zusätzlich, beispielsweise fallen Waffensysteme aus oder bestimmte Flugmanöver sind nicht mehr möglich. Übersteigt der Schaden, den das Schiff im Laufe des Spiels erleidet, den Hüllenwert, so wird es zerstört und vom Spielfeld entfernt. Danach ist das Schiff mit dem nächstniedrigeren Pilotenwert an der Reihe, bis schließlich jeder Spieler alle seine Schiffe aktiviert hat und die Spielrunde endet. Dies wird solange fortgesetzt, bis es einem Spieler gelingt, alle gegnerischen Schiffe zu zerstören oder die Szenario-Bedingungen erfüllt werden.

Das Spielprinzip mit den Manöverrädern erinnert ein wenig an andere Luftkampfspiele wie beispielsweise Wings of War oder Crimson Skies die jedoch dafür Karten nutzten, bekommt aber durch die unterschiedlichen Piloten und die Möglichkeit der individuellen Ausrüstung einen wesentlich höheren Detailgrad. Auch die Generierung von Streß- oder Fokussierungsmarkern sorgt dafür, dass sich die Spieler jede ihrer Aktionen gut überlegen müssen. Dennoch bleibt das Spiel, selbst bei mehreren Schiffen pro Seite, immer noch einigermaßen schnell und übersichtlich, sodass sich die Spieler voll auf ihre Taktiken und Manöver konzentrieren können. Was auch nötig ist, denn die Bewegung der Schiffe erfordert ein gewisses Maß an Erfahrung und Planung. Grade in den ersten Spielen kann es häufiger vorkommen, dass sich Spieler selbst ausmanövrieren oder in Asteroiden krachen, mit fortschreitender Spielpraxis lassen sich diese Dinge aber besser abschätzen. Die anfängliche Verwirrung durch die zahlreichen Marker und die vielen Bilder im Regelheft legt sich rasch, da das Ganze durchaus logisch aufgebaut und verständlich geschrieben ist. Ergänzt wird dies durch ein kleines Internet-Video des Herstellers, derzeit leider nur in Englisch, das die wichtigsten Spielelemente nochmals recht anschaulich erklärt.
Die bemalten Schiffsmodelle sind sehr ordentlich modelliert und kommen ihren großen Vorbildern durchaus nahe. Allerdings bin ich mir nicht wirklich sicher, ob die Größenverhältnisse der Schiffe zueinander korrekt wiedergegeben sind. Leider will sich jedoch bei nur drei Schiffen das Gefühl einer richtigen Raumschlacht nicht wirklich einstellen. Und um einige der Taktiken sinnvoll nutzen zu können muss der Spieler fast zwangsläufig mehr Geld in die Erweiterungen mit ihren neuen Schiffen investieren. Glücklicherweise halten sich jedoch die Anschaffungskosten für weitere Schiffe in einem überschaubaren Rahmen und so steht wirklich großen Schlachten nicht viel im Weg.

Der Heidelberger Spieleverlag veröffentlicht mit X-Wing ein spannendes, schnelles und durchaus taktisches Miniaturenspiel, das den Vergleich mit anderen Spielen des Genres nicht zu scheuen braucht.

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