Raumflotte Koronus

6. Mai 2016 von Marcus Pohlmann

Drehen sich die meisten Rollenspiele um eine kleine Gruppe von Helden, die in einer räumlich eng eingegrenzten Umgebung Abenteuer erlebt, folgt das, im Warhammer 40.000-Universum angesiedelte, Science-Fiction-Rollenspiel Freihändler einem völlig anderen Ansatz. Hier übernehmen die Spieler die Rolle von Kommandanten und Offizieren auf einem gewaltigen Raumschiff mit tausenden von Crewmitgliedern und bereisen die Weite zwischen den Welten. Der vorliegende Band, Raumflotte Koronus, beschäftigt sich mit den profitablen Möglichkeiten die sich durch kriegerische Auseinandersetzungen und Raumschlachten für die Charaktere ergeben, die gewillt sind dieses Risiko einzugehen. Produktion und Vertrieb des 174 Seiten starken Band sind eine Gemeinschaftsproduktion des Heidelberger Spieleverlages zusammen mit Ulisses Spiele und Unterstützung von Feder & Schwert, die für das Layout verantwortlich waren.

Jedes der vier Kapitel enthält nicht nur Hintergrundinformationen, den allseits beliebten Fluff, sondern liefert auch, meist in den Text integriert oder in Tabellenform die Regelpassagen oder Übersichten, so dass die Spieler alle wichtigen Information im jeweiligen Absatz und nicht separat am Ende des Bandes finden.
Im ersten Kapitel erhalten die Spieler das nötige Rüstzeug, um ihr Raumschiff in eine waffenstarrende Festung zu verwandeln. Neben den verschiedensten Torpedoarten, beispielsweise Plasma-, Melter- oder gar Entertorpedos und den zerstörerischen Nova-Kanonen können zudem ganze Fliegergeschwader auf dem Schiff stationiert werden um gegnerische Angriffe abzuwehren oder planetare Invasionen zu unterstützen. Daneben erfährt der Leser weitere Details über zusätzliche Schiffsdesigns, vom relativ kleinen, unauffälligen Transporter bis hin zum kilometerlangen Großkampfschiff. Auch Werften auf denen Schiffe repariert und gebaut werden sowie verschiedene Komponenten, mit denen die Besatzung ihr Schiff verbessern kann werden hier vorgestellt. „Der Schild des Imperiums“ fast verschiedene Themen zusammen, beispielsweise die Reise zwischen Planeten oder gar Sternensystemen und die Gefahren die mit diesen Reisen verbunden sind. Ebenso wird der Werdegang eines Kriegsschiffes, von seiner Kiellegung bis zu seinem etwaigen Ende in der Schlacht durchlaufen. Auch erfährt der Leser in diesem Kapitel etwas über die Hintergrundgeschichte der Raumflotten Calixis und Koronus einschließlich der berühmtesten Schiffe dieser beiden Flottenverbände. Schließlich bietet das Kapitel noch einen Überblick über die verschiedenen militärischen Ränge die die Hierarchie der Imperialen Streitkräfte bestimmen und die eventuell auch von den Charakteren bekleidet werden können. Was wäre eine Flotte ohne adäquate Gegner? Das dritte Kapitel widmet sich den häufigsten Bedrohungen, denen sich das Schiff der Spieler in den Weiten des Alls erwehren muss. Der Eintrag jeder der sechs hier aufgezählten Rassen folgt dem gleichen Schema: Nach einem, eher allgemein gehaltenen, Text folgen die Besonderheiten der Raumschiffs- und Kampftechnik der jeweiligen Rasse und eine detaillierte Vorstellung der gängigsten Schiffstypen. Ergänzt wird dieser Abschnitt durch die Beschreibung herausragender Schiffe oder Flottenverbände, welche das Volk hervorgebracht hat. Neben den beiden bekanntesten Xenos-Rassen des Warhammer 40.000-Universums, den Orks und Eldar, gibt es die eher exotischen Rassen der handeltreibenden Stryxis, die nach Möglichkeit Kampfhandlungen vermeiden, der Söldnerrasse Kroot, die in ihren eiförmigen, gewaltigen Schiffen, die gleichzeitig den Lebensmittelpunkt der Rasse darstellen, die Galaxie bereisen und der mysteriösen Rak’Gol, die geplünderte Raumschiffe als leere, verstrahlte Hüllen zurücklassen. Und natürlich darf auch die allgegenwärtige Bedrohung durch die Diener der Chaosgötter hier nicht fehlen, die in ihren uralten Schiffen die Handelswege und besiedelten Welten unsicher machen. Der vierte und letzte Abschnitt beschäftigt sich mit der eigentlichen Kriegsführung. Von dem Zusammenstellen der Flotten über gewaltige Raumschlachten mit Entermanövern bis hin zu planetaren Auseinandersetzungen findet der Leser das nötige Rüstzeug um sich in kriegerische Auseinandersetzungen zu stürzen. Spieler und Spielleiter erhalten hier die notwendigen Informationen und Regeln um Raumschiffe oder Infanterieeinheiten zu kommandieren oder befehligen vielleicht sogar selbst kleine Kommandounternehmen.

Obwohl Freihändler sich ohnehin in einem viel größeren Rahmen bewegt als praktisch alle anderen Rollenspiele die ich kenne, legt Raumflotte Koronus nochmals einen deutlich größeren Maßstab an und führt den Spieler vor Augen, wie klein und unbedeutend sie eigentlich im Kontext des Hintergrundes sind. Dennoch dürften die Informationen zur Imperialen Flotte, zu den verschiedenen Xenox-Bedrohungen und die Erweiterungsmöglichkeiten des eigenen Schiffes praktisch für jeden Spieler des Systems interessant und nützlich sein. Zudem füllen sie das Universum weiter mit Leben und liefern zudem einige interessante Abenteueransätze. Was für mich allerdings gar nicht funktioniert sind die eigentlichen Schlachten, die in einem Wust aus Zahlen und Verwaltungsarbeit münden und sich, zumindest für mich, im Rahmen eines Rollenspiels einfach falsch anfühlen.
Die Illustrationen sind wieder sehr atmosphärisch ausgefallen und zeigen dem Spieler sehr klar seine wenig signifikante Bedeutung im Rahmen der galaxieumspannenden Handlung des Spieles. Das Layout ist ebenfalls wieder sehr übersichtlich und aufgeräumt, einzig das gehäuften Auftreten von Schreibfehlern in einigen Kapiteln stört ein wenig. Auf einen Index wurde verzichtet, dafür ist das Inhaltsverzeichnis übersichtlich unterteilt und die Innenseiten des Umschlages schmückt eine Karte der Koronus-Weite, dem Schauplatz der großen Gefechte.

Gewaltige Raumschiffschlachten und Konflikte in denen ganze Welten von Kämpfen verschlungen werden bieten den Hintergrund für dieses Quellenbuch zum Science-Fiction-Rollenspiel Freihändler.

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