Pints of Blood

17. Mai 2015 von Marcus Pohlmann

Pints of Blood

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Genre:

Erscheinungsdatum: 15.09.2015

Sprache: Deutsch

Wir schreiben das Jahr 2015 nach Christus. Ganz Großbritannien ist von fleischfressenden Zombies überrannt… Ganz Großbritannien? Nein! Der von unbeugsamen Briten besetzte Pub „The Longbow“ hört nicht auf, den Untoten Widerstand zu leisten.

So oder so ähnlich lässt sich eigentlich recht gut der Spielinhalt von Pints of Blood zusammenfassen, mit dem der Verlag HUCH! & Friends nun auch seinen Beitrag zur langsam verebbenden Welle der Zombie-Spiele beisteuert. Zwei bis vier Spielern müssen in diesem „Sociable Pub Game. With Zombies.“, so der Untertitel, ihre Stammkneipe mit Dartpfeilen, Billardqueues und Garderobenständern verteidigen bis die Rettung eintrifft.

Ein erster Blick in die Spielbox fällt zwangsläufig auf das Spielbrett, dass sich aus vier Teilen zusammensetzt. Das Innere des Pubs mit Theke, Billardtisch und Sofas bildet den Rückzugsort der Spielfiguren, die drei anderen Teile ergeben die Straßenecke mit Telefonzelle, Ambulanzwagen und Bushaltestellen. Auf dem Spielbrett sind fünf abgesetzte Reihen vorgesehen, die in Richtung der Tür und der vier Fenster gehen und in die im späteren Spielverlauf verschiedenfarbige Plättchen geschoben werden. Auf den Stanzbögen finden sich Chipstüten (die Währung des Spiels), Biergläser, viele Zombies, manche davon mit besonderen Eigenschaften, und einige weitere Marker. Sechs Holzfiguren, die Buddys, müssen von den Spielern im Spielverlauf immer wieder neu gesetzt werden, die dazugehörigen Buddykarten geben den Spielern meist unterschiedliche Boni, können aber auch für unangenehme Überraschungen sorgen. Schließlich wird das Spielmaterial durch acht sechsseitige Würfel vervollständigt, deren Seiten vor dem ersten Spiel noch beklebt werden müssen. Ein Würfel dient dabei zur Bestimmung der Farbe der Plättchen, auf denen Zombies ins Spiel kommen, die anderen sieben bestimmen die Art der eingesetzten Waffen. Außerdem wird noch ein kleiner Bus zusammengesetzt, mit dem die Zombies um den Pub herum transportiert werden. Vervollständigt wird das Spielmaterial von dem achtseitigen Regelheft und einer Übersicht über die wichtigsten Karten und Spielabläufe. Sowohl die beiden Anleitungen als auch die Buddykarten liegen dem Spiel in deutscher und englischer Sprache bei. \r\n<br>Bevor sich die Spieler jedoch daran machen können, ihren heißgeliebten Pub vor den Untoten zu verteidigen, müssen noch einige Vorarbeiten erledigt werden. So muss zuerst ausgewählt werden ob mit dem „Starters´ Menu“ die einfachere oder mit dem „Main Course“ die deutlich schwierigere Variante gespielt wird. Danach wird der Stapel mit den Buddykarten gebildet, wobei jedes Viertel durch ein Trenntableau geteilt wird. In den untersten Stapel wird zusätzlich eine der fünf Rettungskarten gemischt, die alle unterschiedliche Siegbedingungen aufweisen. Nun bekommt jeder Spieler noch einen Bissmarker und dann kann die Partie endlich starten.\r\n<br>Der Zug eines Spieler teilt sich dabei in vier Phasen auf: Am Anfang werden dabei einer oder auch mehrere Buddys vom hinteren Bereich der Bar an die Theke und damit vor einen möglichen Angriffspunkt des Pubs gezogen. Für jede so gesetzte Spielfigur zieht der Spieler eine Karte vom Nachziehstapel. Diese können durchaus positive Effekte für die Spieler haben, beispielsweise setzen die Zombies einer Reihe aus, es gibt Extratreffer oder Waffen mit besonderen Eigenschaften. Diese Karten können im Zug des Spielers eingesetzt oder an andere Spieler gegen Chipstüten eingetauscht werden. Allerdings gibt es auch Karten in diesem Stapel, welche die Zombies unterstützen und die sofort ausgespielt werden müssen. So lockt der Klang der Jukebox mehr Untote in den Pub, es müssen Buddykarten abgelegt werden oder Zombies auf einem bestimmten Farbfeld werden verdoppelt. Hat der Spieler nun seine Buddys und die entsprechenden Karten gezogen muss er mit den acht Würfeln werfen und diese, zusammen mit den Buddykarten die er einsetzen möchte, auf die verschiedenen Reihen verteilen. Ist dies abgeschlossen, so beginnt die eigentliche Kampfphase, hier werden entsprechend den eingesetzten Karten und Würfeln die Treffer auf die Zombies verteilt. Erhält ein Zombiechip einen Treffer, so wird dieser umgedreht und erst dann geschaut, was sich darunter verbirgt. Es kann sich dabei um einfache Zombies handeln, die mit einem Treffer aus dem Spiel ausscheiden, besonders zähe Untote, die einen zweiten Treffer benötigen oder gar wohlriechende Minze-Zombies, die zwar aus dem Spiel entfernt werden, aber ihrerseits neue Untote anlocken. Je nach der zugeteilten Waffe, kann ein Spieler nur Zombies in einer bestimmten Entfernung vom Pub angreifen. Sind die Treffer in einer Reihe abgehandelt, so werden besiegte Zombies abgelegt und der entsprechende Buddy zieht sich aufs Sofa im Pub zurück. Danach werden weitere Plättchen von der Straßenseite aus in die jeweilige Reihe geschoben, eines, wenn mindestens ein Zombie besiegt wurde und zwei, wenn dies nicht geglückt ist. Wurden so alle Reihen abgehandelt, schließt sich mit der „Busfahrt“ die dritte Phase des Spiels an. Befinden sich Zombies im Bus, so steigt einer davon an der jeweiligen Reihe aus, auch hier wird ein weiteres Plättchen hinzu geschoben und der Bus fährt weiter. Dies wird so lange fortgesetzt, bis sich keine Zombies mehr im Bus befinden. Danach werden in der vierten und letzten Phase die besiegten und nicht besiegten Zombies gewertet. Für jeden ausgeschalteten Untoten bekommt der Spieler eine Chipstüte und kann unter Umständen auch Karten vom Ablagestapel entfernen und damit die Spieldauer verkürzen. Haben es jedoch Zombies in den Pub geschafft, so werden sie auf dem Bissmarker abgelegt und verursachen dort einen oder mehrere Bisse. Pro fünf Bisse wird ein Buddy aus dem Spiel entfernt, was die Verteidigung des Pubs entsprechend erschwert. Bisse lassen sich durch Bier, das allerdings teuer erkauft werden muss, heilen. Danach ist der nächste Spieler an der Reihe und muss nun seinerseits Buddys platzieren, Würfel werfen und Zombies bekämpfen.

Wird beim Aufdecken der Buddykarten eines der Trenntableaus erreicht, so werden deren Auswirkungen direkt ausgeführt, und es kommen eventuell neue Buddys ins Spiel oder Karten werden vom Stapel entfernt. Wird die Rettungskarte im letzten Kartenstapel aufgedeckt, so wird nachgeschaut, ob einer oder mehrere Spieler die aufgeführten Bedingungen erfüllen können und damit das Spiel gewonnen haben. Die Armee rettet beispielsweise nur die Spieler mit möglichst vielen Chipstüten, mit dem Tandem können die beiden Spieler mit den wenigsten Bissen fliehen oder die Spieler müssen darum kämpfen wer den einzigen Platz im Kleinwagen ergattern kann. Sollten jedoch alle Buddys von den Zombies getötet werden, so verlieren alle Spieler.

Sicherlich nicht ganz unbeabsichtigt sind die Ähnlichkeiten von Pints of Blood mit einer Schlüsselszene aus der grandiosen britischen Zombie-Kömödie Shaun of the Dead. Und tatsächlich gelingt es dem Autor Kinjiro recht gut, die Stimmung des Films in das Spiel zu transportieren: Die Zombies drängen in immer größerer Anzahl in den Pub während die verbliebenen Buddys sich mit allem wehren, was ihnen zur Verfügung steht und dabei immer noch die Zeit für ein frisch gezapftes Bier finden. Natürlich machen die Würfel das Spiel recht zufallsabhängig, die Spielzüge hätten gerne kürzer sein dürfen, zumal die Interaktion zwischen den Spielern nur begrenzt stattfindet und auch die Siegbedingungen sind nicht unbedingt fair, doch so ist es nun einmal während der Zombieapokalypse. Die beiden Schwierigkeitsgrade stellen sowohl Gelegenheitsspieler wie auch ausgebuffte Profis vor wirklich Herausforderungen und dürften die Spieler rasch an ihre Grenzen bringen. Allerdings sollten die Spieler nicht vergessen, dass es sich hierbei nicht um ein Spiel handelt, bei dem es ausschließlich ums Gewinnen geht, sondern eher darum, mit Freunden in lockerer Atmosphäre Spaß zu haben, und natürlich Bier und Chips zu konsumieren. Die Aufmachung ist rundum gelungen, die Illustrationen stimmig, der Humor sehr britisch und die Qualität des Spielmaterials wirklich gut. Die Anleitung hätte vielleicht etwas übersichtlicher gegliedert sein können, aber durch die zahlreichen bebilderten Beispiele, dauert es nicht wirklich lange sich zurecht zu finden.

HUCH! & Friends liefern hier einen optisch sehr ansprechenden und spielerisch durchaus stimmigen Beitrag zur Zombie-Spiel-Welle ab, der vor allem für Freunde lockerer, entspannter Spiele interessant sein dürfte.

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