Mordheim: City of the Damned

14. Dezember 2015 von Marcus Pohlmann

Mordheim: City of the Damned

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Um die Jahrtausendwende herum hatte der britische Tabletop-Hersteller Games Workshop neben seinen Hauptsystemen, auch einige kleinere Spiele, die sogenannten Specialist Games in seiner Produktpalette. Vor dem Hintergrund einer fantastisch-mittelalterlichen Stadt, die von einem Meteoriten getroffen wurde und nun von allerlei mutierten Kreaturen überrannt wird, war Mordheim angesiedelt. Die Spieler konnten hier aus zahlreichen Fraktionen ihre bevorzugte Truppe auswählen und im Kampagnensystem ihre Figuren nach Belieben ausrüsten und weiterentwicklen. Nachdem es lange Zeit still um das Spiel war, machten 2012 erste Gerüchte die Runde, dass das kanadische Studio Rogue Factor zusammen mit dem europäischen Publisher Focus Home Interactive eine Umsetzung als Computerspiel plane. Nach einer ausgedehnten Testphase und einem mehrfach verschobenen Veröffentlichungstermin kann mit Mordheim: City of the Damned das fertige Spiel mittlerweile über die Steam-Plattform herunter geladen werden.

Zu Beginn tut der Spieler gut daran, sich das Intro anzuschauen und die Tutorials zu den verschiedenen Aspekten des Spiels durchzuarbeiten. Nachdem er sich so einen kleinen Überblick über den Hintergrund und die Abläufe im Spiel verschafft hat, kann sich der Spieler nun daran machen seine Truppe zusammenzustellen und die Stadt auf der Suche nach den kostbaren Warpstein-Splittern zu erkunden.
Derzeit stehen vier unterschiedliche Fraktionen zur Auswahl, für die sich der Spieler entscheiden kann. Jede dieser Kriegerbanden verfügt über unterschiedliche Schwerpunkte und spielt sich deutlich verschieden. So handelt es sich bei den menschlichen Söldnern um eine Allrounder-Fraktion die Zugriff hat auf fast alle Waffen und Ausrüstungsgegenstände und im späteren Spielverlauf sogar gewaltige Oger und mächtige Magier rekrutieren kann. Im Kult der Besessenen sammeln sich die Anhänger der finsteren Chaosgötter und fühlen sich in der verwüsteten Stadt heimisch. Der Anführer der Truppe, Magister genannt, ist ein recht fähiger Magier und vielseitiger Kämpfer. Ansonsten liegt der Fokus auf einem großen Schadenspotential im Nahkampf mit einigen wenigen Fernkampfoptionen. Interessant sind die Mutationen die einigen Kämpfern besondere Fähigkeiten, beispielsweise einen zweiten Kopf oder einen Klauenarm bescheren. Mit der Chaos-Brut kann der Kult zudem eine schnelle, starke und extrem aggressive Kreatur in ihren Dienst stellen. Eine der originellsten Entwicklungen von Games Workshop waren die Skaven, intelligente und mutierte Rattenmenschen, die normalerweise die Kanalisationen der Alten Welt unsicher machen. Für Spieler die eine schnelle, hinterhältige Truppe bevorzugen und diese mit Shuriken, vergifteten Klingen und magischen Pistolen ausrüsten wollen sind die Skaven die richtige Wahl.  Schließlich gibt es noch die Schwestern des Sigmar, militante Kampfnonnen, denen eine Fernkampfoption völlig fehlt. Stattdessen rückt diese Fraktion, ausgerüstet mit schweren Rüstungen und Hämmern und unterstützt von göttlicher Magie, langsam durch die Ruinen vor und zerschlägt jeden Widerstand.
Jede Figur verfügt über eine Reihe von physischen, mentalen und kampforientierten Attributen, die Auswirkungen auf zahlreiche weitere Werte haben. So begünstigt ein hoher Gewandheitswert, die Chance einem gegnerischen Angriff auszuweichen oder eine Figur mit hoher Intelligenz wird seltener von den negativen Auswirkungen der Zaubersprüche betroffen. Schließlich kann jede Figur im Laufe ihrer Karriere noch mehrere Fertigkeiten erlernen, die es ermöglichen Waffen schneller nachzuladen, härter zuzuschlagen oder sich in den Ruinen sicher zu bewegen. Neben dem Anführer können bis zu drei verschiedene Helden mit unterschiedlichen Spezialisierungen und ein großes Monster rekrutiert werden. Dazu kommt noch das gewöhnliche Fußvolk hinzu, das ebenfalls zwei unterschiedliche Arten von Kämpfern bietet. Die einzelnen Figuren können dann entsprechend ausgerüstet und auch optisch modifiziert werden, ganz nach den Vorlieben des Spielers.\r\n<br>Ist also die Truppe zusammengestellt, so kann der Spieler wählen, ob er sich online ins Gefecht mit menschlichen Gegenspielern stürzt, einzelne Missionen gegen den Computer spielt oder die fraktionsspezifische Kampagne startet. Die Missionen eignen sich dabei hervorragend als Einstieg, da sie die Möglichkeit geben, bessere Ausrüstung zu bekommen und die Attribute der Figuren zu steigern.
Auf einer Stadtkarte stehen zwischen zwei und sechs Einsätze zur Auswahl, die sich in Schwierigkeit, Aufbau und natürlich Beute teils stark unterscheiden. Das Hauptziel jeder Mission ist es, die gegnerische Truppe entweder komplett auszulöschen oder dafür zu sorgen, dass sie ihren Moraltest verpatzt und flieht. Daneben gibt es sekundäre Ziele, die variieren; beispielsweise müssen bestimmte gegnerische Modelle ausgeschaltet oder ein besonderer Gegenstand in den Ruinen gefunden werden. Hat sich der Spieler nun für eine Mission entschieden und seine Figuren auf dem Schlachtfeld platziert, so startet das eigentliche, rundenbasierende Spiel. Die Figuren werden in der Reihenfolge ihrer Initiative aktiviert und es stehen eine gewisse Anzahl an Aktions- und Angriffspunkten zur Verfügung. Mit diesen Punkten bewegen sich die Figuren, suchen nach Fallen, laden ihre Waffen nach oder greifen gegnerische Modellen an. Basierend auf den eigenen Werten und der Ausrüstung sowie der des Gegners ergibt sich eine Trefferchance die entscheidet, ob die Attacke erfolgreich ist oder nicht. Dieser Schaden wird von den Lebenspunkten einer Figur abgezogen, sinken diese Punkte auf Null, so wird der Charakter vom Spielfeld entfernt. Hat eine Figur alle Aktions- und Angriffspunkte aufgebraucht, ist die nächste in der Initiativereihenfolge an der Reihe. Gespielt wird so lange, bis eine Fraktion ausgelöscht ist, ihren Moral-Test verpatzt oder freiwillig das Feld räumt. Danach wird die Beute verteilt, die Kämpfer erhalten Erfahrungspunkte und können diese für bessere Werte und Fertigkeiten ausgeben und ausgeschaltete Figuren erholen sich im günstigsten Fall von ihren Wunden. Manche Verletzungen sind allerdings auch permanent und begleiten den Charakter den Rest seiner Karriere. Diese haben entsprechende Auswirkungen, beispielsweise wird eine Figur mit nur noch einem Bein deutlich langsamer und erhält massive Abzüge auf klettern oder springen.
Während der Online-Modus sich kaum von den normalen Missionen unterscheidet, gibt es vier fraktionsspezifische Kampagnen, bei der nicht die Jagd nach dem kostbaren Warpstein im Vordergrund steht, sondern besondere Ziele erfüllt werden müssen.

Grafisch orientiert sich Mordheim stark am Tabletop-Original und zeigt eine mittelalterliche Stadt, die in weiten Teilen in Trümmern liegt. Überall finden sich Szenen, die aus einem Gemälde von Bosch stammen könnten, Häuser sind stellenweise von organischer Masse überwuchert, Wasser (oder Blut) tropfen entgegen der Schwerkraft nach oben und vereinzelte Fackeln erhellen die Szenerie spärlich. In ihrem Bemühen die Atmosphäre möglichst düster zu halten, sind die Designer dabei etwas über das Ziel hinaus geschossen: Bei nächtlichen Szenarien ist es relativ schwierig, in den Gebäuden Treppen, Möbelstücke oder Türen zu erkennen; im großen Sigmar-Tempel, Teil des Kampagnenspiels ist praktisch gar nichts zu sehen. Beim blinden Herumgestolpere verliert die Figur wertvolle Aktionspunkte und wird zur leichten Beute des Gegners. Kenner des Tabletops werden auch die Figuren wiedererkennen, sind diese doch eine gelungene digitale Umsetzung der ursprünglichen Zinnminiaturen. Einige zusätzliche Modifikationsmöglichkeiten bei den Charakteren wären zwar schön gewesen, aber es sind ausreichend Variationen vorhanden um die Truppe den eigenen Vorstellungen anzupassen. Der Sound fällt kaum ins Gewicht und beschränkt sich darauf, die Szenerie mit prasselndem Feuer, rauschendem Wasser oder dem gelegentlichen Stöhnen der Figuren zu untermalen. Die Musik ist ebenfalls sehr passend, allerdings viel zu kurz und wirkt in der Endlosschleife etwas nervig. Die Steuerung funktioniert in weiten Teilen sehr solide, nur manchmal ist es etwas schwierig die Figur durch einen Türrahmen oder zu einem wichtigen Spielpunkt zu bugsieren. Die Auswahl der Aktionsmöglichkeiten funktioniert dagegen recht gut; die Vorauswahl erfolgt situativ, lässt sich aber problemlos wechseln. Auch Zielauswahl, Orientierung und die Bedienung der Verwaltungsbildschirme funktionieren tadellos und der Spieler findet sich recht schnell zurecht.
Was mir dagegen gar nicht gefallen hat, waren zum einen die schon beängstigend langen Ladezeit vor dem Start einer Mission; zwei Minuten und länger sind hier keine Seltenheit. Ebenfalls massiv hat mich gestört der Schwierigkeitsgrad von Mordheim. Normale Missionen lassen sich mit viel Übung und einer vernünftigen Strategie häufig gewinnen, wobei die Erfüllung der sekundären Missionsziele schon deutlich schwieriger ist. Auf den anderen Schwierigkeitsgraden ist es nur selten, und nur unter optimalen Grundvoraussetzungen, möglich den Rechner zu besiegen. Ich hatte schon mehr als eine Mission, bei denen alle meine Figuren ausgeschaltet wurden, bevor ich überhaupt reagieren konnte. Wenn dann noch die Hälfte der Charaktere ihren Verletzungen erliegt oder dauerhafte Wunden davon trägt kann dies leicht zu Frust führen.
Dennoch haben Rogue Factor/Focus Home Interactive hier eine sehr originalgetreue und stimmige Umsetzung des Tabletops abgeliefert, bei der einige kleinere Fehler und der stellenweise unfaire Schwierigkeitsgrade den Spielspaß ein wenig trüben. Hier schaffen hoffentlich künftige Updates Abhilfe; und auch einige weitere spielbare Fraktionen würden sicherlich nicht schaden.

Trotz einiger kleiner Schwächen ein spannendes und optisch ansehnliches Spiel, welches Atmosphäre und Spielgefühl des Originals sehr gut trifft.

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