Lovecrafter Nr. 1

25.07.2017 von Marcus Pohlmann

Nachdem die Deutsche Lovecraft Gesellschaft e.V. bereits im Oktober letzten Jahres einen Testballon zu ihrem neuen Vereinsmagazin gestartet hat, liegt nun mit der ersten Ausgabe des Lovecrafter das Heft in seiner endgültigen Form vor. Auf 78 Seiten setzen sich die Autoren mit einer ganzen Reihe von Themen auseinander, die in einem mehr oder minder direkten Zusammenhang mit dem Werk von Howard Phillips Lovecraft stehen.

Der erste Teil des Heftes ist dabei den verschiedenen Vereinsaktivitäten vorbehalten. So gibt es Informationen zur Vorstandsarbeit und den aktuellen Planungen und Projekten des Vereins sowie Nachlesen zu zwei Veranstaltungen, Das Ritual in Essen und dem LARP Das Flüstern aus den Sphären. Ein Interview mit Huan Vu, der aktuell an seinem Filmprojekt Die Traumlande, einer filmischen Umsetzung mehrerer Lovecraft-Stories, arbeitet vervollständigt diesen Teil des Heftes.
Der Schwerpunkt der Ausgabe liegt allerdings bei Leben und Werk des irischen Schriftstellers Lord Dunsany, der einen gewissen, nicht unerheblichen Einfluss auf das Schaffen von Lovecraft hatte. Gleich fünf Kapitel widmen sich dem Adligen, dessen fantastische Kurzgeschichten hierzulande weitgehend unbekannt sind. Durch eine Biographie und eine Bibliographie bekommt der Leser einen Überblick über die Tätigkeiten des Autors, was durch die Rezension zweier Sammelbände mit Kurzgeschichten abgerundet wird. Ein weiteres Kapitel stellt einen Zusammenhang zwischen dem frühen Werk Dunsanys und dem späteren Schaffen von Lovecraft her, für den die Geschichten des irischen Autors entscheidend zur Entwicklung der Traumlande beigetragen haben.
Gut das letzte Drittel des Heftes ist schließlich dem Rollenspielmaterial vorbehalten. Für Cthulhu Now ist das Abenteuer „Ein paar Tage im Februar“ ausgelegt, in dem die Charaktere sich nach einem Flugzeugabsturz in der lebensfeindlichen Umgebung der Reaktorruine von Tschernobyl wiederfinden. Nicht nur Strahlung, Kälte und Hunger machen den Investigatoren zu schaffen, sondern auch eine Gruppe finsterer Kultisten. Diese vollziehen im Reaktor ihre unheiligen Rituale und versuchen eine Kreatur in den Kraftwerkskern zu beschwören. Daneben gibt es noch eine Systemvorstellung für das Weird-War-Rollenspiel Achtung! Cthulhu das vor kurzem vom Uhrwerk Verlag auf dem deutschen Markt veröffentlicht wurde. Vier vorgefertigte, ausgearbeitete Charaktere runden den letzten Teil des Heftes schließlich ab.

Ich bin in erster Linie Rollenspieler, daher gefällt mir die Gewichtung der Themen in dieser ersten „offiziellen“ Ausgabe des Lovecrafter noch nicht so wirklich. Die Artikel über Lord Dunsany sind sicherlich interessant – und haben mich dazu gebracht, meine alte Ausgabe von Das Land des Yann wieder einmal aus dem Schrank zu holen. Auch der Aus- beziehungsweise Rückblick auf die Vereinsaktivitäten und die damit verbundenen Projekte hat durchaus seine Berechtigung. Allerdings hätte ich mir mehr Material für H.P. Lovecrafts Cthulhu gewünscht: lediglich ein kurzes (wenn auch sehr gutes und spannendes) Abenteuer sowie vier Charaktere ist dann letztendlich doch etwas wenig.
Optisch lässt sich dagegen nichts bemängeln: Illustrationen und Bildauswahl sind wie gewohnt sehr stimmig und unterstützen die Atmosphäre der dazugehörigen Artikel. Das Layout ist zweckmäßig und übersichtlich, einzig die Handouts für das Abenteuer hätten ein klein wenig anders gestaltet werden können.

Der Lovecrafter liefert dem interessierten Leser Hintergrundinformationen, Literaturempfehlungen und Spielmaterial in einem handlichen Format zu einem fairen Preis.

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