Kreuzzüge – Ritter im Heiligen Land

8. Februar 2012 von Marcus Pohlmann

Kreuzzüge - Ritter im Heiligen Land

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Erscheinungsdatum: 01.11.2011

Sprache: Deutsch

Schon im Jahr 2009 legte Pegasus Press mit dem Quellenband Mittelalter – die dunklen Jahre ein alternatives Setting für das Cthulhu-Rollenspiel vor. Jetzt endlich ist mit Kreuzzüge – Ritter im Heiligen Land die erste Erweiterung dafür erschienen und bietet auf annährend 300 Seiten Spielleiter und Spielern die Möglichkeit eine der interessantesten Phasen des Mittelalters für ihre Spielrunden zu nutzen.

Um die Zeit der Kreuzzüge zu verstehen geben die drei Autoren dem Leser zuerst einen kurzen Überblick der bekannten Welt um das Jahr 1000 herum mit auf den Weg. Dieser erste, recht straff gehaltene, Teil des Bandes beschäftigt sich mit den geografischen, politischen und religiösen Verhältnissen dieser Zeit und legt so die Grundlage zum besseren Verständnis dieser gewaltigen Heerzüge, die in den kommenden 300 Jahren die Geschichte so prägen. Derart präpariert kann sich der Leser schließlich dem eigentlichen Thema dieses Quellenbandes widmen. Jedes Kapitel ist einem der sieben großen Kreuzzüge gewidmet, wobei vor allem dem ersten (1095-1099) und zweiten Kreuzzug (1146-1148) viel Raum gelassen wird. Die sich anschließenden Kreuzzüge bieten zwar immer noch zahlreiche interessante Episoden, sind aber lange nicht so umfangreich beschrieben. In diesen Kapiteln wird zum einen chronologisch und recht detailliert der Ablauf der Ereignisse zusammengefasst. Zum anderen finden sich daneben Informationen über kleinere Begebenheiten, die zwar auf den Kreuzzug keinen oder nur geringen Einfluss haben, allerdings für die damalige Bevölkerung durchaus von Bedeutung waren. Immer wieder stehen auch Personen, Organisationen und Artefakte im Fokus der Autoren, die von großer historischer Bedeutung sind, aber auch aus rollenspielerischer Sicht viel Potential bieten. So spielt der Speer des Longinus ebenso eine Rolle wie auch der Schatz der Templer oder die Bruderschaft der Assassinen. Neben diesen zumeist geschichtlich belegten Fakten finden sich auch rein fiktionale Ansatzpunkte für Rollenspiel-Szenarien. So korrumpiert ein Shoggothenlord den christlichen Adel, der ehemalige deutsche Ordensritter und spätere Magier Ludwig Prinn verfällt dem Schwarzen Pharao und auch der sinistre Baron Hauptmann, bekannt aus „Bruderschaft des Tieres“, hat seinen ersten Auftritt während des vierten Kreuzzuges.
Neben diesem umfangreichen Hintergrundmaterial enthält Kreuzzüge – Ritter im Heiligen Land auch noch einige Regelergänzungen. Besonders interessant sind hier neue Beschäftigungfelder für die Charaktere wie z.B. als Assassine oder Haremsdame. Recht umfangreich sind zudem die ergänzenden Kampfregeln ausgefallen, die sich auch mit größeren Schlachten beschäftigen und dafür sorgen, dass auch der kriegerische Aspekt der Kreuzzüge einen wesentlichen Anteil am Spiel einnimmt. Abgerundet wird dieser Quellenband schließlich von zwei Abenteuern die vor dem Hintergrund der Kreuzzüge angesiedelt sind. Im ersten Szenario reisen die Charaktere auf ihrem Weg ins Heilige Land durch Ungarn und werden in „Gorgonenhaupt“ in die politische Wirren des Königreiches hinein gezogen. Dabei müssen sie zugleich die Machenschaften einer durchtriebenen Mythos-Kreatur vereiteln und einen ausgewachsenen Krieg verhindern. Das zweite Abenteuer, eigentlich eine kleine Kampagne, trägt den Titel „Das Heer der Verfluchten“ und stellt die Charaktere vor außergewöhnliche Herausforderungen. Im Gefolge des Bischofs Berengar müssen sie sich mit fleischgewordenen griechischen, christlichen und cthuloiden Mythen auseinander setzen und finden sich schließlich selbst als Teil eben jenes Heeres wieder, dass sie eigentlich aufhalten sollten.

Wie die meisten anderen Bücher aus der Cthulhu-Reihe zeichnet sich auch Mittelalter – die dunklen Jahre durch gut recherchierte Fakten und stimmige Texte aus. Die Vermischung aus tatsächlichen historischen Ereignissen mit verschiedenen Mythen und cthuloider Fiktion gelingt den Autoren zumeist recht ordentlich und mit den kurzen Szenarien und Abenteuer-Ideen in den Kapiteln bieten sich für den Spielleiter genug Möglichkeiten seinen Charakteren den Weg ins Heilige Land schwer zu machen. Für die Spieler sind dagegen die sarazenischen Charaktere nicht uninteressant und ermöglichen eine neue Herangehensweise. Zum Thema „Tempelritter“ ist zwar in Literatur und Film eigentlich schon alles gesagt worden, dennoch kommt auch dieser Band nicht an der Thematik vorbei und versucht möglichst viele der Legenden um diesen Ritterorden unterzubringen. Hier wäre mir persönlich etwas weniger Klischee lieber gewesen, allerdings lassen sich die Intrigen und Mythen recht gut in einen cthuloiden Hintergrund integrieren. Auch die beiden Abenteuer sind recht gut gelungen, wobei das erste mir mit Detektivarbeit, Kämpfen und Kultisten-Verschwörungen besser gefällt als „Das Heer der Verfluchten“, das von allem ein wenig zu viel bietet und so eher an eine epische High-Fantasy-Kampagne erinnert als an ein Cthulhu-Abenteuer.
Was die Aufmachung des Bandes angeht, so steht auch Kreuzzüge – Ritter im Heiligen Land den anderen Veröffentlichungen des Verlages in nichts nach. Stimmige Illustrationen und Bilder werden von umfangreichen Handouts ergänzt, das Layout ist übersichtlich und erleichtert beim Lesen die Orientierung. Lediglich auf einen Index wurde verzichtet, was die Suche nach bestimmten Namen und Ereignissen leider unnötig erschwert, ansonsten gibt es wirklich nichts an diesem Hardcover-Band auszusetzen.

Pegasus Press präsentiert hier einen umfangreichen und gelungenen Hintergrundband über eine der spannendsten Episoden des Dunklen Zeitalters.

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