Korsaren der Karibik

18. September 2011 von Marcus Pohlmann

Korsaren der Karibik

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Spieleranzahl: 2 bis 4 Spieler

Altersempfehlung: ab 13 Jahren

Spieldauer: ca. 180 Minuten

Erscheinungsdatum: 01.07.2010

Sprache: Deutsch

In letzter Zeit bringen Pegasus Spiele verstärkt anspruchsvolle und opulent ausgestattete Brettspiele auf den Markt und haben damit schon so manche Spielesammlung bereichert. Eine der neuesten Veröffentlichungen aus dem Friedberger Verlag beschäftigt sich mit der allseits beliebten Piraten-Thematik und so übernehmen die Spieler in Korsaren der Karibik als mutige Kauffahrer, hinterhältige Piraten oder tollkühne Entdecker das Kommando über ein stolzes Schiff.

Schon der erste flüchtige Blick in die Box zeigt dem neugierigen Spieler eine Menge Material. Die großformatige, 16seitige Anleitung und mehrere Übersichtsblätter geben schon einen gewissen Ausblick auf den Umfang des Spiels, der noch vom weiteren Inhalt der Box unterstrichen wird. Das großformatige Spielbrett zeigt eine schmucke Darstellung der Karibik unterteilt in verschiedene Seeregionen und Städte mit ihren jeweiligen Beschreibungen. Daneben finden sich mehrere Leisten, auf denen z.B. der Kriegszustand der verschiedenen Nationen oder die aktuelle Bedrohung durch (Nichtspieler-)Piraten angezeigt wird. Dazu kommen vier Kapitänsbretter auf denen die Spieler alle relevanten Informationen über ihr Schiff und seinen Kapitän unterbringen können. Münzen und Schatztruhen zeigen das Vermögen der Spieler an während zahlreiche Holz- und Pappmarker für Waren, Kopfprämien und andere Angaben genutzt werden. Piratenwürfel, mit einem Schädel an Stelle von fünf und sechs, Karten für die Kapitäne, Spezialisten, Schiffe, Aufträge und Gerüchte runden das Spielmaterial ab. Und natürlich liegen auch noch einige Schiffsfiguren bei, wobei hier die Auswahl zwischen insgesamt vier Schiffstypen besteht. Die schnelle und wendige Schaluppe eignet sich hervorragend zur Erfüllung von Aufträgen und für kleinere Raubzüge während die behäbige Fleute eher von Händlern bevorzugt wird. Ein gutes Allround-Schiff ist die Fregatte die sowohl über ausreichend Laderaum als auch Kampfkraft verfügt um allen Situationen gewachsen zu sein. Die teuersten und mächtigsten Schiffe jedoch sind die schweren Galeonen die aus fast jedem Kampf siegreich hervorgehen. Zudem gibt es die Möglichkeit die Schiffe aufzurüsten um sich so weitere Vorteile gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen.
Zu Beginn des Spiels zieht jeder Spieler einen Kapitän der über vier unterschiedliche Eigenschaften verfügt, deren Werte jeweils zwischen eins und vier liegen. Zudem hat jeder noch eine besondere Fähigkeit, die im weiteren Spielverlauf mehr oder minder sinnvoll eingesetzt werden kann. Auch bestimmt der Kapitän den Heimathafen und damit den Startpunkt. Den Spielern steht es danach frei ihre Karriere als Händler, Erforscher, Pirat oder gar Piratenjäger zu beginnen um so zu Gold, Ruhm und dem Spielsieg zu kommen. Sollte ein Kapitän getötet werden oder der Spieler befindet sich in einer aussichtslosen Situation gibt es zudem die Möglichkeit mit einem neuen Kapitän von vorne anzufangen und dabei die alten Ruhmpunkte zu übernehmen.
Der eigentliche Spielablauf von Korsaren der Karibik gestaltet sich recht einfach. Zu Beginn jeder Runde wird eine Ereigniskarte aufgedeckt, die mehr oder minder direkten Einfluss auf das Spielgeschehen hat. So kann ein Wirbelsturm die Karibik heimsuchen und die Schiffe zum Anlaufen des nächst gelegenen Hafens zwingen, während in einer anderen Stadt eine Pestepidemie tobt und kein Kapitän es wagt diesen Hafen anzulaufen oder aber ein neuer Freibeuter erscheint auf dem Plan und bringt ein Schiff nach dem nächsten auf. Danach sind die Spieler reihum am Zug und können nun ihre Schiffe bewegen, andere Schiffe angreifen oder im Hafen vor Anker gehen um Handel zu treiben, ihr Schiff aufzurüsten, Gerüchte aufzuschnappen oder Aufträge zu erfüllen. Egal für welche der Optionen sich der Spieler entscheidet, das Ziel ist es möglichst viel Ruhm zu erlangen. Neben den Schiffen der Spieler tummeln sich zudem noch allerlei andere Kauffahrer, Piraten und Militärschiffe in den Gewässern und so kann es öfters zu Gefechten kommen. Diese werden, wie die meisten anderen Spielsituationen auch, mit einem Würfelwurf entschieden. Abhängig vom jeweiligen Eigenschaftswert und etwaigen Modifikatoren, stehen dem Spieler für seinen Wurf entsprechend viele sechsseitige Würfel zur Verfügung, wobei bei einem Würfelwurf jeweils nur die fünf und sechs als Erfolg gewertet werden. Je nachdem welche Situation grade vorliegt gelingen so die Treffer mit den Kanonen, die Entermannschaften besiegen die gegnerische Besatzung, ein Spezialist lässt sich dazu überreden mit der Crew zu segeln oder ein alter Seebär verrät die Lage eines Schatzes. Das Spiel endet schließlich wenn es einem Spieler gelingt zehn Ruhmpunkte anzuhäufen oder keine Ereigniskarte mehr gezogen werden kann.

Die optische Präsentation von Korsaren der Karibik lässt keine Wünsche offen. Von den Schiffsminiaturen über die stimmigen Illustrationen bis hin zum Spielbrett ist die Qualität durchweg hochwertig. Die Anleitung ist sinnvoll und verständlich geschrieben und wird durch zahlreiche Illustrationen und Beispielbilder ergänzt. Aber nicht nur die Optik kann bei dem Spiel überzeugen, auch das Spielprinzip ist weitgehend gut durchdacht und die Mechanismen funktionieren recht ordentlich, wenn auch manchmal der Glücksaspekt zu sehr im Vordergrund steht.
Zudem kann es hin und wieder vorkommen, dass ein Spieler durch eine glückliche Kombination von Kapitänseigenschaften und Ruhmkarten einen gehörigen Vorteil gegenüber seinen Mitspielern hat. Hier hilft dann nur noch eine konzentrierte Aktion der anderen Spieler um den Siegeszug zu stoppen, was aber auch die Interaktion fördert. Durch die vielen verschiedenen Kapitäne, die zufällige Verteilung der Missionen und die unterschiedlichen Möglichkeiten an Ruhmpunkten, Goldmünzen sowie Ausrüstung zu kommen ergeben sich sehr abwechslungsreiche Spielrunden, bei denen die Gefahr der Langeweile kaum gegeben ist. Auch die Spieldauer bewegt sich bei vier Spieler mit gut drei bis vier Stunden in einem noch erträglichen Rahmen ohne das sich der Eindruck ergibt, das Spiel würde sich unnötig in die Länge ziehen.

Korsaren der Karibik ist ein großartiges Spiel, das auch nach mehrmaligem Spielen immer neue Facetten und Spieltaktiken bietet und dabei auch noch gut aussieht.

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