Kingsport Festival

23. November 2014 von Marcus Pohlmann

Kingsport Festival

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Erscheinungsdatum: 16.10.2014

Sprache: Deutsch

Seit einigen Jahren wird dem amerikanische Horror- und Pulp-Schriftsteller Howard Phillips Lovecraft eine enorme Aufmerksamkeit zuteil, die ihm zu Lebzeiten leider verwehrt geblieben ist. Unzählige Bücher, Comics, Filme und auch Spiele kreisen um den von ihm geschaffenen Mythos um kosmische Gottheiten, degenerierte Kultisten und verborgene Schrecken. Vom renommierten Spieleverlag Kosmos kommt nun ein weiteres Spiel, dass sich dieser Thematik annimmt und bis zu fünf Spieler in die Rolle von Kultführern schlüpfen lässt. In Kingsport Festival versuchen sie nun die Gunst der Großen Alten zu erlangen und ihren Einfluss über die Stadt in Neuengland auszudehnen.

Der erste Blick in die Schachtel offenbart ein recht großes Spielbrett, welches einen stilisierten Stadtplan von Kingsport zeigt, auf dem 16 Gebäude besonders hervorgehoben sind, sowie mehrere unterschiedliche Leisten mit Zahlen. Runde und quadratische Marker aus Holz in verschiedenen Farben, einige Pappplättchen mit Gebäudeabbildungen auf der einen und Texten auf der anderen Seite, jeweils drei Würfel in den Spielerfarben sowie ein recht umfangreicher Stapel mit Karten und die 16seitige Anleitung vervollständigen das Spielmaterial. Ein erster Blick in das Regelheft gibt Aufschluss über Inhalt und Ziel des Spiels: Es geht für die Spieler darum, in den zwölf Runden des Spiels möglichst viele Kultpunkte zu sammeln. Dazu müssen sie Gebäude kontrollieren, Zaubersprüche wirken und Ermittler besiegen. Die grundlegende Spielmechanik dreht sich dabei um die Beschwörung der zwanzig Kreaturen, die um das Spielfeld herum drappiert werden und den Spielern Unterstützung in Form von Ressourcen und anderen Boni gewähren. Diese zwanzig Karten sind quadratisch und zeigen auf der Vorderseite eine Illustration der jeweiligen Mythos-Kreatur, sowie die Kosten an Geistiger Gesundheit und die Belohnungen, die bei einer erfolgreichen Beschwörung fällig werden, die Rückseite hält dagegen einen Erklärungs- und Flufftext bereit. Die Bandbreite der Monster reicht hier vom hirnlosen Shoggothen über Vater Dagon bis hin zum Schwarzen Pharao Nephren-Ka oder gar dem mächtigen Azatoth. Die restlichen Karten teilen sich auf in Ermittler- und Ereigniskarten, von denen pro Spiel vier Stück zum Einsatz kommen, die Festivalkarten, welche die Spielregeln jeder Partie ein wenig modifizieren, sowie drei Kategorien von Zaubersprüchen, von denen jede einen unterschiedlichen Schwerpunkt hat. So liefern Zerstörungs-Zauber Kultpunkte oder Ressourcen, während Tod-Zauber im Kampf gegen die Ermittler helfen und Übles-Zauber starken Einfluss auf die Beschwörungen haben. Die runden Marker dienen dazu, die Besitzansprüche der Spieler auf verschiedene Gebäude und auf den Wertungsleisten darzustellen, während die kleinen Quader für die drei unterschiedlichen Ressourcen Zerstörung, Tod und Übles stehen.
Vor Spielbeginn werden die Karten der Großen Alten platziert, eine Festivalkarte gezogen, sowie entsprechende Ermittler- und Ereigniskarten auf der Zeitleiste verteilt. Nachdem sich nun jeder Spieler für eine Farbe entschieden hat, kann der Machtkampf um Kingsport endlich beginnen.
Zu Beginn einer Runde werfen die Spieler zeitgleich ihre drei Würfel und legen damit die Zugreihenfolge fest, wobei der Spieler mit dem niedrigsten Ergebnis beginnt. Nun platzieren die Spieler abwechselnd einen oder mehrere Würfel auf die Großen Alten, die sie in dieser Runde beschwören wollen. Jeder Karte, mit Ausnahme von Nephren-Ka, kann dabei nur von einem Spieler genutzt werden. Haben alle Spieler ihre Würfel gelegt, so können sie ihre Belohnung in Form von Ressourcen, Zaubersprüchen oder Magiepunkten einsammeln. Einige Beschwörungen erlauben es sogar, dass sich der Spieler verdeckte Ermittler- oder Ereigniskarten anschauen darf. Haben die Spieler nun die nötigen Ressourcen, so können sie in der nächsten Spielphase den Einfluss ihres Kultes auf weitere Gebäude der Stadt ausdehnen, indem sie die entsprechenden Kosten bezahlen und dafür meist noch einige Kultpunkte einstreichen. Jedes Gebäude gibt nun im weiteren Spielverlauf gewisse Boni, beispielsweise lassen sich Würfe modifizieren, es gibt Unterstützung im Kampf oder es werden jede Runde Ressourcen generiert. Vier mal im Spiel, zu unterschiedlichen, vom Szenario vorgegebenen Zeitpunkten, versuchen heroische Ermittler das Treiben der Kultisten zu stoppen. In diesen Kampfrunden muss jeder Spieler alleine durch Gebäude oder Zauber die Stärke des Ermittlers übertreffen. Gelingt dies, so kann sich der Spieler über eine Belohnung freuen, versagt er jedoch kann er Gebäude, Kultpunkte oder Ressourcen verlieren. Danach endet die Runde und der Marker auf der Zeitleiste wird weiter bewegt. Nach zwölf Runden endet das Spiel und es folgt eine Endabrechnung der Kultpunkte, an deren Ende der Spieler mit den meisten Punkten als Sieger hervorgeht.
Einige Elemente werten den Spielablauf dabei zusätzlich auf, so wird für jede Partie eine Festival-Karte gezogen, welche grundlegenden Einfluss auf den Spielablauf nimmt. Die Spieler verlieren beispielsweise Geistige Gesundheit wenn sie sich in der Stadt ausbreiten, es gibt zusätzliche Kultpunkte für ungenutzte Marker oder bestimmte Gebäude bringen mehr Kultpunkte. Die Magiepunkte werden benötigt um Zaubersprüche überhaupt zu wirken oder gar zu verstärken und schließlich ist die Geistige Gesundheit einer der wichtigsten Aspekte des Spiels. Durch Beschwörungen oder Zauber verlieren die Spieler diese Punkte, können sie aber auf unterschiedliche Weise wieder regenerieren. Sollte ein Spieler seine gesamte Geistige Gesundheit verlieren, so scheidet er zwar nicht aus dem Spiel aus, verliert nun aber stattdessen Kultpunkte. Auch die vier Ermittler, von denen jeder mit einem besonderen Ereignis kommt, sorgen dafür, dass sich die Spieler in mehrere Richtungen absichern und auch die Kampfstärke nicht vernachlässigen dürfen.

In den ersten Partien wirkt Kingsport Festival recht umständlich: die Fähigkeiten der besetzten Gebäude müssen beachtet werden, die Auswirkungen der verschiedenen Zaubersprüche sind noch nicht so offensichtlich und auch die Bedeutung der unterschiedlichen Ressourcen lässt sich schwer abschätzen. Dies wird durch den weitschweifigen, unübersichtlichen Aufbau des Spiels nicht unbedingt erleichtert und so braucht es tatsächlich einige Zeit, bis die Spieler die Feinheiten richtig schätzen lernen. Große Interaktion zwischen den Spielern findet dabei allerdings nicht statt, jeder verfolgt für sich alleine seine Taktik und versucht ein Maximum an Kultpunkten zu erzielen; eine Möglichkeit den Mitspielern das Leben schwer zu machen gibt es nicht. Die einzige Gelegenheit, bei der sich die Spieler in die Quere kommen könnten ist bei der Auswahl der Großen Alten und auch hier bieten sich eigentlich genug Alternativen. Sieht man davon ab, bekommen die Spieler ein sehr stimmiges, atmosphärisches Spiel, das seine Ähnlichkeit mit Kingsburg gar nicht leugnen will aber durch die wechselnden Ermittler und Ereignisse abwechslungsreiche Unterhaltung bietet. Vor allem die Balance zwischen Geistiger Gesundheit, Kampfkraft und Magie zu finden, macht meiner Meinung nach einen der größten Reize dieses Spiels aus und hebt es von ähnlichen Spielen deutlich ab.
Die Optik von Kingsport Festival ist, entsprechend der Thematik, angenehm düster und vor allem die Illustrationen der Großen Alten und der Monster wissen ausgesprochen gut zu gefallen. Die Autoren haben zusätzlich sehr viel Fluff-Texte aus den Geschichten Lovecrafts in das Spiel integriert, wobei sich dieser nicht weiter auf das Spielgeschehen auswirkt sondern nur der Atmosphäre dient. Das 16seitige Regelheft präsentiert alles Wissenswerte zum Spiel sehr übersichtlich und ergänzt den Text um zahlreiche Beispiele, so dass die Spieler eigentlich keine Verständnisprobleme haben sollten. Nicht ganz so gelungen sind dabei jedoch stellenweise die Wahl des Schrift und Schriftgröße. Besonders die Karten- und Beispieltexte sind relativ schlecht lesbar, was sich sehr unangenehm bemerkbar macht. Mit Ausnahme dieser Kleinigkeiten macht die Qualität der Spielmaterialien einen ausgesprochen guten, hochwertigen Eindruck und weiß durchaus zu überzeugen.

Für Lovecraft-Fans lohnt sich ein Blick auf Kingsport Festival in jedem Fall, und auch Spieler denen die Würfelmechanik von Kingsburg gefallen hat dürften sich hier wohl fühlen.

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