Kampf gegen das Spießertum

29.10.2017 von Marcus Pohlmann

Kampf gegen das Spießertum

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Spieleranzahl: 3 bis 10 Spieler

Altersempfehlung: ab 18 Jahren

Erscheinungsdatum: 25.10.2017

Sprache: Deutsch

Sicherlich hat der eine oder andere unserer Leser schon einmal von Cards Against Humanity gehört. Dabei müssen die Spieler Karten mit Begriffen ausspielen um einen Lückentext auf möglichst boshafte oder zumindest humorvolle Weise zu schließen. Da die Kartentexte sehr auf den US-amerikanischen „Way of Life“ ausgerichtet sind, hat der kleine Schweizer Verlag Kampfhummel mit Kampf gegen das Bünzlitum eine eidgenössische Version herausgebracht. Kurz darauf folgte, im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne, nun eine bundesdeutsche Variante. Kampf gegen das Spießertum kommt im Rahmen der SPIEL erstmals auch in den freien Verkauf und auf die Spieltische.

Die quadratische, gelbe Schachtel ist ungewöhnlich schwer, was zum einen am dicken Material, zum anderen aber auch an den 600 Karten liegt. Diese teilen sich auf in 150 gelbe Fragekarten mit unvollständigen Sätzen und 450 weiße Antwortkarten mit unterschiedlichsten Begriffen. Eine separate Anleitung suche ich dagegen vergeblich – diese befindet sich auf der Rückseite der Spielbox.
Das Spielprinzip unterscheidet sich nur unwesentlich von anderen Spielen ähnlicher Machart: Jeder Spieler bekommt acht (weiße) Handkarten. Ein Spieler, hier als Rundenboss bezeichnet, zieht eine gelbe Karte und liest den Lückentext darauf vor. Die restlichen Spieler überlegen sich nun, mit welcher ihrer weißen Handkarten diese Lücke – manchmal sind es auch mehrere – möglichst sinnvoll, lustig oder böse geschlossen werden kann. Ein typischer Satz in Kampf gegen das Spießertum könnte beispielsweise folgendermaßen lauten: „Am liebsten foltere ich Chorknaben-Schänder mit einem Hamster im Arsch.“ oder „Helene Fischer wird den 3. Weltkrieg auslösen.“. Die kursiven Begriffe entsprechen dabei den Antwortkarten.
Der Rundenboss wählt nun die Lösungsvariante, die ihm am besten gefällt, der entsprechende Spieler erhält die gelbe Karte als Belohnung und wird neuer Rundenboss. Schließlich ziehen alle Spieler so lange, bis sie wieder acht Handkarten haben und die nächste Runde beginnt. Gespielt wird, bis ein Spieler eine vorher abgesprochene Anzahl an Punkten/gelben Karten erreicht hat; oder, wie es die Autoren vorschlagen, man aus der Bar geworfen wird.
Neben diesen Basis-Regeln gibt es auch noch zwei optionalen Regelzusätze: In der Trinkspielvariante muss der Spieler mit der langweiligsten Antwort einen Shot trinken. Auch besteht die Möglichkeit eine Runde auszusetzen und damit seine komplette Kartenhand auszutauschen.

Mittlerweile gibt es auf dem deutschsprachigen Markt eine ganze Reihe von Spielen, die nach diesem Prinzip funktionieren und bei denen sich alles um die Ergänzung eines Lückentextes dreht. Dabei scheinen die Autoren sich darin überbieten zu wollen, möglichst viele obszöne Geschmacklosigkeiten auf ihren Karten unterzubringen. Bei Kampf gegen das Spießertum ist dies zweifellos sehr gut gelungen und manche Textkombinationen empfinde selbst ich als leicht grenzwertig. Dies heißt jedoch nicht, dass das Spiel keinen Spaß macht – ganz im Gegenteil. Allerdings hängt sehr viel von den Mitspielern und der jeweiligen Stimmung ab. In lockerer Runde, vielleicht auch zu vorgerückter Stunde bei dem einen oder anderen alkoholischen Getränk, sind die Lacher vorprogrammiert. Für einen langen Spieleabend eignet sich dieses Kommunikationsspiel dagegen auf keinen Fall. Aber als Absacker für eine Party ist es eine hervorragende Wahl.
Die Gestaltung der Karten ist schlicht, aber dennoch sehr effektiv. Die Texte sind gut lesbar, der häufige Einsatz des Logos stört nicht und die Farbwahl sorgt für einen guten Kontrast. Karten und Schachtel sind aus einem robusten Material gefertigt und dürften die eine oder andere Spielrunde schadlos überstehen. Einzig eine separate Anleitung vermisse ich – die Lösung mit den wenigen Zeilen auf der Rückseite der Box geht aber durchaus in Ordnung.

Kampf gegen das Spießertum kratzt hart an der Grenze des guten Geschmacks. Wer sich daran nicht stört bekommt ein sehr lustiges, böses und kommunikatives Partyspiel.

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