Judge Dredd Miniatures Game

6. November 2013 von Marcus Pohlmann

Judge Dredd Miniatures Game

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Erscheinungsdatum: 17.10.2013

Sprache: Englisch

Den meisten Lesern dürfte der Name Judge Dredd vor allem durch die beiden mehr oder minder gelungenen Verfilmungen mit Sylvester Stallone und Karl Urban bekannt sein. Tatsächlich geht die Geschichte des unbestechlichen Gesetzeshüters in der futuristischen Mega-City One viel weiter zurück, nämlich bis ins Jahr 1977, als der Charakter im britischen Comic-Verlag 2000 AD zum ersten Mal mit eher rüden Methoden für Recht und Ordnung sorgte. Seither haben einige Verlage den dystopischen Hintergrund der Comics für Brett-, Rollen- und Tabletop-Spiele genutzt. Der jüngste Vertreter dieser Spiele ist die überarbeitete Neuauflage des Judge Dredd Miniatures Game, bei dem die beiden Verlage Mongoose Publishing und Warlord Games kooperieren.

Der Hardcover-Band ist mit 240 Seiten recht umfangreich ausgefallen, wobei die Regeln dabei nur einen relativ kleinen Teil des Buches einnehmen. Erfahrene Tabletop-Spieler finden sich hier schnell zurecht, bestehen die Regeln doch aus den gängigen Komponenten. Jede Figur verfügt über Werte, die ihre Nahkampffertigkeit und -stärke, ihre Geschwindigkeit und Beweglichkeit sowie ihre Willensstärke, Rüstung und Lebenspunkte bestimmen. Um Proben abzulegen, beispielsweise ein Ziel zu treffen, über Dächer zu springen oder dem psionischen Angriff eines Mutanten zu widerstehen, wirft der Spieler einen oder mehrere zehnseitige Würfel und vergleicht den Wurf mit dem des Gegners oder eines Zielwertes um zu ermitteln, ob die Aktion Erfolg hat. Modifiziert werden diese Würfe durch besondere Fähigkeiten der Figuren, Ausrüstung oder die äußeren Umstände des Spielfeldes, beispielsweise Deckung. Während seines Zuges aktiviert ein Spieler alle seine Figuren und kann mit jeder bis zu zwei Aktionen ausführen, beispielsweise einen Gegner angreifen, bewegen oder ein Talent nutzen, danach ist der Mitspieler an der Reihe. Nachdem die wichtigsten Regeln somit abgehandelt sind, können sich die Spieler daran machen, ihre Truppen zusammenzustellen. Je nach Absprache zwischen den Spielern stehen ihnen eine gewisse Anzahl an Credits, die spielinterne Währung, zur Verfügung. Damit können in erster Linie Figuren rekrutiert werden. Kenner der Comics werden sicherlich viele der möglichen Fraktionen kennen, so haben die Spieler die Wahl, ob sie Richter, eine Straßengang, Roboter, mutierte Affen, die Mafia, außerirdische Invasoren oder eine der zahlreichen anderen Gruppierungen der Stadt aufs Feld führen wollen. Den meisten Fraktionen stehen dabei in der Regel zwei Arten von Figuren zur Verfügung: Die Handlanger sind selten mehr als Kanonenfutter, haben nur beschränkt Zugriff auf Ausrüstung und Fähigkeiten, können sich aber im Laufe mehrerer Spiele weiter entwickeln. Viel interessanter sind dagegen die Helden. Diese übernehmen innerhalb der Truppe die Rolle von Anführern und Spezialisten, sammeln Erfahrung und erlernen während ihrer Laufbahn verschiedene Talente. Der zweite wichtige Bereich bei dem die Spieler Credits ausgeben können ist die Ausrüstung ihrer Figuren. Neben umfangreichen Waffenarsenalen gibt es auch nützliche Dinge wie Rüstungen, Klettergeschirr, Erste-Hilfe-Kästen, Kampfdrogen oder kybernetische Gliedmaßen. Wer damit noch nicht genug hat, kann sich auch noch verschiedene Fahrzeuge für seine Gang zulegen. Auch hier ist die Auswahl breit gestreut und reicht vom einfachen Motorrad bis hin zum waffenstarrenden Schwebepanzer. Zu Beginn des Spiels noch nicht ganz so wichtig sind außerdem die rund dreißig Talente oder Fähigkeiten, aus denen die Figuren wählen können. Diese bringen beispielsweise Bonuswürfel, erlauben Wiederholungen, verleihen psionische Kräfte oder steigern allgemein die Effektivität einer Figur. Ähnlich wie bei einigen Computer- oder Rollenspielen haben die Helden hier Zugriff auf regelrechte Fähigkeiten-Bäume, bei denen die verschiedenen Talente aufeinander aufbauen. Eigentlich jeder Aspekt des Spiels ist dadurch abgedeckt und die Spieler können so die Entwicklung ihrer Figuren gezielt auf ihre eigene Spielweise abstimmen. Das nächste Kapitel stellt elf Szenarien vor, welche die unterschiedlichsten Siegbedingungen, Zielsetzungen und Hintergründe haben. Angefangen beim einfachen Kampf Mann gegen Mann in einer kleinen Wohnung bis hin zur Verteidigung eines Wohnblocks gegen eine gewaltige Zombie-/Mutanten-Horde ist für jede Truppengröße und Spieldauer etwas dabei. Einen besonderen Aspekt des Spiels, nämlich die Regeln für Kampagnen, finden sich auf den folgenden Seiten. Die Spieler können hier mit ihrer Gang Gebäude und Straßenzüge kontrollieren, die wiederum Einkommen generieren das zur Vergrößerung der Truppe oder zum Aufstocken der Ausrüstung genutzt werden kann. Die Figuren erhalten außerdem für jedes überlebte Gefecht Erfahrungspunkte, auch besondere Aktionen werden damit belohnt. So können die Helden im Verlauf mehrerer Spiele neue Fähigkeiten erlernen und ihre Attribute verbessern, ebenso können fähige Handlager zu Helden werden.
Von den regulären Szenarien getrennt, und vor allem für Comic-Fans bemerkenswert, sind die „Famous Firefights“ bei denen besondere Gefechte aus dem Judge Dredd-Universum als Missionen vorgestellt werden. Diese Szenarien schreiben meist die Zusammensetzung der Truppen vor und eignen sich in erster Linie für den Einstieg oder eine lockere Spielrunde. Fast der gesamte Rest des Bandes, immerhin fast 50 Seiten, ist schließlich dem Hintergrund der Spielwelt gewidmet. Der Leser bekommt hier Informationen über die verschiedenen Mega-Cities, die Struktur des Justiz-Systems und einen groben Überblick über das Leben der gewöhnlichen Menschen in der nicht ganz so schönen neuen Welt. Abschließend verfügt der Band über einen Index, auch die wichtigsten Tabellen mit den Spielwerten werden noch einmal zusammengefasst.

Auf den ersten Blick hebt vor allem das Judge Dredd-Franchise das Tabletop von den vielen ähnlich gelagerten Skirmish-Spielen ab, die sich derzeit auf dem Markt tummeln. Über den Systemhintergrund lässt sich sicherlich streiten, aber der Leser bekommt hier auf jeden Fall ein ordentliches Spiel, das recht gut funktioniert. Die Regeln sind nicht übermäßig komplex, sehr solide geschrieben und decken fast alle Möglichkeiten ab, die sich in einem Spiel ergeben können. Durch die Einbeziehung vieler optionaler Regeln wird das Tabletop so durchaus recht detailliert und anspruchsvoll. Sowohl die umfangreichen Talente-Bäume als auch die Nutzung von Fahrzeugen werten das Spiel zudem ordentlich auf. Was das Judge Dredd Miniatures Game, zumindest für mich, zu einem kleinen Highlight macht ist jedoch das Kampagnen-System. Hier bietet sich für eine kleine Spielergruppe, die sich regelmäßig trifft, die Möglichkeit über einen längeren Zeitraum hinweg die Geschichte eines kleinen Teils von Mega-City One (oder einer anderen Stadt) und seiner Bewohner zu entwickeln. Es ist ein wirklich gutes Gefühl, wenn der Anführer der eigenen Gang den gegnerischen Chef gefangen nimmt oder nur mit Hilfe seiner Nahkampf-Talente eine Horde Zombies im Alleingang ausschaltet. Zum einen fördert dies die Langzeitmotivation sich mit dem Spiel auseinander zu setzen, zum andern macht es tatsächlich Spaß seine Truppe wachsen und gedeihen zu sehen.
Das durchgehend vierfarbige Regelbuch fällt vor allem durch seine zahlreichen Abbildungen von Miniaturen auf, ebenso sind viele Illustrationen aus den Comics vorhanden und lockern den Text auf. Die Struktur und Aufteilung des Bandes hätte durchaus etwas übersichtlicher sein können, was allerdings durch den Index etwas abgemildert wird. Was ich allerdings bei einigen Regelpassagen vermisse sind Beispiele, die das Verständnis deutlich erleichtern würden.

Mongoose Publishing und Warlord Games liefern hier ein solides SciFi-Skirmish-Tabletop im 28mm-Maßstab ab, das vor allem im Kampagnen-Modus unglaublich viel Spaß macht.

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