Ja, Herr und Meister!

5. Juli 2015 von Marcus Pohlmann

Herr und Meister

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Erscheinungsdatum: 01.05.2015

Sprache: Deutsch

Immer wieder versucht der Oberbösewicht Rigor Mortis die Fantasywelt Kragmortha zu unterjochen. Und immer wieder scheitern seine Pläne, nicht durch das Eingreifen heroischer Abenteurer, sondern durch die Unfähigkeit seiner minderbemittelten Schergen. In dem Erzählspiel Ja, Herr und Meister! schlüpfen die Spieler nun in die Rolle ebenjener Untergebenen und versuchen die Schuld am erneuten Versagen einem Mitspieler in die Schuhe zu schieben. Bei dem vorliegenden Rezensionsexemplar handelt es sich um die „Grüne Edition“ des Spiels, die in spielerischer Hinsicht mit der „Roten Edition“ identisch ist. Beide Editionen verfügen über unterschiedliche Karten und können miteinander kombiniert werden. Wie auch schon die erste Ausgabe dieses Spiels, erschienen 2006, so ist auch diesmal wieder der Mainzer Verlag Truant Spiele verantwortlich, der das Spiel in Kooperation mit dem Heidelberger Spieleverlag veröffentlicht.

Neben der 24seitigen Anleitung finden sich in der Schachtel rund 160 Karten, die sich in drei verschiedene Kategorien aufteilen lassen. Den mit deutlichem Abstand größten Anteil haben die Hinweiskarten bei denen der Blick vor allem auf die comichafte Illustrationen gezogen wird. Daneben hat die Karte noch einen Titel und einen kurzen Flufftext. Diese drei Elemente können im Spielverlauf genutzt werden, um die Erzählungen der Spieler weiter zu spinnen. Die Aktionskarten werden unter anderem dazu genutzt, die Schuld für das Versagen auf andere Spieler abzuwälzen oder die Karten zu tauschen. Schließlich gibt es noch die Karten mit dem „Vernichtenden Blick“, die Rigor Mortis, sozusagen der Spielleiter, an Spieler verteilt, die entweder zu lange zögern, nicht in der Lage sind die Geschichte an andere Spieler weiterzugeben oder anderweitig sein Missfallen erregen. Das Spiel endet, wenn ein Mitspieler drei „Vernichtenden Blicke“ erhalten hat. In diesem Fall verliert dieser Spieler und darf in der nächsten Runde die Rolle des Dunklen Meisters übernehmen.
Nachdem die Spieler für die erste Runde jemanden bestimmt haben, der als Rigor Mortis die Runde leitet, bekommen alle anderen Spieler drei Hinweis- und drei Aktionskarten vom Nachziehstapel. Nun denkt sich der Spielleiter eine Mission aus und verlangt von einem der Spieler eine Erklärung, warum diese fehlgeschlagen ist. Dieser spielt nun eine Hinweiskarte aus und baut um diese herum eine kleine Geschichte. Die Ausreden müssen dabei weder logisch sein, noch in irgend einer Form Sinn ergeben, sie sollten aber den Meister (und natürlich auch die Mitspieler) unterhalten. Um seinen Zug zu beenden, muss der Spieler eine Hinweiskarten in Kombination mit einer seiner Aktionskarten ausspielen und bringt so einen anderen Spieler dazu, die Geschichte fortzuführen indem er die eben ausgespielte Hinweiskarte mit einbaut. Die anderen Spieler können sich, die entsprechenden Aktionskarten vorausgesetzt, in die Geschichte einmischen und neue Hinweiskarten spielen.

Wer bei seinen Spielen klar strukturierte Regeln, ausgeklügelte Spielmechanismen oder gar eine ausgewogene Spielbalance erwartet ist hier leider völlig falsch. Ja, Herr und Meister! gehört zu jener Sorte Spiel, bei denen der Spaß in lockerer Spielrunde im Vordergrund steht. Richtig gespielt ist es eine Freude den abstrusen, lustigen, gemeinen oder schlicht verrückten Geschichten zuzuhören, mit denen sich die Spieler aus der Affäre ziehen wollen. Da das Spiel praktisch seinen gesamten Reiz aus der Interaktion zieht, sollten Spieler, die mit Erzählspielen ohnehin nichts anfangen können einen weiten Bogen um das Spiel machen, zumal in diesem Fall der Spaß für die gesamte Gruppe extrem darunter leidet.
Laut Angabe auf der Schachtel können zwischen 4 und 16 Spieler an einer Spielrunde teilnehmen, allerdings ist das nicht wirklich praktikabel. Mit sechs bis acht Spielern funktioniert Ja, Herr und Meister! dagegen tadellos, jeder Spieler ist ins Geschehen eingebunden und die Wartezeiten bleiben in einem überschaubaren Rahmen. Auch hat der Dunkle Meister keine Schwierigkeiten solch eine geringe Spielerzahl unter Kontrolle zu halten und jedem die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die er verdient.
Bei den Karten finden sich zahlreiche mehr oder minder gut versteckten Anspielungen, beispielsweise auf Fernsehserien wie Dexter oder The Big Bang Theory und auch die Illustrationen von Riccardo Crosa tragen ihren Teil zum Spielvergnügen bei. Die Anleitung ist verständlich geschrieben auch wenn ich mir an einer oder zwei Stellen etwas klarere Formulierungen gewünscht hätte. Neben den normalen Regeln gibt es mit Ja, Mein Gebieter! noch eine zweite Regelvariante, die versucht dem Spiel etwas mehr Struktur zu geben. Hier geht jedoch viel vom chaotischen Charme verloren und es macht deutlich weniger Spaß als das Original.

Ja, Herr und Meister! ist ein schnelles und witziges Erzählspiel, das auch in größeren Gruppen noch Spaß macht und das Improvisationstalent der Spieler auf eine harte Probe stellt.

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