Illuminati

24. Juni 2015 von Marcus Pohlmann

Illuminati

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Erscheinungsdatum: 01.04.2015

Sprache: Deutsch

Macht korrumpiert, so besagt es zumindest eine alte Binsenweisheit. Wer die Stichhaltigkeit dieses Ausspruches gerne am eigenen Leib ausprobieren möchte, kann dies bei der neuen Auflage von Illuminati tun. In diesem Spiel von Pegasus Spiele kontrolliert jeder der bis zu sechs Spieler eine mächtige Geheimgesellschaft und versucht mit dieser nichts Geringeres, als die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Der Inhalt der großen Schachtel ist eigentlich sehr übersichtlich: zwei sechsseitige Würfel, drei Stanzbögen mit Markern für die Spielwährung MegaTeuro, die 24seitige Anleitung und natürlich die 240 quadratischen Karten um die herum das Spiel aufgebaut ist. Diese Karten lassen sich grob unterteilen: Sonderkarten, die für ungewöhnliche Spieleffekte sorgen. So lässt beispielsweise der „Staatliche Untersuchungsausschuss“ einen Spieler aussetzen, das „Schweizer Nummernkonto“ steigert die Einnahmen in einer Runde beträchtlich oder die „Medienkampagne“ lässt eine eigentlich zerstörte Gruppe wieder ins Spiel zurückkehren. Und natürlich gibt es noch die rund 180 gesellschaftlichen Gruppierungen, um deren Kontrolle es im Spiel geht und die den Spielern Geld, Macht und letztendlich den Sieg bringen. Die Karten verfügen neben ihrem Namen und einer kleinen Illustration häufig über besondere Eigenschaften, eine politische Gesinnung, Macht, Widerstand und Einkommen sowie mehrere Pfeile, mit denen sie kontrolliert werden und selbst wiederum andere Gruppen kontrollieren können. Die Bandbreite der hier vertretenen Gruppen reicht von den relativ harmlosen „Pfadfindern“ über die „Klontechniker“ die besonders dafür geeignet sind andere Gruppen zu zerstören, bis hin zu „Pegasus Spiele“, die eine Bonus auf die Kontrolle der Gruppe „Rollenspieler“ bekommen. Und schließlich gibt es noch zehn Karten für die Illuminati, besonders mächtige Geheimgesellschaften, von denen jeder Spieler eine kontrolliert. Jede dieser Gruppen unterscheidet sich durch die ihr zur Verfügung stehenden Macht und ihr Einkommen. Viel wichtiger sind jedoch ihre besondere Fähigkeit und die individuellen Siegbedingungen. So bekommen beispielsweise die „Jünger Cthulhus“ einen Bonus auf die Zerstörung anderer Gruppen und gewinnen das Spiel, wenn sie acht Gruppen vernichten können, die „Gnome von Zürich“ verschieben dagegen beliebig Geld innerhalb ihrer Machtstruktur und müssen 150 MegaTeuro ansammeln um zu siegen während die „Diskordische Gesellschaft“ mindestens fünf verrückte Gruppen in ihre Machtstruktur integrieren muss.
Zu Beginn des Spieles zieht jeder Spieler verdeckt eine Illuminati-Gruppe, die das Zentrum seiner künftigen Machtstruktur bildet. Außerdem werden vier Gruppen vom Nachziehstapel aufgedeckt und in die Tischmitte gelegt. Dies sind die ersten unkontrollierten Gruppen, welche die Spieler unter ihre Kontrolle bringen können. Danach muss nur noch durch einen Würfelwurf der Startspieler bestimmt werden und das Ringen um die Weltherrschaft kann beginnen.
In seinem Zug muss jeder Spieler mehrere Schritte durchlaufen, so kassiert er beispielsweise zu Beginn das entsprechende Einkommen für die von ihm kontrollierten Gruppen und deckt eine Karte vom Nachziehstapel auf. Handelt es sich dabei um eine Sonderkarte, so kann er diese auf die Hand nehmen, eine Geheimgesellschaft wird dagegen in der Tischmitte abgelegt. Nun kann der Spieler bis zu zwei Aktionen ausführen, beispielsweise Geld zwischen seinen Gruppen verschieden oder seine Machtstruktur umbauen, auch manche Sonderkarten werden durch Aktionen genutzt. Die bei weitem wichtigste Aktion jedoch ist der Versuch eine auf dem Tisch liegende Geheimgesellschaft außerhalb der eigenen Machtstruktur zu attackieren. Diese Attacke kann entweder dazu dienen, selbst die Kontrolle über die Gesellschaft zu übernehmen, sie zu zerstören oder sie aus der Machtstruktur eines andere Spieler zu entfernen um sie wieder in die Tischmitte zu legen. Im Prinzip besteht diese Attacke lediglich aus einem Wurf mit den beiden Würfel, der Angreifer muss dabei möglichst niedrig würfeln und ein Ergebnis erzielen, dass sich aus seiner eigenen Macht abzüglich dem Widerstand der zu kontrollierenden Gruppe ergibt. Allerdings machen zahlreiche Faktoren aus diesem Würfelwurf eine durchaus komplexe Angelegenheit. So hat beispielsweise die Position im Machtgefüge Einfluss auf die Schwierigkeit, auch die Gesinnung der beteiligten Gruppen muss beachtet werden, dazu kommen verschiedene Sonderregeln und schließlich können die Spieler (nicht nur die unmittelbar beteiligten) MegaTeuro ausgeben, um den Wurf zu erschweren oder zu erleichtern. Neben diesen eingeschränkten Aktionen stehen dem Spieler noch die Freien Aktionen zur Verfügung, bei denen er Gruppen ablegen kann, Angriffe unterstützt oder mit anderen Spielern tauscht.
Generell können sich Spieler im Spielverlauf absprechen, Bündnisse schließen (nur um sie sofort wieder zu brechen), sich gegenseitig Gruppen und Geld zuschieben und auch ansonsten alles tun, was Verschwörungstheoretiker schon immer von den Illuminati erwartet haben.
Das Spiel endet, wenn es einem Spieler entweder gelingt die allgemeinen Siegbedingungen oder die besonderen Voraussetzungen seiner Geheimgesellschaft zu erfüllen.
Neben den normalen Spielregeln finden sich noch einige optionale Regeln, die den Spielverlauf deutlich auf den Kopf stellen und sich nur für erfahrene Spieler eignen, so dürfen sich beispielsweise alle Gruppen ein beliebiges Spielziel aussuchen und dieses vor den Mitspielern geheim halten.

Auch in seiner neusten Inkarnation ist Illuminati ein gemeines, hinterhältiges Spiel, das sehr viel Spaß machen kann. Allerdings funktioniert es nur mit Spielern wirklich gut, die wissen, auf was sie sich hier einlassen, und die sich auch nicht scheuen, zu feilschen, zu drohen oder gar mit ihrer Macht und ihrem Reichtum zu protzen. Eine Interaktion zwischen den Spielern ist ständig gegeben und macht einen Großteil des Spielspaßes aus. Ähnlich wie der Spielverlauf selbst, so ist auch die Spieldauer praktisch nicht abzuschätzen. Einige Partien, vor allem mit unerfahrenen Spielern, enden relativ schnell nach kaum mehr als einer Stunde. Haben die Spieler dagegen schon ein wenig Erfahrung, so kann sich das Ringen um die Weltherrschaft durchaus einige Stunden hinziehen. Dies ist auch für mich der einzige Schwachpunkt des Spiels, denn um die Spieler zwei oder gar drei Stunden gut zu unterhalten bietet Illuminati einfach zu wenig Abwechslung, was dann dazu führt, dass einem Spieler irgendwann der Sieg geschenkt wird.
Das umfangreiche Regelheft erklärt die Spielabläufe recht gut, auch wenn manche Erklärungen zu Beginn etwas verwirrend wirken. Dies gibt sich jedoch recht schnell und die Anleitung wird nur noch zur Überprüfung der Siegbedingungen und der zahlreichen Modifikatoren zur Hand genommen. Sehr positiv ist auch, dass für jede der Illuminati-Gruppen einige Strategien und Abwehrmaßnahmen erläutert sind, was den Einstieg für unerfahrene Spieler deutlich erleichtert. Die Illustrationen der Karten enthalten zahlreiche Anspielungen auf konkrete politische oder gesellschaftliche Ereignisse, allerdings sagt mir der Zeichenstil nicht wirklich zu.
Im Gegensatz zur vorherigen Version sind zwar einige neue Karten hinzu gekommen, auch wurden einige Illustrationen überarbeitet, aber letzten Endes hat sich nicht wirklich viel geändert. Ob dies einen Kauf rechtfertigt müssen Besitzer einer alten Ausgabe letztendlich selbst entscheiden.

Ein böses, hinterhältiges Spiel bei dem angehende Politiker oder künftige Wirtschaftsführer ihre Fähigkeiten zur Täuschung, Manipulation und Korruption richtig ausleben können. Aber natürlich können Spieler, die viel Interaktion im Spielablauf schätzen, mit <b>Illuminati</b> auch ihren Spaß haben.

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