Götter von Golarion

6. September 2016 von Marcus Pohlmann

Pathfinder - Götter von Golarion

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Erscheinungsdatum: 01.08.2016

Sprache: Deutsch

In vielen Fantasy-Rolllenspiel ist der Einfluss von Götter und ihren Abgesandten auf das Leben der Sterblichen sehr real und direkt; die Pathfinder-Spielwelt Golarion bildet dabei keine Ausnahme. Um den Spielern einen tieferen Einblick in das umfangreiche Pantheon dieses Systems zu geben, veröffentlichen Ulisses Spiele mit Götter von Golarion einen 338 Seiten starken Hintergrundband, der sich ausschließlich mit den verbreiteten Gottheiten und den Aspekten ihrer Verehrung beschäftigt.

Das erste der vier Kapitel nimmt gut die Hälfte des Bandes ein und beschäftigt sich mit den 20 Hauptgöttern der Spielwelt. Dabei folgt jeder Eintrag immer dem gleichen Schema: Neben spielrelevanten Angaben, beispielsweise Gesinnung, bevorzugten Waffen und auszuführenden Ritualen finden sich im ersten Teil auch noch die Vergünstigungen, die der Charakter im Austausch gegen seine Verehrung erhält. Anschließend folgt ein längerer Hintergrundabschnitt über die Gottheit, in der verschiedenen Informationen zusammengetragen sind, beispielsweise der Ursprung, Erscheinung und seine Rolle im Pantheon; auch die organisierte Kirche wird mit ihren Hierarchien, Gebetshäusern und Ritualen vorgestellt. Die Bedeutung für die Charaktere wird in jedem Eintrag ebenso berücksichtigt, wie besondere Dienerkreaturen, spezifische Zauber und das Verhältnis zu anderen Gottheiten. Abgerundet wird jeder Eintrag noch mit Vermerken über Heilige Schriften, Feiertage und Dogmen der Religion. Schließlich sorgen eine oder mehrere Illustrationen dafür, dass sich der Leser eine Vorstellung vom Aussehen der Gottheit machen kann. Die Bandbreite der in diesem Kapitel vorgestellten Götter deckt praktisch alle Gesinnungen und alle Bereiche humanoiden Zusammenlebens ab. Von Asmodeus, dem Fürst der Finsternis und Herrscher der Dämonen über Cayden Cailean, den Schutzpatron der Trinker und Freiheitsliebenden bis hin zu Urgathoa, der Göttin der Untoten und der Krankheiten und schließlich Rovagug, dem Zerstörer, der danach trachtet alles Leben auf Golarion auszulöschen.
Im nächsten, deutlich kürzer ausgefallenen Kapitel, werden zahlreiche geringere Gottheiten vorgestellt. Diese Einträge sind dabei im Prinzip eine deutlich abgespeckte Version der Beschreibungen aus dem ersten Kapitel, enthalten aber dennoch Informationen über Verehrung, Tempel und Verhalten der Gläubigen. Neben dem (größtenteils) menschlichen Pantheon finden sich hier auch Einträge der Gottheiten der nichtmenschlichen Rassen Golarions sowie vergessene und tote Götter.
Waren die Informationen aus den beiden vorangegangenen Kapiteln vornehmlich dem Hintergrund vorbehalten, kommen im Anschluss die Spieler auf ihre Kosten. Drei neue Prestigeklassen bieten einen Einstieg in die klerikale Laufbahn: Der Erhabene hat sich der reinen Lehre seines Glaubens verschrieben und dient seiner Gottheit eher innerhalb der Kirchenhierarchie, was auch von den Fähigkeiten und Zaubern unterstützt wird. Ähnlich einem Paladin ist der Hüter eher kampforientiert, beschränkt sich aber meist auf den Schutz von Heiligtümern oder Priestern. Der Verkündern sorgt schließlich für die Verbreitung des Glaubens und organisiert die Verehrung der Gottheit. Hinzu kommen eine Vielzahl von Talenten und religiösen Wesenszügen, viele davon spezifisch für die Gefolgsleute eines bestimmten Gottes ausgelegt, die in Tabellenform, aber auch ausführlich beschrieben werden. Die meisten bringen Boni auf Fertigkeitswürfe und andere Proben, aber es gibt auch andere Spieleffekte, beispielsweise verleiht der Zwergengott Torag Schutz vor Überraschungsangriffen oder die Anhänger von Iomedae werden besonders geübt im Kampf gegen Dämonen. Ebensowenig fehlen in diesem Kapitel Zauber, die meist auf einen Aspekt der angebeteten Gottheit zugeschnitten sind. Einen großen Raum nehmen die magischen Gegenstände ein; von Altären über kultische Gegenstände bis hin zu geweihten Waffen und Rüstung finden die Spieler zahlreiche Dinge um ihre Charaktere glaubenskonform auszurüsten.
Das letzte Kapitel ist den Dienerkreaturen und Herolden der Götter vorbehalten, die regelmäßig in die Belange der Sterblichen eingreifen. Die Einträge folgen dem schon aus den Monsterkompendien bekannten Schema mit einem Regelteil, kurzem Hintergrundtext und einer Illustration der Kreatur. Auch hier steht dem Spielleiter eine große Bandbreite an möglichen Gegnern oder Verbündeten zur Auswahl, vom gewaltigen zwergischen Golem, über die fürchterliche, verheerende Tarraske bis zur winzigen geierköpfigen Schmeißfliege der Göttin des Todes.

In erster Linie richtet sich der Band von Ulisses Spiele an Spielleiter, die den göttlichen Aspekt der Spielwelt weiter betonen möchten und an Spieler denen es Ernst ist mit der klerikalen Laufbahn ihres Charakters. Die Prestigeklassen, Monster und auch die magischen Gegenstände sind für andere Spieler zwar ganz nett, aber nichts, was es in diesem System nicht schon im Überfluss geben würde. In jedem Fall bekommt der Leser hier einen mächtigen Band, der viele Informationen zu beinahe jedem Aspekt der Götter und deren Verehrung auf Golarion liefert. Einige Elemente lassen sich problemlos in eine Kampagne einbauen oder können gar als Grundlage für ein Abenteuer dienen, andere Informationen sind so obskur, dass sie wahrscheinlich nie Erwähnung finden.
Zahlreiche Illustrationen lockern den Text schön auf und vermitteln dem Leser ein sehr stimmiges Bild von der Gestalt der Götter. Auch die Kreaturen und einige der magischen Gegenstände wurden mit Bildern aufgewertet; besonders gelungen finde ich dabei die doppelseitigen Zeichnungen, die Konflikte zwischen den Göttern zeigen. Das Layout ist übersichtlich und zweckmäßig, durch Textkästen, Illustrationen und Tabellen immer wieder aufgelockert, was einen leichten Lesefluss ermöglicht. Während die vereinzelt auftretenden Schreibfehler sich lediglich als lästig erweisen, fallen einige inhaltliche Fehler in der Übersetzung oder nicht übersetzte Textfragmente schon merklich schwerer ins Gewicht und trüben, zumindest für mich, den ansonsten recht guten Gesamteindruck des Bandes merklich.

Für Spielleiter, die sich einen Überblick über das umfangreiche Pantheon der Spielwelt verschaffen wollen, bietet Götter von Golarion ein unverzichtbares Nachschlagewerk.

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