Gatsby und das Große Rennen

22. September 2014 von Marcus Pohlmann

Cthulhus Ruf Gatsby

Kategorie:

Autor:

Verlag / Publisher:

Genre:

Serie:

Erscheinungsdatum: 01.08.2014

Sprache: Deutsch

Normalerweise beschränkt sich die Redaktion von Cthulhus Ruf darauf, zwei Mal im Jahr eine Ausgabe ihres hervorragenden Magazins zu veröffentlichen, die dem interessierten Leser Abenteuer, Szenarien-Ideen und Hintergrundinformationen zum Horror-Rollenspiel H.P. Lovecrafts Cthulhu liefert. Dazu kommen in unregelmäßigen Abständen noch kostenloses Material und andere Goodies zum Download auf der Homepage. Nun erscheint unter dem Label Edition Cthulhus Ruf ein Band, der sich deutlich von dem vorangegangenen Material abhebt: Gatsby und das Große Rennen ist ein kleinformatiger, 186 Seiten starker Hardcover-Band, der seinen Lesern ein Abenteuer mit umfangreichem Bonusmaterial präsentiert.

Für potentielle Spieler sollte nun mit der Lektüre dieser Rezension Schluss sein, da hier zwangsläufig wichtige Elemente des Plots verraten werden und sie sich so den Spielspaß nachhaltig verderben.

Der Autor Paul Fricker gibt dem Spielleiter zwei Möglichkeiten das Abenteuer anzusiedeln, einmal 1928 in Großbritannien oder in den USA im Jahr 1930. Von der Örtlichkeit oder der Zeit abgesehen ändert sich bei beiden Varianten nichts, mit etwas größerem Aufwand ließe sich Gatsby und das Große Rennen sicherlich aber auch für andere Zeiten und Orte anpassen.
Hauptperson des Abenteuers ist der junge Julian Gatsby, ein Lebemann und Sohn reicher Eltern, der derzeit allerdings von argen Geldproblemen geplagt wird. Anstatt diese jedoch durch Sparsamkeit oder gar Arbeit zu lösen, plant er, ein Ritual auszuführen, dass er in den Hinterlassenschaften seines Großvaters, eines weitgereisten Abenteurers gefunden hat. Mit diesem Ritual will Gatsby eine Stunde in die Vergangenheit reisen und Geld auf den Ausgang eines Pferderennens setzen, dessen Ausgang er ja dann schon kennt. Das dieser Zeitsprung gleichzeitig zur Einweihung seines herrschaftlichen Anwesens stattfinden soll, stört den jungen, unbekümmerten Mann dabei nicht im geringsten.
Tatsächlich gelingt es Gatsby sich und seine Umgebung eine Stunde in die Vergangenheit zu versetzen, doch wird dabei ein Objekt zerstört, das existentiell für die Vollendung des Rituals ist. Infolgedessen entstehen verschiedene Realitätsebenen und die Charaktere sind in einer Zeitschleife gefangen, durch die sie die gleiche Stunde immer wieder erleben. Um aus diesem Kreislauf zu entkommen, müssen nun die drei Teile des Objektes wieder zusammengefügt werden, die in drei verschiedenen Realitäten zu finden sind. Diese unterschiedlichen Realitätsverläufe unterscheiden sich in einigen Details voneinander und jeder stellt die Charaktere vor einige Probleme. Erleichtert wird ihre Suche nicht unbedingt durch den sich ausbreitenden Wahnsinn unter den anwesenden Partygästen und Bediensteten und dann gibt es da auch noch ominöse Wesenheiten, die Jenseits von Zeit und Raum leben und langsam auf den Riss in der Realität aufmerksam werden.
Im ersten der vier Kapitel erfährt der Spielleiter alles Wissenswerte über die beteiligten Personen, die Hintergründe des Abenteuers und dessen Ablauf. Auch findet sich hier der Zeitplan für die zu durchlaufenden Zeitschleifen und Hinweise zum Verhalten der Nichtspielercharaktere. Das zweite Kapitel beinhaltet die nötigen Informationen um Gatsby und das Große Rennen mit bis zu vier Rollenspielrunden und maximal 32 Personen gleichzeitig zu leiten. In dieser Spielvariante wechseln die Charaktere nicht nur Realitäten und Zeiten, sondern auch noch die Spielgruppen um für noch mehr Verwirrung zu sorgen. Die ganz normale Einzelgruppenvariante mit bis zu acht Spielern ist das Thema des dritten Kapitels. Am grundlegenden Ablauf des Abenteuers ändert sich dabei nahezu nichts. Das vierte und bei weitem umfangreichste Kapitel des Bandes, das immerhin über hundert Seiten in Anspruch nimmt, ist schließlich den vorgefertigten Charakteren, den Hand-Outs und der Beschreibung des Hauses in den verschiedenen Realitäten vorbehalten.
Die beiliegende CD enthält verschiedene PDF-Dateien, beispielsweise das Abenteuer selbst, sämtliche Hand-Outs und verschiedene Goodies. Dazu kommen noch einige Soundfiles mit stimmiger, zeitgenössischer Musik oder der Radioübertragung zweier Pferderennen.

Ob ich jemals in den Genuss kommen werde, Gatsby und das Große Rennen als Multi-Gruppen-Szenario zu erleben halte ich für relativ unwahrscheinlich, aber auch in der Variante mit nur einer Spielgruppe bietet dieses Abenteuer eine Menge interessanter, ungewöhnlicher Einfälle und sorgt für einen unterhaltsamen Abend. Zeit- und Dimensionsreisen sind bei Rollenspielabenteuern nach meiner Erfahrung immer eine Gratwanderung, die schnell aus dem Ruder laufen und unübersichtlich werden kann. Der Autor hat sich hier jedoch viel Mühe gegeben, es dem Spielleiter so einfach wie möglich zu machen, so dass er den Überblick über die verschiedenen Realitäten und Zeitschleifen nicht verliert. Bei zwei oder noch mehr Runden dürfte das Abenteuer jedoch nur mit einem gut eingespielten Spielleiter-Team und einiger Übung reibungslos funktionieren. Diese Variante sollte dann vor allem für Conventions oder gar für ein LARP recht reizvoll sein und den Spielern ein unvergessliches Erlebnis bieten.
Wirklich beeindruckend ist die Ausstattung des Bandes: Hardcover mit Silberfolienveredelung, Lesebändchen und transparentem Schutzumschlag machen den Band zu einem echten Blickfang. Auch Anordnung und Layout der Texte geben keinen Anlass zur Kritik, lediglich die, für eine Cthulhu-Publikation, relativ geringe Anzahl zeitgenössischer Fotos fällt ein wenig auf. Der hervorragende Gesamteindruck wird schließlich noch durch die CD mit ihrem umfangreichen Zusatzmaterial abgerundet.

Die Edition Cthulhus Ruf legt hier einen grandiosen Band vor, der sowohl optisch als auch inhaltlich voll überzeugen kann und durch seine Limitierung sehr schnell zu einem begehrten Sammlerstück werden dürfte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.