Freihändler

20. Juni 2011 von Marcus Pohlmann

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Erscheinungsdatum: 01.09.2010

Sprache: Deutsch

Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 41.000 und die Besatzung des Raumschiffes „Gnädiges Füllhorn“ ist auf einer jahrelangen Mission neue Welten und Galaxien zu entdecken . . .

So oder so ähnlich kann sich der geneigte Leser die Einleitung zu Freihändler vorstellen, dem zweiten Rollenspiel des Heidelberger Spieleverlages das im Warhammer 40.000-Universum angesiedelt ist, das Games Workshop in den letzten Jahrzehnten entwickelte. Hat man beim Vorgänger Schattenjäger noch die Rolle eines besser gestellten Handlangers in Diensten der galaxieumspannenden Inquisition übernommen, so sind die Spieler nun wesentlich freier in ihren Entscheidungen und ihrem Handlungsrahmen, gehören sie doch zur Besatzung eines stolzen Raumschiffes, das fremde Planeten erforscht, Handel mit außerirdischen Lebensformen treibt oder notfalls auch auf Piraterie zurückgreift damit die Kasse stimmt.

War das Regelwerk zu Schattenjäger schon ein dicker Brocken, so wird dies von Freihändler mit seinen 464 Seiten im Hardcover nochmals überboten. In den insgesamt 15 Kapiteln bekommt der Spieler alle wissenswerten Informationen die nötig sind um eine Karriere als Mitglied einer Raumschiffbesatzung zu starten. So ist es nur konsequent, dass im ersten Kapitel die Charaktererschaffung im Zentrum steht. Wie schon beim Vorgänger-Band setzt sich ein Charakter aus neun Attributen zusammen die solche Dinge wie Stärke, Willenskraft oder auch Kampfgeschick umfassen, alles DInge die in dieser oder ähnlicher Form auch bei anderen Rollenspielen gängig sind. Diese Werte, in Prozent ermittelt, bestimmen weitgehend den künftigen Werdegang des Charakters, aber auch seine Heimatwelt und seine Herkunft haben Auswirkung auf die wählbaren Professionen. Natürlich sind die Charaktere nicht nur einfache Matrosen auf dem Raumschiff sondern haben alle herausragende Positionen inne, wie neispielsweise Navigator, Magister Militaris oder der Freihändler selbst, meist der Besitzer und Kapitän des Schiffes. Der Rest der teilweise vielhundertköpfigen Besatzung besteht zumeist aus namenlosen NSC, den aus vielen SciFi-Filmen bekannten „Red Shirts“. Sind diese grundlegenden Fragen geklärt und die Charaktere haben ihre jeweiligen Karrierepfade gewählt so bleibt nur noch die Fertigkeiten und Talente zu bestimmen die den Charakter zu einem einzigartigen Individuum machen und ihn über eine bloße Ansammlung von Zahlen erheben. Jetzt müssen nur noch einige kleinere Details wie Psi-Kräfte, Navigatorenfähigkeiten und die unvermeidliche Ausrüstung geklärt werden und dem Start in den Weltraum steht fast nichts mehr im Weg. Das einzige fehlende Detail ist noch das Schiff. Dies können sich die Spieler im nächsten Kapitel noch ihrem ganz persönlichen Geschmack zusammenstellen und so schon die Richtung in welche die Spielrunde geht nachhaltig beeinflussen. Nachdem auch dieser letzte Teil erfolgreich überstanden ist kann sich die Gruppe den eigentlichen Regeln zuwenden, die recht einfachen gehalten sind und auf das bewährte Prozentsystem zurückgreifen. Durch den groß angelegten Rahmen des Systems mit ganzen Planeten die es zu erforschen gilt und vielfältigen Herausforderungen ist dieser Teil dennoch recht umfangreich geraten um möglichst viele Optionen abzudecken. Schließlich folgt noch ein Kapitel mit Informationen die nur für den Spielleiter bestimmt sind und die einen großen Teil der noch offenen Fragen beantworten.
Nachdem damit der, wie es auf Neudeutsch heißt, Crunch, erledigt ist, steht das letzte Drittel des Buches für den Fluff, den Hintergrund, zur Verfügung. Hier erfahren die Spieler mehr über das Umfeld vor dem sich ihre Abenteuer abspielen, das Imperium, dessen Untertanen sie sind und bekommen einen Überblick über die umliegenden Planeten des Sternensystems in dem sie sich bewegen. Ebenso wenig darf eine Übersicht über wichtige NSCs, Außerirdische und andere potentielle Bedrohungen nicht fehlen. Schließlich findet sich im letzten Kapitel das passend betitelte Abenteuer „In den Schlund“, das die Charaktere auf die Suche nach einem legendären Geisterschiff, beladen mit unermesslichem Reichtum, führt. Abgerundet wird der Band zudem durch einen Index und alle notwendigen Bögen die beim Spielen genutzt werden.

Nach dem ersten Durchblättern muss das Buch erst einmal eine Weile wirken, nur so kann verhindert werden, dass der Leser von dem umfangreichen Material regelrecht erschlagen wird. Nachdem dieser erste Eindruck allerdings verdaut wird, ergibt sich hier für den Spieler ein hervorragendes System, welches Weltraumschlachten, Dungeon Crawls, Intrigen und noch einige Konzepte mehr in sich vereinen kann und so ein ausgesprochen abwechslungsreiches Rollenspielerlebnis ermöglicht. Das Spielprinzip selbst ist bewährt, recht einfach zu erlernen und spielt sich zudem, bis auf einige Ausnahmen in den Kämpfen, sehr flüssig. Selbst große Schlachten und Raumgefechte lassen sich einigermaßen sinnvoll mit den Regeln durchspielen ohne zu stundenlangen Würfelorgien zu degenerieren.
Eine der großen Stärken des Warhammer 40.000-Universums ist die umfangreiche Hintergrundgeschichte, die den meisten Tabletop-Spielern geläufig sein dürfte. Der in diesen Dingen eher unbedarfte Rollenspieler muss mit dem, leider etwas kurz geratenen, Hintergrundbereich im Regelbuch vorlieb nehmen. Glücklicherweise gibt es aber mittlerweile zahlreiche Romane, Comics und auch Computerspiele die hier weitere Informationen geben können und so dem System mehr Tiefgang verleihen. Ansonsten gibt es an dem Band eigentlich nichts auszusetzen: die Übersetzung ist ordentlich gemacht und im Warhammer-Kontext stimmig, die Gliederung ist sinnvoll und erleichtert dem Leser die Orientierung, das Layout ist solide, gut lesbar, an einen Index wurde gedacht und die zahlreichen Illustrationen und Abbildungen bringen die richtige Atmosphäre mit sich um sich direkt ins Abenteuer zu stürzen.

Der Heidelberger Spieleverlag legt mit Freihändler wieder ein umfangreiches, kompaktes und sehr stimmiges Regelwerk vor, das Fans von Warhammer 40.000 ebenso wie Freunde des gepflegten Rollenspiels begeistern kann und richtiges Weltraum-Flair vermittelt.

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