Evil Baby Orphanage

4. November 2013 von Marcus Pohlmann

Evil Baby Orphanage

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Spieleranzahl: 3 bis 6 Spieler

Altersempfehlung: ab 12 Jahren

Spieldauer: ca. 20 Minuten

Erscheinungsdatum: 01.02.2013

Sprache: Englisch

Wyrd Miniatures sind in Spielerkreisen vor allem durch ihr Skirmish-Tabletop Malifaux bekannt, das sowohl Steampunk- als auch Western-Elemente enthält und diese mit einem gehörigen Schuss Horror vermischt. Mit Evil Baby Orphanage legen sie nun jedoch ein Kartenspiel vor, das nichts mit dem Hintergrund des Tabletops zu tun hat. Vielmehr müssen die Spieler hier als zeitreisende Nannies die größten Übeltäter der Weltgeschichte im Säuglingsalter aus dem Zeitstrom fischen, sie in ihrem Waisenhaus sozialisieren und damit verhindern, dass sie als Erwachsene ihre Gräueltaten vollbringen. Die Spielidee dürfte wahrscheinlich zum Abseitigsten hören, was mir in meiner langen Spielerlaufbahn untergekommen ist und alleine deswegen war ich neugierig auf das Spiel.

Die kleine Schachtel enthält neben der zweiseitigen Anleitung rund 120 Karten, die sich grob in zwei Stapel unterteilen lassen. Die Nanny-Karten teilen sich wiederum auf in Spielzeug, um die lieben Kleinen zu beschäftigen und verschiedene Aktion, mit denen die Spieler agieren können. So dienen sie beispielsweise dazu, Babies mit Keksen ins eigene Waisenhaus zu locken, Spielzeug von anderen Spielern zu stehlen oder alle im Spiel befindlichen Babies neu auf die Waisenhäuser zu verteilen. Viel wichtiger sind jedoch die Baby-Karten, finden sich doch hier die eigentlichen Hauptfiguren des Spiels. Jede Karte enthält verschiedene Informationen, einige biographische Daten des Säuglings sowie ein dazugehöriges Bild, eines oder mehrere Symbole die im weiteren Spielverlauf zum Tragen kommen und eventuell weitere Anweisungen für das Verhalten des Kindes. Schließlich findet sich in der rechten oberen Ecke noch das sogenannte Mischief-Rating, das sich am ehesten mit Unfug oder Schabernack übersetzen lässt. Während eher harmlose Babies wie Caligula oder Edward Teach hier einen Wert von 0 haben, verfügen die übelsten Störenfriede wie beispielsweise Adolf Hitler oder der ehemaligen Präsident der Vereinigten Staaten, R. B. Hayes, über einen Wert von 4. Dieser Wert entscheidet auch über den Ausgang des Spieles, da das Ziel ist, Babies mit acht oder mehr Mischief-Punkten in seinem Waisenhaus zu haben.
Die Spielvorbereitungen sind schnell erledigt, die Karten müssen in einen Baby- und einen Nanny-Stapel aufgeteilt und gemischt werden. Jeder Spieler erhält zudem vier Nanny-Karten auf die Hand und es wird ein Säugling in jedem Waisenhaus ausgelegt. Danach werden noch drei Baby-Karten aufgedeckt und nebeneinander gelegt, diese bilden den Zeitstrom, aus dem die Spieler im weiteren Verlauf adoptieren können.
Ist ein Spieler an der Reihe, so wird zu Beginn seines Zuges geprüft, ob ein Spieler (nicht unbedingt nur der, der grade am Zug ist) die Siegbedingungen erfüllen kann. Sollte dies nicht der Fall sein, so kann der Zug normal fortgesetzt werden, indem der Spieler beliebige Nanny- oder Spielzeug-Karten aus seiner Hand spielt und die jeweiligen Effekte nutzt. In der dritten Phase der Spielrunde kann ein Spieler seine Babies beaufsichtigen. Dies geschieht in erster Linie wieder mit Spielzeug, aber auch anderen Sonderkarten können dazu genutzt werden. Schafft es ein Spieler alle Säuglinge zu beschäftigen, kann er mit seinem Zug fortfahren, bleiben sie jedoch unbeaufsichtigt, so treten verschiedene Effekte ein, welche durch die Symbole auf den Karten bestimmt werden. So scheuchen „Beisser“ Babies aus dem eigenen in ein gegnerisches Waisenhaus, „Greifer“ stehlen Spielzeug von anderen Spielern, „brabbelnde“ Babies erlauben es, den anderen Spielern Karten zu ziehen und „Schläger“ verscheuchen Säuglinge aus einem gegnerischen Waisenhaus. Der nächste Schritt besteht darin, eines der drei Babies aus dem Zeitstrom zu adoptieren, also in seinem eigenen Waisenhaus abzulegen. Schließlich zieht der Spieler Nanny-Karten nach, bis er vier Stück auf der Hand hat. Danach ist der nächste Spieler an der Reihe und der Ablauf setzt sich solange fort, bis es einem Spieler gelingt, die Siegbedingungen zu erfüllen.

Mit Evil Baby Orphanage ist dem Hersteller tatsächlich ein schnelles und lustiges, wenn auch nicht unbedingt politisch korrektes, Kartenspiel gelungen, dass sich hervorragend dazu eignet, um kurze Wartezeiten zu überbrücken oder einen Kontrastpunkt zu anspruchsvolleren Spielen bei einem längeren Spieleabend setzt. Wirklich vorhersehbar ist der Ablauf dieses Spieles nicht, auch ist es kaum möglich eine längerfristige Strategie anzulegen. Die Spieler müssen mit ihren Karten improvisieren und versuchen, das bestmögliche aus manchmal verfahrenen Situationen zu machen. Da ständig Karten zwischen den Waisenhäusern getauscht werden, ist jeder Spieler permanent ins Geschehen eingebunden, so dass keine Langeweile aufkommt. Liegt ein Spieler deutlich in Führung, so kommt es zwangsläufig dazu, dass sich die Mitspieler gegen diesen verbünden und alles tun, um seinen Sieg zu verhindern. Solche Allianzen halten gewöhnlich nicht länger als eine oder zwei Runden, verleihen dem Spiel aber eine sehr schöne Dynamik und bieten den Spielern öfters Anlass zur Schadenfreude. Obwohl die Autoren nicht konkret eine Spieleranzahl empfehlen, funktioniert das Spiel doch am Besten mit fünf oder sechs Spieler, wobei eine Partie dieser Größenordnung durchaus eine Stunde dauern kann. Mit weniger Spielern geht das Spiel zwar erheblich schneller, allerdings bleibt dabei der Spaß etwas auf der Strecke. Die englischen Regeln hätten stellenweise etwas eindeutiger formuliert sein können, allerdings lassen sich etwaige Fragen durch einen Blick in die FAQ des Herstellers klären.
Für die Illustrationen der Baby- und Nanny-Karten ist Melvin de Voor verantwortlich, der vor allem im Tabletop-Bereich schon mit seinen Arbeiten auf sich aufmerksam gemacht hat. Ihm gelingt es hier, die Säuglings-Varianten der größten historischen Übeltäter treffend zu zeichnen und er trägt damit ein großes Stück zum Spielspaß bei.

Wyrd Miniatures liefern hier ein lustiges und manchmal boshaftes, kleines Kartenspiel ab, das vor allem durch seine Hintergrundidee sowie die Interaktion der Spieler überzeugen kann.

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