Doktor Hrubec

22. September 2014 von Marcus Pohlmann

Doktor Hrubec

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Erscheinungsdatum: 17.10.2013

Sprache: Deutsch

Einer meiner Fixpunkte auf der alljährlich stattfindenden Spielemesse in Essen ist normalerweise der Stand von Czech Board Games. Jedoch war im letzten Jahr meine Zeit so knapp bemessen, dass ich keine Gelegenheit hatte, einen Blick auf die Neuerscheinungen zu werfen. Dennoch hat es die letztjährige Messeneuheit Doktor Hrubec, wenn auch mit einer mehrmonatigen Verspätung, in meine Sammlung geschafft. Bei diesem nicht ganz ernst gemeinten Partyspiel übernehmen bis zu fünf Spieler die Rolle von Medizinern, die in einem Krankenhaus, das kurz vor seiner Schließung steht, noch einige Patienten betreuen müssen.

In einer länglichen Kiste, wie sie der Spieler beispielsweise auch schon von Infarkt kennt, präsentiert sich das durchaus umfangreiche Spielmaterial. Den Mittelpunkt des Geschehens bildet dabei der Krankenhausplan mit Platz für die Kartenstapel und seinen vier Wartezimmern. Außerdem gehören noch für jeden Spieler eine Teamfähigkeitskarte, auf welcher der medizinische Kenntnisstand des Ärzteteams mit Holzmarkern festgehalten wird, und ein passender Operationssaal zur Ausstattung. Karten für Patienten, Ärzte und Aktionen, ein sechsseitiger Würfel und die zweisprachige Anleitung runden das Spielmaterial ab.
Im Spielverlauf kommt dabei vor allem der Teamfähigkeitskarte große Bedeutung zu, da hier die Kenntnisse in den vier medizinischen Disziplinen Chirurgie, Psychiatrie, Zahnheilkunde und Dermatologie festgehalten werden. Zu Beginn liegen alle Marker auf dem Wert Null, doch wenn sich neues Personal, in Form von Arztkarten, im Büro niederlässt ändern sich sich diese Werte, meist nach oben. Auf vielen Arztkarten finden sich auch bestimmte Symbolkombinationen, die für Zusatzfähigkeiten stehen. So schützt beispielsweise Dr. Acula einen eigenen Patienten vor gegnerischen Karten, die Medizinstudentin wechselt bei einer gescheiterten Operation zum Gegner oder der Pförtner lässt den Spieler bei einer gelungenen OP eine zusätzliche Karte ziehen. Mit den Aktionskarten können die Spieler kurzfristig ihre Werte steigern, ihren Mitspielern Ärzte oder Patienten stehlen oder Würfelergebnisse beeinflussen. Schließlich gibt es es noch die Patienten, die an einem oder mehreren Gebrechen leiden und entsprechend behandelt werden müssen. Diese geben den Spielern entweder Plus- oder Minuspunkte in der Abschlusswertung und verfügen zudem gelegentlich über Sonderfähigkeiten wie die Siamesischen Zwillinge, die es erlauben eine weitere Patientenkarte zu ziehen.
Hat jeder Spieler seinen Mediziner gewählt und sich das entsprechende Spielmaterial genommen, bekommt jeder noch eine zufällige Arztkarte auf die Hand. Die restlichen Arztkarten werden zusammen mit den Aktionskarten gemischt und bilden zusammen das Nachziehpack. Auch die Patienten werden gemischt und in der Patientenschlange ausgelegt. Unter diesen Stapel kommt auch die Karte „Krankenhausschließung“ die das Spiel beendet. Damit sind die Spielvorbereitungen abgeschlossen und die Spieler können sich daran machen das Leben der Patienten zu retten.
Vorausgesetzt ein Spieler hat keinen Patienten auf seinem Operationstisch, so besteht sein Zug aus zwei Phasen. In der „Morgigen Administrative“ kann er entweder eine Karte vom Nachziehpack nehmen oder einen Arzt von seiner Hand in den OP-Raum legen. Im zweiten Schritt geht es um die Aufnahme von Patienten. Befinden sich ein oder mehrere Patienten im Wartezimmer, so kann der Spieler einen von ihnen auf seinen OP-Tisch legen. Möchte er dies jedoch nicht tun, oder ist das Wartezimmer leer, so muss er eine Karte von der Patientenschlange ins Wartezimmer legen.
Liegt zu Beginn des Zuges jedoch ein Patient auf dem OP-Tisch in der eigenen Praxis, so muss er diesen operieren. Dazu wird der Wert der entsprechenden medizinischen Disziplin zu dem Ergebnis eines Würfelwurfes addiert. Liegt das Ergebnis nun höher als die Schwierigkeit der Erkrankung, so wurde der Patient erfolgreich behandelt und wird links neben den Operationssaal gelegt und gibt bei Spielende Siegpunkte. Misslingt aber der Eingriff, dann verstirbt der Patient und wird rechts abgelegt, was in der finalen Punktauswertung entsprechend mit Minuspunkten zu Buche schlägt. Manche Patienten verfügen außerdem über Sonderfähigkeiten, die unmittelbar nach der Operation zum Einsatz kommen. Hat ein Spieler nun seinen Zug auf die eine oder andere Art beendet, so ist sein linker Sitznachbar am Zug. Dies wird so lange fortgesetzt, bis die Karte „Krankenhausschließung“ aufgedeckt wird. Sollten noch Patienten auf den Operationstischen liegen, so werden diese nun behandelt bevor in der Wertung die Spieler ihre Gesamtpunktzahl und damit den erfolgreichsten Arzt ermitteln.

Die Grundidee von Doktor Hrubec hat durchaus ihren Reiz und auch die recht einfache Spielmechanik bietet eigentlich keinen wirklichen Grund zur Klage, dennoch will bei mir der Funke nicht so wirklich überspringen. Immer wieder gibt es im Spielablauf Situationen, in denen ein oder zwei Spieler nur zusehen können, wie ihre Mitspieler sich die Patienten unter den Nagel reißen und damit Punkte scheffeln, auch ist es ab einem gewissen Punkt im Spiel kaum noch möglich bei Operationen zu versagen und schließlich sind die Effekte der Aktionskarten alles andere als ausgewogen. Natürlich handelt es sich hier in erster Linie um ein Partyspiel, das auf keinem sonderlichen hohen Niveau gespielt wird, dennoch erwarte ich durchaus ein gewisses Maß an Spielbalance, die hier nicht immer gegeben ist.
Das Spielmaterial ist durchaus von hoher Qualität, stabil und nett anzuschauen. Vor allem die einfachen, schwarz-weißen Illustrationen auf den Arzt- und Aktionskarten sind witzig und manchmal auch ein bisschen schlüpfrig. Leider werden diese durch den riesigen tschechischen Text sowie die kleineren Texte in englisch, deutsch und slowakisch sehr in den Hintergrund gedrängt. Hier wäre sicherlich eine Beschränkung auf eine Sprache der Übersicht dienlicher gewesen. Die deutsche Übersetzung der Regeln ist etwas holprig aber immer noch gut verständlich. Es erfordert jedoch einige Zeit, die Symbole auf den Karten zu verstehen und richtig zu deuten. Die Referenzkärtchen sind dabei durchaus hilfreich. Bei einigen Zeichenfolgen hilft, vor allem am Anfang, jedoch nur ein Blick in die Anleitung.

Für eine schnelle, witzige Runde zwischendurch eignet sich Doktor Hrubec allemal, leider reicht es aber nicht um die Spieler dauerhaft für das Spiel zu begeistern.

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