Die Gulli-Piratten

31. Juli 2012 von Marcus Pohlmann

Gulli-Piratten

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Erscheinungsdatum: 01.05.2012

Sprache: Deutsch

In die Tiefen der städtischen Abwasserkanäle führt der Heidelberger Spieleverlag den aufgeschlossenen Spieler mit Die Gulli-Piratten – Die Schrecken der Kanalisation, einem Spiel des österreichischen Autors Andreas Pelikan. Der Titel ist jedoch insofern irreführend, da sich nicht nur Ratten in der Unterwelt tummeln, sondern auch anderes Ungeziefer dort haust.

Schon beim Öffnen der Box fällt auf, dass ein großes Spielbrett gänzlich fehlt. Vielmehr gibt es drei kleine Spielfelder in Form von Schiffen, auf denen sich ein Großteil des Geschehens abspielt und zahlreiche Marker, die auf dem Tisch, vor dem Bug der Schiffe verteilt werden. Diese Marker, quadratische für die Beute und runde als Bonusmarker, stellen allerlei Plunder dar, der in der Kanalisation umhertreibt, für die Piratten aber wertvolle Beute darstellt und am Spielende die begehrten Punkte bringt. Daneben gibt es noch Talismankarten, die das jeweilige Schiffssymbol zeigen und die später benötigt werden, um Figuren auf dem Schiff zu platzieren. Zwei Übersichtstafeln und die achtseitige Anleitung komplettieren das Spielmaterial, bevor das Hauptaugenmerk jedoch fast zwangsläufig auf die 30 Kunststofffiguren fällt. Diese stellen Ratten, Kakerlaken, Kröten, Waschbären, Schnecken und Wiesel im Piratenoutfit dar und bilden später die Crew der Schiffe. Dazu passend liegen nach noch in fünf verschiedenen Farben Standfüße bei, sodass die Figuren individuell gekennzeichnet werden können.
Der Spielaufbau geht relativ zügig von der Hand, es müssen lediglich die Marker platziert sowie die Karten gemischt werden. Bevor die eigentliche Jagd nach der Beute jedoch beginnen kann, müssen die bis zu fünf Spieler noch ihre vierköpfige Mannschaft zusammenstellen. Hier stehen den Spielern zwei Möglichkeiten zur Verfügung. In der einfachen Variante werden einfach vier Sippenkarten gezogen, aus denen sich dann alle Mannschaften rekrutieren. In der zweiten Variante können sich die Spieler ihre vier Figuren wählen, müssen diese aber in einer Hafenkaschemme anheuern, was ein zusätzliches strategisches Element ins Spiel bringt.
Jetzt endlich sind die Spielvorbereitungen abgeschlossen und die Spieler können zur großen Kaperfahrt aufbrechen. Jeder Spielzug setzt sich aus mehreren Aktionen zusammen, die der Spieler ausführen kann. Zu Beginn werden zwei Talismankarten gezogen, um die Handkarten aufzufüllen. Mit diesen Karten kann der Spieler dann eine seiner Figuren auf ein Schiff setzen. Je nach Position auf dem Boot muss er dafür eine oder mehrere Karten mit dem passenden Symbol ablegen. Um den Platz des Kapitäns zu besetzen, müssen noch einige weitere Bedingungen erfüllt werden. Bekleidet eine der Figuren des Spielers die Position des Kapitäns, so muss er mit seinem Schiff in See stechen und kann sich als Belohnung den Bonusmarker sowie ein Beuteplättchen nehmen. Der Rest der Beute wird unter der übrigen Mannschaft verteilt, wobei es durchaus vorkommen kann, dass Figuren leer ausgehen. Jede Figur mit einem Marker wird schließlich am Ende des Zuges vom Schiff entfernt und kehrt zum jeweiligen Spieler zurück. Um den Spielablauf weiter aufzupeppen, verfügen die sechs verschiedenen Figuren über unterschiedliche Fähigkeiten, so greift die Ratte mehr Schätze ab, das Wiesel kann zwei Mal in der Runde handeln oder die Kakerlake muss weniger Karten zahlen, um sich auf dem Schiff zu bewegen.
Ziel des Spiels ist es schließlich, möglichst viel Beute und damit Siegpunkte zu sammeln. Viele Beutestücke lassen sich dabei noch mithilfe der Bonusmarker aufwerten, so sind beispielsweise Konserven ohne Dosenöffner nahezu nutzlos und die Pommes schmecken mit Ketchup natürlich auch viel besser. Sind schließlich alle Beutemarker aufgebraucht, erfolgt die Abrechnung, bei der sämtliche Siegpunkte gezählt werden. Sieger ist selbstverständlich der Spieler, der die meisten Siegpunkte einsammeln konnte.

Die Gulli-Piratten ist, Dank der stimmigen Illustrationen von Marina Fahrenbach und den putzigen Piratten-Figuren, auf jeden Fall ein echter Blickfang. Auch die restliche Spielausstattung lässt keine Wünsche offen: qualitativ hochwertiges Spielmaterial, ansprechend gestaltet und ausgesprochen stabil erfüllt den Anspruch den der Spieler mittlerweile an Spiele des Heidelberger Spieleverlags hat. Die eigentliche Anleitung besteht nur aus wenig Regeltext, der Rest wird durch ergänzende Illustrationen und Beispielsituationen eingenommen und sorgt dafür, dass während des Spiels kaum Fragen oder Unklarheiten aufkommen.
Aber nicht nur die Aufmachung weiß zu gefallen, auch spielerisch kann das Spiel durchaus überzeugen. Eigentlich nur ein einfaches Zugspiel, bekommt das Spiel durch die unterschiedlichen Fähigkeiten der Piratten und durch die Talismankarten doch eine gewisse Tiefe und einen strategischen Anspruch. Allerdings muss dafür die Spieleranzahl stimmen. Bei fünf Spielern kann der einzelne Spieler auf die Besetzung der Boote kaum Einfluss nehmen, so kann es schon passieren, dass zwar die Talismankarten für das richtige Schiff in Massen vorhanden sind, aber die lieben Mitspieler schon vorher in See stechen und sich die besten Beutestücke unter den Nagel reißen. Dagegen ist das Spiel mit nur zwei Spieler leider wenig spannend, da zu viel Platz auf den Booten und zu viel Beute im Wasser ist. Wirklich gut funktioniert Die Gulli-Piratten jedoch mit drei oder vier Spieler, in diesem Fall halten sich Strategie, Zufall und Spielspaß die Waage und auch die Spieldauer bewegt sich mit gut einer Stunde in einem durchaus angenehmen Rahmen.

Ein nettes Spiel, das nicht nur durch die Aufmachung, sondern auch durch den Spielablauf zu gefallen weiß.

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