Die Achilus-Offensive

15. September 2016 von Marcus Pohlmann

Das menschliche Imperium dehnt sich im Warhammer 40.000-Universum langsam aber stetig aus, um allen Welten die Segnungen des Gott-Imperators zuteil werden zu lassen. Einen der größten Vorstöße in die Weite des Raumes beschreibt dabei der Quellenband Die Achilus-Offensive; wieder herausgegeben von Ulisses Spiele in Kooperation mit dem Heidelberger Spieleverlag. Angesiedelt im Deathwatch-Rollenspiel übernehmen die Spieler die Rolle von genetisch modifizierten Kriegern, den sogenannten Space Marines, und stehen an vorderster Front im Kampf gegen Außerirdische, Häretiker und andere Bedrohungen.

Mit der Entdeckung eines gewaltigen Warp-Tores außerirdischen Ursprungs, das die Koronus-Passage (siehe auch die dazugehörige Rezension) mit der Jericho-Weite verbindet, beschäftigt sich das erste Kapitel. Neben der normalen Beschreibung finden sich hier transkripierte Kommunikationsmitschnitte, Inquisitionsprotokolle und Aktennotizen, welche die Entdeckung des Tores und seine Nutzung aus mehreren Perspektiven darstellen.
Nach dieser Einführung, die mehr Fragen offen lässt als sie beantwortet, widmet sich das zweite Kapitel dem eigentlichen Kreuzzug, der nach seinem ersten, früh verstorbenen, Feldmarschall den Namen Achilus trägt. Auf gut 30 Seiten bekommt der Leser hier einen Einblick in die Organisation und Logistik solch eines gewaltigen Unterfangens. Dazu kommt eine Auflistung der beteiligten imperialen Organisationen, bedeutender Armeeeinheiten sowie einiger weiterer Besonderheiten. Vor allem aber liefert dieses Kapitel eine Vorstellung vom gewaltigen Maßstab in dem sich ein solches Unterfangen bewegt.
Jede der drei Stoßrichtungen des Kreuzzuges widmet sich besonders einem Gegner und wird in einem eigenen Kapitel beschrieben. Der Orpheuskeil versucht dabei die Schwarmflotte Dagon aufzuhalten, ein gewaltiger Vorstoß der Tyranniden, die auf ihrem Weg nur eine Spur leer gefressener Welten hinterlassen und der Imperialen Armee einen hohen Blutzoll abverlangen. Neben besonderen Schlachten und Persönlichkeiten enthält das Kapitel darüber hinaus noch Informationen über den Space Hulk Mortis Thule, eine Ansammlung von Trümmern, Asteroiden und verlassenen Schiffen, in deren Innern wagemutige Charaktere erstaunliche Entdeckungen machen können.
Die Aufgabe des Acheroskeils ist es, die Welten auf seinem Weg aus den Klauen der Anhänger der Chaosgötter zu befreien. Neben den degenerierten Kultisten des Stigmartus treffen die Charaktere hier auf von dämonischen Kreaturen beherrschte Welten, unerklärliche Warp-Phänomene und deren unheilvollen Einfluss auf die einfachen Menschen. Die Fabrikwelt Samech versorgt all diese Häretiker mit Waffen und Material, während der Dämonenprinz Mephidast im Namen des Chaosgottes Nurgle ganze Planeten mit tödlichen Seuchen überzieht. Schließlich gibt es noch den abtrünnigen Navigator Kokabiel der einen vollständigen Raumsektor mit seiner kleinen Flotte terrorisiert und sowohl imperiale Schiffe als auch die der Kultisten bekämpft.
Der Caniskeil trifft auf das sich ausdehnende Sternenreich der Tau, einer außerirdischen Rasse mit schon fast philosophischer Geisteshaltung und einer äußerst effektiven Kriegsmaschinerie. Dieser Teil des Kreuzzuges ähnelt weniger einer Schlacht, sonder eher einer Reihe von Scharmützeln, die sich über fast alle bewohnten Planeten der Jericho-Weite hinziehen. Trotz der Gefechte werden sogar einige rudimentäre diplomatische Beziehungen mit den Tau gepflegt, die jedoch von gegenseitigem Misstrauen geprägt sind. Ebenfalls in diesem Kapitel befindet sich die Beschreibung des „Schwarzen Riffs“, einer Weltraumanomalie, in deren Innern sich ein komplettes Sternensystem befindet.
Das letzte Kapitel ist schließlich der Handvoll herausragender Individuen vorbehalten, die den Kreuzzug lenken. Neben dem Oberbefehlshaber Feldmarschall Tetrarchus werden Persönlichkeiten der verschiedenen Institutionen und Waffengattungen vorgestellt, die alle mehr oder minder subtil Einfluss auf den Verlauf des Kreuzzuges haben. In einer Kampagne kann der Spielleiter diese Charaktere als Verbündete oder Gegner seiner Spieler einsetzen, oder sie einfach nur nutzen, um der Geschichte mehr Tiefe zu geben.

Mit Die Achilus-Offensive bekommt der Spielleiter einen umfangreichen Quellenband an die Hand, der es ihm ermöglicht, sich und seinen Spielern einen komplett neuen Raumsektor für Abenteuer und Kampagnen zu erschließen. Die Optionen sind nahezu unbegrenzt, bietet die Jericho-Weite doch ausreichend Gelegenheiten für Kämpfe, Diplomatie, Handel, Detektivarbeit oder Spionage auf den unterschiedlichsten Welten. Dabei beschränkt sich das Material nicht nur auf die Nutzung für Deathwatch, sondern lässt sich auch problemlos für die anderen Systeme verwenden, die in diesem Rollenspiel-Universum angesiedelt sind. Konkrete Abenteueransätze sind zwar nur spärlich vorhanden, allerdings werden genug Anregungen für eigene Szenarien geliefert. Die Beschreibungen von Planeten, Schiffen oder Personen sind meist recht vage gehalten, liefern aber genug Informationen um den Rest nach Bedarf improvisieren zu können. Regelpassagen beschränken sich dabei fast ausschließlich auf die Werte einiger Xenos und Menschen, rare Ausrüstungsgegenstände sowie kleinere Einschübe und Tabellen.
Die umfangreiche Textmenge wird großzügig durch Illustrationen, Randbemerkungen und stimmige Hand-Outs aufgelockert. Die Aufteilung in die verschiedenen Kapitel ist durchaus sinnig und erleichtert ein wenig die Orientierung in dem umfangreichen Band. Leider wurde auf einen Index verzichtet, was durch das Inhaltsverzeichnis nur unzureichend aufgefangen werden kann. Übersetzer und Korrektor haben dagegen saubere Arbeit geleistet: der Text liest sich flüssig und ist praktisch fehlerlos. Die Illustrationen der verschiedenen Künstler sind zumeist im klassischen Stil der Serie gehalten, und transportieren die Atmosphäre des Spiels sehr gut, wenn auch die Charakterportraits am Ende von der Qualität ein wenig abfallen.

Ein gelungener, informativer Quellenband für das Warhammer 40.000-Universum, der sich gleichermaßen gut für alle Systeme des Settings, wie beispielsweise Schattenjäger, eignet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.