Das letzte Bankett

28. Juni 2012 von Marcus Pohlmann

Letzte Bankett

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Erscheinungsdatum: 01.12.2011

Sprache: Deutsch

Gelegentlich kommt es vor, dass eine Horde spielwütiger Leute zusammensitzt und sich kein Spiel finden will, dass für mehr als acht Spieler ausgelegt ist. Auch bei so mancher Party wäre es wünschenswert ein Spiel zu haben, mit dem sich zahlreiche Gäste beschäftigen können. Genau hier setzt Das letzte Bankett vom Heidelberger Spieleverlag an. Ausgelegt für bis zu 25 Spieler müssen diese am Königshof mit all seinen Intrigen, Fehden und Streitereien bestehen.

Ein Spielbrett sucht der interessierte Spieler in der großen Box vergeblich. Stattdessen finden sich zahlreiche Marker für die vier unterschiedlichen Spielerfraktionen mit solch klangvollen Namen wie „Schwarze Rose“ oder „Einhorn“. Weitere Marker stellen wichtige Gegenstände wie den Dolch, die Botschaft oder den Giftkelch dar. Ein Blatt mit Kurzregeln und Glossar sowie ein sechzehnseitiges Heftchen mit den eigentlichen Spielregeln und einem Beispielszenario bringen den Spielern die Regeln näher. Das zweite Heft ist dagegen den vier Szenarien vorbehalten. Diese sehen sich auf den ersten Blick durchaus ähnlich, meist geht es einfach nur darum, das am Ende einer Runde zwei bestimmte Personen nebeneinandersitzen müssen. Spielerisch sind diese Szenarien jedoch alle recht unterschiedlich. So versuchen beispielsweise bei „Das letzte Bankett“ zwei Spieler-Fraktionen den König mittels Dolch oder Gift ins Jenseits zu befördern, während die dritte Fraktion alles daran setzt, dies zu verhindern. Etwas komplexer geht es dagegen bei „Die Kuriere des Königs“ zu. Hier muss eine Botschaft überbracht und der Bote identifiziert werden während die zweite Spielerfraktion ihrerseits versucht die Botschaft abzufangen. Zu guter Letzt sind auch noch die Karten für die 25 verschiedenen höfischen Charaktere enthalten, vom König über den Abt bis hin zur Hexe und der Gauklerin. Die Spieler können sich ihre Rolle frei wählen, es sei denn, die Szenarienregeln schreiben eine bestimmte Verteilung vor.
Diese Karten sind der Kern der Spielmechanik und enthalten alles Wissenswerte über den betreffenden Charakter. Die eine Seite der Karte zeigt eine Illustration des Höflings, während die Rückseite den jeweiligen Charakter beschreibt und seine Handlungsmöglichkeiten aufführt. Für eine einfache Spielvariante wird nur die Menueregel genutzt, sodass es nur eine Möglichkeit gibt, auf die Sitzverteilung Einfluss zu nehmen. So kann beispielsweise der Graf zwei Personen bitten die Plätze miteinander zu tauschen oder der Wildhüter tauscht selbst den Platz mit einer Person in bis zu drei Sitzen Entfernung von ihm. Wird nicht auf diese einfache Regelvariante zurück gegriffen, so stehen dem Spieler drei Handlungsmöglichkeiten während seines Zuges zur Verfügung. Zwei davon betreffen wieder die Sitzordnung, bei der dritten handelt es sich um die „Gunst“. Dabei ist es möglich einem Charakter einen weiteren Zug zu gewähren, jemanden temporär für die eigene Fraktion zu gewinnen oder die Zugreihenfolge der Spieler zu verändern. Dem Gastgeber stehen allerdings eine begrenzte Anzahl Vetomarker zur Verfügung um eine Gunstbezeugung abzulehnen.
Nach der Verteilung der Charaktere werden die Spieler, abhängig vom Szenario, nun in zwei oder mehr Gruppen aufgeteilt und haben die Gelegenheit sich vor Spielbeginn eine Strategie zurechtzulegen. Danach stellen sich alle hinter ihre Stühle während der Startspieler seine erste Aktion ausführt, sich danach auf den entsprechenden Platz setzt und das Zepter an seinen linken oder rechten Nachbarn weitergibt. Diese Zugrichtung bleibt für den Rest des Spieles erhalten. Die verschiedenen Fraktionen haben nun maximal drei Runden Zeit ihre speziellen Szenariobedingungen zu erfüllen und so die Spielrunde zu gewinnen. Es können auch mehrere Szenarien gespielt werden, in diesem Fall werden am Ende jedes Szenarios Siegpunkte verteilt.

Immer vorausgesetzt den Fall alle Spieler lassen sich auf Das letzte Bankett und ihre jeweiligen Rollen ein werden sie mit einigen unterhaltsamen und kurzweiligen Spielrunden belohnt. Selbst bei einer hohen Spieleranzahl dauert eine Partie selten länger als eine Stunde und die Wartezeit für die einzelnen Spieler ist angenehm kurz, so kommt keine Langeweile auf und es bleibt immer noch Zeit für eine weitere Runde. Auch die Spielvorbereitungen sind schnell erledigt, allerdings dürfte die Suche nach einer geeigneten Örtlichkeit bei der 20 oder mehr Spieler an einem Tisch sitzen die größte Herausforderung darstellen, zudem ist es alles andere als gemütlich ständig seinen Sitzplatz wechseln zu müssen. Die Szenarien sind zwar auch ab sechs Spielern spielbar, doch wirklicher Spaß will erst bei zehn oder mehr Leuten aufkommen. Alleine diese Tatsache dürfte dafür sorgen, dass das Spiel leider nur selten zum Einsatz kommt.
Für die Illustrationen zeichnet sich Simon Eckert verantwortlich, dem es gelungen ist, die höfischen Charaktere sehr treffend darzustellen und der so einen nicht unerheblichen Teil am Unterhaltungswert des Spieles hat. Die Anleitung ist so verständlich und ausführlich geschrieben, dass sich, auch Dank des Beispielszenarios, das Regelstudium auf wenige Minuten beschränkt und keine Fragen offen bleiben. Die Szenarien lassen sich gut spielen und ermöglichen den Aufbau richtiger Strategien vorausgesetzt die Spieler einer Fraktion agieren einigermaßen koordiniert. Auch am Rest des Spielmaterials gibt es nichts auszusetzen, ist es doch von ausgesprochen hoher Qualität und geeignet zahlreiche Einsätze zu überstehen.

Ein lustiges, unterhaltsames Spiel für große Gesellschaften, mit einem ungewöhnlichen Ansatz und gelungener Ausführung.

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