Conan

2. November 2016 von Marcus Pohlmann

Conan

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Spieleranzahl: 2 bis 5 Spieler

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Spieldauer: ca. 90 Minuten

Erscheinungsdatum: 13.10.2016

Sprache: Englisch

Der wohl berühmteste aller barbarischen Helden steht beim Brettspieldebüt des französischen Herstellers Monolith Pate. Im Dungeon Crawler Conan können bis zu vier Spieler in die Rolle des Cimmeriers und seiner Begleiter schlüpfen und gemeinsame Abenteuer erleben. Ein weiterer Spieler, der „Overlord“ steuert dabei die gegnerischen Horden und versucht die Helden bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu behindern.

Die großformatige Box verfügt über zwei doppelseitig bedruckte Spielpläne, so dass den Spielern vier Settings zur Verfügung stehen: ein piktisches Dorf mit seinen primitiven Hütten und Ställen, das Innere einer Taverne, die Ruinen einer kleinen Burg und zwei nebeneinander liegende Schiffe. Die Karten sind in verschiedene Felder aufgeteilt und verfügen über weitere Markierungen, die im Spielverlauf von Bedeutung, beispielsweise für Sichtlinien, sind. 55 Karten mit Ausrüstungsgegenständen können im Spielverlauf von den Helden genutzt werden, vom einfachen Dolch über eine zweihändige Axt bis hin zu explodierenden Kugeln ist alles vorhanden was das Abenteurerherz höher schlagen lässt. Auf die ebenfalls enthaltenen Zaubersprüche haben die Helden aber, abhängig vom gespielten Szenario, auch der Overlord Zugriff. Gut 150 Marker dienen dazu, die unterschiedlichsten Spieleffekte zu dokumentieren und verschiedene Kunststoff-Basen werden das Spielbrett optisch auf. Die auffälligsten Spielelemente dürften aber die 74 Kunststoff-Miniaturen sein; Conan, der Dieb Shevatas, der Magier Hadrathus und die Prinzessin Bêlit, sowie sechs verbündete Figuren stehen den Spielern der Helden zur Verfügung. Der Overlord hat dagegen piktische Krieger, Hyänen, Piraten, Stadtwachen, Dämonen und einige „Endgegner“ in seinem Repertoire. Das zweite besondere Element ist das „Book of Skelos“, ein Tableau, mit dem der Spielleiter seine Figuren und ihre möglichen Aktionen verwaltet, dazu aber später mehr. Vervollständigt wird das Spielmaterial durch Charakterbögen für die Helden und Karten für die Gegner mit Angaben zu Bewegung, Kampfgeschick, besonderen Fähigkeiten und Verteidigung, sowie einige Übersichtsbögen, zwei Anleitungshefte, blaue und rote Kunststoff-Edelsteine, die Gemmen, und schließlich neun sechsseitige Würfel. Diese zeigen keine Zahlen sondern Äxte (Erfolge) und Leerseiten (Fehlschläge). Gelbe Würfel haben dabei die schlechtesten Chancen, bei den orangenen Würfeln hält es sich die Waage und die roten Würfel versprechen die beste Erfolgsquote.
Der Aufbau des Spielfeldes ist im Buch für den Overlord für jedes der 13 Szenarien detailliert beschrieben. Dieser ist auch dafür verantwortlich, die gegnerischen Figuren, Truhen, Marker und sonstige Elemente zu platzieren. Die restlichen Spieler suchen sich einen Helden mit seiner vorgegebenen Ausrüstung aus und platzieren ihre Figuren ebenfalls auf dem Spielfeld.
Jeder Charakter verfügt über ein Tableau, auf dem seine Werte, Fähigkeiten und Aktionsmöglichkeiten aufgelistet sind. Jedem Charakter stehen zudem eine gewisse Anzahl von Gemmen zur Verfügung, die er einsetzen kann um Fähigkeiten zu aktivieren, anzugreifen, sich zu verteidigen, zusätzliche Würfel oder Wiederholungs- und Verteidigungswürfe zu kaufen. So kann sich beispielsweise Conan zwei Felder kostenlos bewegen, dann ein gegnerisches Modell angreifen, indem er für jeden Angriffswürfel eine Gemme ausgibt und sich anschließend für eine weitere Gemme pro Feld bewegen und mit einer letzten Gemme versuchen eine Kiste zu öffnen. Normalerweise regenerieren Charaktere zwei oder drei Gemmen pro Runde, wenn sie normal handeln und fünf, wenn sie auf praktisch alle anderen Aktionen ihres Zuges verzichten. Sollten sie Wunden erleiden, so werden diese aus von den Gemmen abgezogen, was die Handlungsfähigkeit eines Charakters im Spielverlauf weiter einschränkt. Um eine erfolgreiche Aktion auszuführen muss ein Spieler eine gewisse Anzahl an Äxten (also Erfolgen) erzielen. Um eine Kiste zu öffnen sind grundsätzlich zwei Erfolge ausreichend, bei einem Angriff muss dagegen der Rüstungswert des Gegners übertroffen werden. Durch besondere Ausrüstung oder Fähigkeiten erhalten die Charaktere zusätzliche Würfel, Wiederholungswürfe oder bekommen andere Vorteile.
Haben alle Charaktere ihre Aktionen ausgeführt, das heißt, es möchte keiner mehr Gemmen ausgeben, ist der Overlord an der Reihe. Auf seinem Tableau, dem erwähnten „Book of Skelos“ sind die zur Verfügung stehenden Einheiten mit Werten von eins bis acht aufgelistet, dies entspricht den Aktivierungskosten. Auch der Overlord hat eine gewisse Anzahl an Gemmen, die er ausgeben kann um bis zu zwei Einheiten zu aktivieren. Die aktivierte Einheit wird ans Ende der Reihe gelegt, alle anderen Karten rutschen weiter nach vorne. Die Figuren der Einheit bewegen sich und können am Ende ihrer Bewegung die Helden angreifen, sollten sie auf dem gleichen Feld stehen. Zusätzlich kann der Overlord für seine Figuren mehr Bewegung, Wiederholungs- und Verteidigungswürfe kaufen, ähnlich wie die Charaktere.
Sind alle Figuren bewegt beginnt eine neue Runde. Gelingt es den Spielern in der vorgegebenen Rundenanzahl ihr Ziel zu erreichen haben sie gewonnen, ansonsten obsiegt der Overlord.

Die Mischung aus Rollenspiel-Elementen, reinem Dungeon Crawler und Ressourcenmanagement funktioniert bei diesem Spiel ganz hervorragend. Es benötigt zwar einige Durchgänge bevor die Spieler Verbrauch und Regeneration der Gemmen richtig einschätzen können, aber ist dieser Mechanismus erst einmal verstanden bietet er den Spieler vielfältige taktische Möglichkeiten. Auch für den Overlord gibt es mehr Möglichkeit als bei anderen Spielen dieser Art: Durch den Einsatz vonRessourcen kann sogar ein schwächlicher Pikten-Krieger zu einer ernsthaften Bedrohung oder eine starke Einheit zwei Runden in Folge aktiviert werden. Die zur Verfügung stehenden Optionen sind hier breit gefächert und je nach gewähltem Held und der Ausrüstung spielt sich jedes Szenario anders. Für die Spieler ist es wichtig ihre Aktionen zu koordinieren und planvoll vorzugehen. Jeder Charakter hat eine oder mehrere Spezialitäten, die auch genutzt werden müssen, soll die Mission ein Erfolg werden. Viele Kleinigkeiten, beispielsweise die zulässige Traglast für die Charaktere, Möglichkeiten Hindernisse zu überspringen, Wände einzureißen oder auch mit dem Kopf eines Gegners Basketball zu spielen, geben dem Spiel einen erstaunlichen Tiefgang und den Spielern viele Handlungsmöglichkeiten.
Die Ausstattung von Conan lässt eigentlich keine Wünsche offen. Bei der optischen Präsentation des Spiels haben Monolith Games richtig gute Arbeit abgeliefert. Spielpläne, Karten und Illustrationen sind in dem klassischen Fantasy-Stil der 70er und 80er Jahre gehalten
Auch über die Figuren kann nichts Negatives gesagt werden. Sowohl Charaktere als auch Gegner sind detailliert gestaltet und auch der Guss der Kunststoffminiaturen ist hervorragend. Nur wenige Figuren fallen dabei ein wenig in der Qualität ab.
Der einzige, allerdings wirklich große, Kritikpunkt sind die beiden Anleitungshefte. Diese sind, sehr euphemistisch formuliert, stark verbesserungswürdig. Ohne verschiedene Video-Tutorials und ausgiebige Konsultation diverser Brettspielforen ist das Spiel derzeit kaum vernünftig spielbar. Die Probleme fangen bei der fehlenden Erklärung der meisten Spielkomponenten an, gehen über die ausgesprochen schwammig, gar widersprüchlich, formulierten Regeln und enden bei den fehlerhaft übersetzten Karten der englischen Ausgabe. Fähigkeiten finden sich nur auf den Übersichtskarten, nicht im eigentlichen Regelheft, auf ein Inhaltsverzeichnis oder gar einen Index wurde komplett verzichtet und die zwingend vorgegebene Ausrüstung der Charaktere ist restriktiv und meist nicht wirklich sinnvoll. Hier besteht dringender Nachbesserungsbedarf und der Hersteller hat bereits die notwendigen Schritte in Aussicht gestellt.

Monolith liefern mit ihrem Debüt einen spannenden, sehr taktischen und verschwenderisch ausgestatteten Dungeon Crawler ab, allerdings wird die Spielfreude aktuell noch durch die schwammigen Regelformulierungen gedämpft.

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