Citadels

14.11.2017 von Marcus Pohlmann

Citadels

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Spieleranzahl: 2 bis 8 Spieler

Altersempfehlung: ab 10 Jahren

Spieldauer: ca. 60 Minuten

Erscheinungsdatum: 24.02.2017

Sprache: Deutsch

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Es ist schon ein wenig länger her, genauer gesagt im Jahr 2000, da veröffentlichte Hans im Glück ein kleines Spiel um vertauschte Rollen, mittelalterliche Städte und missgünstige Mitspieler. Ohne Furcht und Adel von Bruno Faidutti entwickelte sich schnell zum gern (und häufig) gespielten Klassiker und zog in Folge mehrere Erweiterungen nach sich. Für den Verlag Grund genug, dass Spiel nach 17 Jahren einer Generalüberholung zu unterziehen und zusammen mit allen Erweiterungen unter dem ursprünglichen Namen Citadels erneut zu veröffentlichen.

Ein Blick in die, etwas zu groß geratene, Schachtel offenbart unter anderem eine Kunststoff-Krone als Startspielermarker und 30 Münzen aus Kunststoff, die Spielwährung. Viel interessanter sind jedoch die verschiedenen Kartenarten, die zum Einsatz kommen. Wichtig sind hier vor allem die 54 Gebäudekarten, aus denen sich im Spielverlauf die Stadt zusammensetzt. Diese unterscheiden sich in Religions-, Militär-, Adels- und Handelsgebäudekarten; hinzu kommen insgesamt 36 einzigartige Gebäude. Neben ihrer Bezeichnung findet sich auf diesen Karten noch eine unterschiedliche Anzahl von Münzsymbolen. Dies zeigt die Kosten für den Bau und später die Siegpunkte an, die der Spieler für das Gebäude bekommt. Die einzigartigen Gebäude verfügen zusätzlich noch über eine besondere Eigenschaft, so kann der Spieler bei der Schmiede Gold in Karten umtauschen, die Fabrik verbilligt den Bau, die Schatzkammer bringt zusätzliche Siegpunkte oder der Glockenturm verkürzt die Spieldauer. Acht Übersichtskarten fassen den Ablauf für die Spieler kurz zusammen, der Einsatz der 15 Aktionskarten ist dagegen optional. Diese drehen sich thematisch um einen Wanderzirkus und bringen den Spielern einmalige Vorteile wenn sie ausgespielt werden. Im Zentrum der Spielmechanik stehen schließlich die Charakterkarten. Insgesamt 27 Charaktere stehen zur Auswahl, von denen aber jeweils nur acht oder neun im Spiel eingesetzt werden. Jeder dieser Charaktere verfügt über eine Nummer (1 bis 9), eine dazugehörige Illustration und seine besondere Fähigkeit, welche er ein Mal pro Runde einsetzen kann. Beispielsweise kann der Assassine einen anderen Charakter meucheln – der dann aussetzen muss, der Marschall bekommt Geld für Militärgebäude und kann anderen Spielern Gebäude aus ihrer Stadt stehlen oder der Ablassprediger bekommt Gold und Karten für seine Religionsgebäude. Schließlich gibt es noch Plättchen, mit denen angezeigt wird, welche Charaktere im aktuellen Spiel eingesetzt werden und verschiedene Marker um Spieleffekte anzuzeigen. Eine 20seitige Anleitung vervollständigt das Spielmaterial.
Vor dem Beginn einer Partie müssen die Spieler entscheiden, welche Charaktere zur Verfügung stehen, ob die Aktionskarten zum Einsatz kommen und 14 einzigartige Gebäude in den Stapel mit den normalen Gebäudekarten mischen. Jeder Spieler bekommt zwei Gold als Startkapital und vier verdeckte Gebäudekarten als seine Starthand. Auch das restliche Spielmaterial wird entsprechend sortiert und bereit gelegt.
Eine Spielrunde beginnt mit der Auswahlphase: je nach Spieleranzahl werden einige Charakterkarten offen und/oder verdeckt beiseite gelegt. Der Startspieler wählt sich aus den restlichen Karten eine aus und gibt den Rest reihum weiter. Hat jeder Spieler einen Charakter gewählt, so beginnt die Aktionsphase. In dieser sind die Spieler in aufsteigender Reihenfolge am Zug. Der Startspieler ruft die Kartennummern auf – wird die Nummer eines Spielers aufgerufen, so deckt er seine Karte auf. Nun kann er gegebenenfalls seine Fähigkeit – oder die seiner Gebäude – nutzen oder eine Aktionskarte spielen. Zu welchem Zeitpunkt während der Phase dies geschieht ist dabei aus dem Text der Karte ersichtlich. Danach hat der Spieler die Möglichkeit Einkommen zu generieren, das heißt, er nimmt sich zwei Gold aus der Bank oder er zieht zwei Karten vom Gebäudestapel, behält eine und legt die andere wieder ab. Außerdem darf der Spieler ein Gebäude aus seiner Hand in seine Stadt bauen, indem er die erforderlichen Kosten bezahlt. Danach endet sein Zug und die nächste Nummer wird aufgerufen. War jeder Spieler an der Reihe, so beginnt die nächste Runde wieder mit der Auswahlphase.
Baut ein Spieler das siebte Gebäude (bei zwei oder drei Spielern ist es das achte) in seine Stadt, endet das Spiel und die laufende Runde wird noch fertig gespielt. In der abschließenden Wertung werden die Werte der Gebäude addiert, hinzu kommen noch Sonderpunkte, beispielsweise für einzigartige Gebäude oder wenn alle Gebäudearten in der Stadt vertreten sind. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt, wie so häufig, die Partie.

Auch in dieser neuen, überarbeiteten Version ist Citadels ein großartiges Spiel. Die grundlegenden Mechaniken funktionieren sowohl mit den alten als auch den neuen Charakteren, die zahlreichen einzigartigen Gebäude sorgen für mehr Abwechslung und die Aktionskarten bringen einen weiteren Unsicherheitsfaktor ins Spiel. Es macht einfach einen Heidenspaß, mit dem Assassine den Baumeister hinterrücks meucheln, mit dem Dieb das angehäufte Geld des Söldners stehlen oder mit dem Beschwörer den Mitspielern Karten abzuluchsen. Grade diese ständige Interaktion zwischen den Spielern sorgt für Stimmung (und gelegentlich Ärger) am Spieltisch und es ist immer spannend, zu versuchen einzuschätzen, wer welchen Charakter in der Runde nutzt. Natürlich funktioniert Citadels auch mit zwei oder drei Leuten einigermaßen ordentlich. Wirklich Spaß macht eine Runde aber erst mit mehr Spielern – sehr gerne auch mit der vollen Spielerzahl.
Die neuen Ilustrationen sind fraglos gut – für mich als Fan des alten Spiels allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Nichtsdestotrotz haben die verschiedenen Künstler ihre Vorstellung von einer mittelalterlich-fantastischen Stadt und deren Bewohnern gut und stimmig umgesetzt. Auch das restliche Spielmaterial ist durchweg hochwertig und sehr ansprechend gestaltet. Die Anleitung enthält neben den, überraschend kurzen, Regeln noch ausführliche Beschreibungen jeder einzelnen Karte, so dass etwaige Fragen zu Kartentexten rasch mit einem kurzenBlick behoben werden können. Darüber hinaus finden sich hier auch Vorschläge zu Themensets mit verschiedenen Charakteren und Gebäuden. Regelmodifikationen für das Spiel mit unterschiedlichen Spielerzahlen und einige weitere optionale Regeln runden das Heft ab. Interessierte Leser können auf der Verlagsseite vorab einen Blick in die Anleitung werfen.

Für größere Spielrunden, die ein spannendes, taktisches und bisweilen auch fieses Spiel suchen ist Citadels sicherlich eine gute Wahl – selbst beim Besitz der Vorgängerversion.

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