Arcana

12. Mai 2010 von Marcus Pohlmann

Arcana

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Spieleranzahl: 2 bis 4 Spieler

Altersempfehlung: ab 10 Jahren

Spieldauer: ca. 60 Minuten

Erscheinungsdatum: 01.03.2010

Sprache: Deutsch

Vor einiger Zeit sorgte das Rollenspiel Cadwallon des französischen Verlages Rackham wegen seiner spektakulären Aufmachung und seiner wirren Regeln für einigen Wirbel. Trotz einiger guter Ansätze und einer treuen Fangemeinde verschwand das Spiel allerdings bald wieder im Rahmen der Umstrukturierung von Rackham Entertainment in der Versenkung. Nach einer Zeit der Spekulationen und Vermutungen fand sich die Lizenz für Cadwallon schließlich bei DUST Studios wieder die, in Zusammenarbeit mit der Alderac Entertainment Group, neben dem Rollenspiel noch weitere Spiele in diesem Setting planen. Diesem ganzen Gewusel zum Trotz macht nun das Kartenspiel Arcana den Anfang, das von Pegasus Spiele für den deutschen Markt veröffentlicht wird. Glücklicherweise geht es in dem Spiel nicht annährend so wirr zu wie bei seiner Entstehungsgeschichte.

Für diejenigen, die mit dem Fantasy-Rollenspiel oder dem dazugehörigen Tabletop Confrontation nicht so wirklich vertraut sind vielleicht einige kurze Worte zum Hintergrund. Der Kontinent Aarklash wird von verschiedenen menschlichen und nichtmenschlichen Rassen bewohnt. Meist sind diese Völker in bewaffnete Konflikte verstrickt und es herrscht Krieg auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Die Freie Stadt Cadwallon, Zentrum des Handels und der Toleranz, stellt so etwas wie das Auge des Sturmes auf diesem Kontinent dar. Offiziell leben die verschiedenen Völker in den Mauern der Stadt friedlich nebeneinander und widmen sich ihren Geschäften, doch unter der Oberfläche brodelt es, die Gilden versuchen ihre Macht zu vergrößern, religiöse Fanatiker und falsche Propheten wiegeln die Bevölkerung auf und skrupellose Händler versuchen mit allem und jedem Geschäfte zu machen. Leider erfährt der Spieler nichts von diesem faszinierenden Hintergrund sondern muss sich damit begnügen, die Kontrolle über eine der vier Gilden der Stadt zu übernehmen.
Als Gildenoberhaupt hat man nun die Aufgabe möglichst viel Einfluss und Macht in Form von Siegpunkten zu erlangen und die anderen Gilden so auf ihre Plätze zu verweisen. Zu diesem Zweck verfügt jeder Spieler zu Beginn über neun Agenten, ein Relikt und einen Ort von dem aus er sich sein Reich aufbauen muss.
Das Grundprinzip ist hierbei denkbar einfach: Der Spieler zieht aus seinen elf Karten vier auf die Hand und bietet mit diesen Handkarten auf einen der bis zu fünf Marktplätze, bei dem offen Karten ausliegen. Das Gebot wird verdeckt abgelegt, wenn es sich um einen der Marktplätze vor der eigenen Gilde handelt und offen, wenn sich dieser beim Gegner befindet. Danach sind die Mitspieler an der Reihe. Haben alle Mitspieler ihre vier Gebote abgegeben so wird überprüft, ob bei einer oder mehreren Marktkarten die geforderte Summe erreicht oder überboten wurde. Ist dies der Fall so wandert sie in den Kartenstapel des Gewinners, die Karten der anderen Gebote gehen wieder zu ihren ursprünglichen Eigentümern. Schließlich wird auf dem betreffenden Marktplatz eine neue Karte aufgedeckt. Wenn jeder Spieler seine Handkarten auf den Markt geschickt oder abgelegt hat, beginnt eine neue Runde. Ist der Zugstapel eines Spielers aufgebraucht, so wird der Ablage- oder Ressourcenstapel gemischt und wächst so um die neuen, ersteigerten Karten. Die Spieler sammeln so lange Siegpunkte bis im mittleren Marktplatz, der so genannten Freihandelszone die „Spielende“-Karte aufgedeckt wird. Zu diesem Zeitpunkt müssen die Spieler lediglich ihre Siegpunkte zählen um den Gewinner zu ermitteln.
Das Spiel unterscheidet zwischen drei verschiedenen Kartenarten. Die Persönlichkeiten oder Agenten nehmen hier eine zentrale Rolle ein, sie werden auf den Marktplatz geschickt um neue Rekruten anzuwerben. Jeder Ort verfügt über eine besondere Fähigkeit, die zum Tragen kommt wenn die Karte ausgespielt wird. Relikte sind eine Art Joker, die zwar alleine wertlos sind, aber einen beliebigen Arcana-Wert eines schon ausliegenden Agenten erhöhen können. Jede Karte verfügt neben ihrem Namen und ihrer Zugehörigkeit zu bestimmten Stadtteilen natürlich über Siegpunkte, welche am Ende des Spieles ausgezählt werden und außerdem noch die vier so genannten Arcana-Werte, auf welche die Spieler bieten müssen, um die Karte ihrem Deck einzuverleiben. Hier wird unterschieden in militärische, politische, spirituelle und finanzielle Macht. Beim Bieten muss der Wert eines bestimmten Arcana erreicht oder übertroffen werden.
Mit den Fortgeschrittenenregeln kommen zwei taktische Elemente ins Spiel. Zum einen muss man Orte eines bestimmten Stadtteils sammeln, zum anderen kann man sich durch Bestechung die Unterstützung der Stadtmiliz sichern. Diese beiden Optionen krempeln zwar den Spielverlauf nicht völlig um, erlauben aber neue Spielstrategien und erhöhen den Spielspaß doch erheblich.

Wem der Spielablauf bekannt vorkommt braucht sich nicht zu wundern, die Ähnlichkeiten zu Dominion, dem Spiel des Jahres 2009, sind nicht von der Hand zu weisen. Trotzdem verfügt Arcana über genug eigene Elemente die es von der großen Konkurrenz abheben und für Spieler interessant machen. Die Regeln sind schnell erklärt und die Lektüre der knappen, verständlichen Anleitung hält nicht lange auf. Auch das eigentliche Spiel läuft sehr zügig ab, nur selten wurde in den Spielrunden die angegebene Dauer von einer Stunde erreicht. Die Illustrationen der Karten sind durchweg stimmig und sehr nett anzuschauen, allerdings stört der teilweise doch sehr unterschiedliche Stil der verschiedenen Zeichner, so dass die Karten nicht wirklich zueinander passen wollen. Als interessantes Detail am Rande hat man als Symbol militärischer Macht, einen Stab und für politische Macht, ein Schwert gewählt. Leider verschenkt wurde die Möglichkeit, den verschiedenen Gilden eine wirklich individuelle Bedeutung zu geben, lediglich drei der zwölf Karten unterscheiden sich in den Werten voneinander und auch der Hintergrund des Spieles wird nicht berücksichtigt.
Mit nur zwei Spielern macht das Spiel nicht wirklich Spaß, man kommt sich selten ins Gehege, spielt lediglich seine Karten und hofft, dass man die richtigen Handkarten zieht um wichtige Punkte zu machen. Zudem kann es öfters vorkommen, dass man im frühen Spielverlauf durch eine schlechte Kartenhand in Rückstand gerät und diesem den Rest des Spieles nur noch hinterher läuft. Wenn man sich mit drei oder vier Spielern an eine gepflegte Spielrunde macht und dazu noch die Fortgeschrittenenregeln nutzt macht das Spiel deutlich mehr Spaß. Hier wird gefeilscht, gedroht und geschmeichelt was das Zeug hält um sich selbst einen kleinen Vorteil zu verschaffen. Der Bluff- und Strategieanteil nimmt hier spürbar zu und in selbem Maße auch der Spielspaß.

Arcana ist ein nettes kleines Spiel. Nicht wirklich spektakulär, aber für den Preis durchaus eine lohnenswerte Anschaffung.

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