Rezension von Stefan Haag Autor: Wirbeleit, Patrick
Glaubt man der nordischen Mythologie, war Thor der Donnergott ein mächtiger und furchteinflößender Zeitgenosse. Er hat so viel Eindruck hinterlassen, dass er unter anderem sogar in Superheldencomics auftritt. Doch es gibt auch andere Thor-Adaptionen in Comicform, in denen der Gott kein vor Muskeln strotzender Über-Held ist. Bei Tokyopop startete 2007 die Serie „Kleiner Thor“, in der es um die Kindheit des Donnergottes geht.
Der Gott Loki war schon immer ein meisterhafter Lügner und Betrüger. Dass er allerdings überdies noch ein Riese ist, wird dabei meist vergessen. So wendet er sich einmal mehr gegen die Asen, um einen bösartige Intrige zu spinnen. Er lässt Idun, die Hüterin der Äpfel der ewigen Jugend, entführen. Fortan beginnen die Götter ohne ihre Quelle der Jugend langsam aber stetig zu vergreisen, bis auf Loki - denn Riesen altern nicht. Um seinen Sohn Thor zu beschützen und ihn gleichzeitig auf seine Nachfolge vorzubereiten, schickt ihn Göttervater Odin auf die Erde, wo er lernen soll, unter Sterblichen zu leben um sie zu verstehen.
Doch natürlich geht das nicht ohne Probleme ab. Thor wird - nahezu ohne göttliche Kräfte - gefangen genommen. In einer Welt voll mit Hexen, Zauberei, fremdartigen Religionen und bösartigen Riesen muss er es schaffen, mit den Menschen zurechtzukommen. Weiters versuchen Loki und seine Verbündeten alles, um den jungen Thor aus dem Weg zu schaffen. Aber zum Glück hat dieser nicht vor, sich in sein Schicksal zu ergeben und schmiedet einen waghalsigen Plan...
Es gelingt nicht immer eine klassische Sage so in ein neues Gewand zu verpacken, dass der Leser die Neufassung so zu schätzen lernt oder lieb gewinnt wie die ursprüngliche Version. Der Texter Patrick Wirbeleit und der Zeichner Kim haben allerdings einen Schritt in die richtige Richtung getan. So wurden Haupt- und Nebencharaktere liebevoll entwickelt. Die Junghexe Klimetta, Leif - der Sohn von Erik dem Roten und die beiden christlichen Mönche Bruder Malmus und Thomas ringen dem Leser mit ihren witzigen Dialogen mehr als nur ein Lächeln ab. Auch die Zeichnungen sind sehr gut gelungen. Die schwarzweißen Bilder sind detailgetreu um alle wichtigen Emotionen der Charaktere widerspiegeln zu können und sind dabei immer noch verspielt genug, um allein durch ihre Optik zu unterhalten. Man ist wirklich gespannt, wie Thor und seine beiden menschlichen Freunde das düstere Komplott gegen die Asen vereiteln können. Denn dass sie es schaffen, ist eigentlich bereits klar.
Die Altersempfehlung von 10+ ist in jedem Fall zu unterstützen. Obwohl Kinder heute früh genug mit Tod und Gewalt konfrontiert werden, muss man es nicht unbedingt darauf anlegen. Insgesamt ist der erste Band der Serie „Kleiner Thor“ sowohl für Comicfans, als auch für all diejenigen, die die nordische Mythologie einmal anders erleben wollen, durchaus empfehlenswert.
„Kleiner Thor“, die neue Comicserie aus dem Hause Tokyopop startet ambitioniert, amüsant und mit gelungen Illustrationen. Es bleibt zu hoffen, dass auch die Nachfolgebände ähnlich gute Qualität besitzen. Aber eigentlich kann man davon ausgehen.