Cugels Irrfahrten. Dying Earth Bd. 1 (Kritik)

Rezension von Stratos

Autor: Vance, Jack; Straßl, Lore


Aus der Reihe "Dying Earth"

Jack Vance … wer sich in der modernen Phantastik auskennt, wird den Namen kennen. Der legendäre Autor der "Dying Earth"-Romane, vielfach mit Preisen dekoriert, von Kritikern weltweit gefeiert als Urvater der Science Fantasy, also der Verquickung von SF- und Fantasyelementen. Die "Dying Earth"-Reihe, sein Hauptwerk, ist längst eine Legende. Um so erstaunlicher ist es, daß gerade dieser Klassiker auf dem hiesigen Buchmarkt jahrelang vergriffen war. Wer die alte Heyne-Ausgabe bekommen wollte, mußte im SF-Antiquariat einiges auf den Tisch legen - die Bücher waren eine Rarität.
Nun ist es soweit: Der Verlag Fantasy Productions wagt eine Neuveröffentlichung der mehrbändigen Reihe. Fantasy Productions? Der Rollenspielverlag? In der Tat; seit einiger Zeit gibt Fanpro eine Buchreihe mit phantastischen Titeln heraus, unter anderem hochwertige Ausgaben der Werke von George R. R. Martin oder bekannte Steinzeitromane (Paläo-Fiction). Die Romanpublikation soll offenbar ein zweites Standbein neben dem darbenden Rollenspielmarkt werden … und anders als die Konkurrenz legt Fanpro dabei auch optisch und inhaltlich hochwertige Bücher vor. "Dying Earth" ist nun ein weiterer edler Mosaikstein im Verlagsprogramm. Dem ersten Band "Cugels Irrfahrten" sollen auf jeden Fall rasch weitere Vance-Bücher folgen.

"Cugels Irrfahrten" berichtet von einem todgeweihten Planeten, über dem eine sterbende Sonne als Symbol des Niedergangs steht. Ihre Gluthitze brutzelt auf die Erdoberfläche herab, Wissenschaft weicht der Magie, Ordnung dem Chaos. In dieser Welt irrt der Taliskrämer Cugel umher, ein Schlitzohr, Halunke, Tunichtgut, Kindskopf und Egoist, wie ihn die Fantasy selten gesehen hat - ein Antiheld par exellence, der seine mannigfaltigen Schwächen mit Wortwitz und Schlauheit ausgleicht. In mehreren Episoden schickt Vance seinen Helden über die sterbende Erde, läßt ihn etwa in den Turm des "Lachenden Magiers" einbrechen, pflanzt ihm einen scheußliches Tierchen in den Magen, das an seiner Leber zerrt, läßt ihn auf seinen haarsträubenden Irrfahrten gegen Dämonen und Geister antreten und spielt ihm auch ansonsten übel mit. Cugel meistert dies alles mit stoischer Ruhe und einer nicht zu unterschätzenden Verschlagenheit, die ihm gewiß nicht die Sympathie jedes Lesers einbringen wird. Doch die Abenteuer des bizarren Herumtreibers sind einfach zu bunt und zu verrückt, um sich daran zu stören. Kurzweil ist auf jeden Fall garantiert …

Fantasyfans kommen an "Cugels Irrfahrten" ohnehin nicht vorbei; Jack Vance hat mit dieser Reihe das Genre maßgeblich beeinflußt und zählt zu den großen Klassikern, die man kennen sollte. Das irre Tempo der Geschichten, die irrwitzigen Wendungen innerhalb einer ohnehin irrwitzigen Handlung und Vamces freche, zielsichere Sprache machen das Buch zu einem besonderen Leseerlebnis. Sicherlich, an manchen Stellen mag der Roman auf heutige Leser etwas albern wirken. Doch Staub hat er nun wirklich nicht angesetzt; er hat sich sogar erstaunlich gut gehalten, ebenso wie die deutsche Übersetzung von Lore Straßl. Das hübsche Cover der Fanpro-Ausgabe kann dabei als weiteres Argument dienen, sich näher mit der "Sterbenden Erde" zu befassen.

Ein rundum gelungenes Buch, dessen Fortsetzung sehnlich erwartet wird.


Wertung:

Gesamt:

Spannung:

Humor:

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Infos:

Serie:

Dying Earth

Autor:

Vance, Jack

Co-Autor:

Straßl, Lore

Verlag:

FanPro

Erschienen:

01.03.2006

Kritiker:

Stratos

ISBN oder
ProduktID:

3890644627

Seiten:

525

Preis:

15 €

Typ:

Taschenbuch

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