The Razorblades – New Songs For The Weird People

24. April 2016 von Marcus Pohlmann

The Razorblades – New Songs For The Weird People

Musiker:

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Laufzeit: 57 Minuten

Tracklist:
01 – Rock 'N Roll Jet Set
02 – I Can Smell The Summer
03 – Police Control
04 – Smartphone Party
05 – Punching Ball
06 – Anthem For The Beach Freaks
07 – Kim & Thurston
08 – Too Much Money Is Bad For Your Complexion
09 – You Make My Heart Go Boom
10 – Thanks For Dressing Up, But I Like Girls In Sneakers
11 – Sunrise At Swanpool Beach
12 – Put On The Make Up Boys
13 – Glam Rock Girl
14 – Dancing In The Record Store
15 – Martians Stole My Girlfriend
16 – Cosmopolitan For Breakfast
17 – The World Looks So Much Better Through My Shades

Erscheinungsdatum: 19.03.2016

Sprache: Deutsch

Vor wenigen Wochen veröffentlichte das Trio The Razorblades ihren mittlerweile sechsten Longplayer bei einer großangelegten Party im Wiesbadener Kulturpalast. Wie schon die Vorgänger so erscheint auch das Album New Songs For The Weird People mit weitgehend instrumentalem Surfsound über das kleine Label General Schallplatten des Gitarristen und musikalischen Kopfes der Band, Rob Razorblade.

Ungewöhnlich für die Band verfügt der Opener „Rock ‚N Roll Jet Set“ über erstaunlich viel Text, und spätestens bei der zweiten Wiederholung des Refrains bleibt dem Hörer praktisch nichts anderes übrig als mitzusummen. Das Schlagzeug hämmert energisch und recht monoton während Gitarre und Bass sich recht rockig durch das Stück mäandern. Zwischendurch bekommt jeder der drei Musiker noch Zeit für ein kleines Solo, quasi um sich vorzustellen. Viel leichter und fluffiger tönt daraufhin „I Can Smell The Summer“ aus den Boxen, trotzdem ist der Track durchaus tanzbar und konzentriert sich auf den Surfsound, für den die Wiesbadener mittlerweile auch über nationale Grenzen hinweg bekannt sind. Der Anfang von „Smartphone Party“ erinnert mich an die seligen The Clash, doch entwickelt sich die Nummer schnell wieder zu eine Mischung aus Rockabilly und Surf. Langsame und schnelle Parts wechseln sich ab und der Hörer weiß nicht so recht, ob er bei diesem Stück ausgelassen tanzen oder cool Cocktails schlürfen soll. Ungewöhnlich langsam und schon fast schwerfällig präsentiert sich „Kim & Thurston“, bei dem das Schlagzeug einen viel dominanteren Part einnimmt als bei den Stücken davor. Die Riffs kommen etwas druckvoller aus den Boxen und der ansonsten glasklare, saubere Gitarrensound wird häufig (beabsichtigt) verzerrt. Deutlich lockerer und viel tanzbarer geht es mit „Thanks For Dressing Up, But I Like Girls In Sneakers“ weiter, bei dem sich die Band fröhlich durch Surf, Rock n’Roll und Rockabilly spielt und die Geschwindigkeit zum Ende hin immer weiter steigert. Das folgende „Sunrise At Swanpool Beach“ ist, wenn auch ganz knapp, nach mehrmaligem Hören mein persönlicher Favorit auf New Songs For The Weird People. Hier geht die Band wieder etwas ernsthafter zur Sache, das Stück klingt dunkler und intensiver als die meisten anderen Tracks. Die Gitarre ist tiefer gestimmt, der Bass klingt öfter durch, das Schlagzeug hält einen eindringlichen Rhythmus und sogar das obligatorische „Twang“ wirkt düsterer. Das abschließende und mit Abstand auch längste Stück des Albums, „The World Looks So Much Better Through My Shades“, fällt vom Stil her weitgehend aus dem Rahmen, erinnert es doch eher an 70er Jahre Bluesrock. Wirklich viel passiert bei dem Track eigentlich nicht, andererseits eignet er sich recht gut um das Album ausklingen zu lassen und den Hörer auf die graue Wirklichkeit des Alltags vorzubereiten. Nicht schlecht, wenn auch ungewöhnlich und für mein Hörempfinden mindestens eine Minute zu lang.

Ein wirklich herausragendes Stück, im positiven wie im negativen Sinne, zu nennen fällt mir bei New Songs For The Weird People schwer. Die Tracks sind allesamt gut und die Musiker beherrschen offensichtlich ihre Instrumente, dennoch vermisse ich irgend etwas. Ob dies die fehlenden Vocals sind oder einige stärkere Abweichungen vom gitarrendominierten Surfsound kann ich nicht sagen. Es ist nur eine Kleinigkeit, die aus diesem guten Album ein großartiges machen würde, zumindest für meine Hörgewohnheiten. Dennoch geht der Silberling hervorragend als Soundtrack für die langsam anfangende Grillsaison durch oder eignet sich für stundenlange Fahrten über einsame nächtliche Autobahnen. Setzt sich der Hörer etwas intensiver mit dem zumeist vordergründig locker-leichten Surf auseinander, so fällt auf, dass sich viele Tracks deutlich vielschichtiger präsentieren und Einflüsse anderer Genres nahtlos und unauffällig in den typischen Sound der Band integriert werden. Die Idee, praktisch jedes Stück im Stile eines Dialog-Samples aus einem Soundtrack ansagen zu lassen ist zwar nur eine Kleinigkeit, die ich aber sehr nett und besonders für dieses Album auch sehr stimmig finde.
Die Produktion ist wirklich sauber und ich glaube, ich habe noch nie so ein klares „Twang“ wie auf diesem Album gehört. Die Balance zwischen den Instrumenten passt, wobei, bedingt durch die Musikrichtung, die Gitarre meist im Vordergrund steht. Bass und Schlagzeug haben zwar auch ihre Momente, brechen jedoch deutlich seltener aus ihren vorbestimmten Rollen aus. Das Booklet kann mit zwei sehr hübschen Illustrationen im Comic-Stil aufwarten, die einen Überblick über die „merkwürdigen“ Leute geben, die die Musik der Razorblades hören. Neben einem Band-Foto und den obligatorischen Produktionsinfos und Danksagungen bekommt der Hörer hier nichts weiteres geboten.

Sehr entspannte, unaufgeregte Musik, die sich gleichermaßen als tanzbarer Partysoundtrack, als unaufdringliche Hintergrundbeschallung und für laue Sommernächte bei Bier und Steak eignet.

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