Nobody Knows – Kleinstadtrhapsodien

5. November 2014 von Marcus Pohlmann

nobodyknows

Musiker:

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Genre: ,

Laufzeit: 44 Minuten

Tracklist:
01 – Intro (Bahnsteiglied)
02 – Klugscheißerlied
03 – Schüttel dich
04 – Stay Folk!
05 – Fieber
06 – Po
07 – Heidenröslein – was zuvor geschah
08 – .&-
09 – Fünfter Streich
10 – Rapunzel
11 – Eigentlich nicht viel zu sagen
12 – Outro
13 – En plus

Erscheinungsdatum: 01.09.2014

Sprache: Deutsch

Es ist schon etwas länger her, das ich das Album We Folk You der Stendaler Band Nobody Knows rezensierte. Darauf bekam der Hörer zumeist altbekanntes und bewährtes Liedgut präsentiert, wobei der Schwerpunkt auf irischem und schottischem Folk lag. Mehrere Alben, drei Jahre und einige personelle Veränderungen später legen die fünf Musiker nun mit Kleinstadtrhapsodien eine CD mit (fast) ausschließlich eigenem, deutschsprachigen Material vor, ohne sich jedoch gänzlich vom Folk zu verabschieden. Veröffentlicht wird das Digi-Pack mit seinen 13 Tracks von Prosodia, die parallel dazu ein kleines, begleitendes Büchlein mit Texten, Noten, Bilder und amüsanten Anmerkungen zum Album herausgeben.

Mit einem kurzen Intro leitet die Band den Silberling ein, bevor es mit dem „Klugscheißerlied“ richtig losgeht. Diese durchaus schwungvolle, tanzbare Folk-Nummer wird von Violine und Schlagwerk dominiert. Was das Stück jedoch interessant macht ist der Text, der sich mit einem peniblen Vertreter der schreibenden Zunft auseinander setzt. Hier würde mich tatsächlich die Geschichte hinter dem Lied doch sehr interessieren. Das Banjo ist das dominierende Instrument bei, dem ebenfalls für die Tanzfläche geeigneten, „Schüttel dich“. Der Chor und vor allem die Bläser werten das Stück deutlich auf und sorgen dafür, dass es noch länger im Ohr bleibt. Auch „Stay Folk!“ greift wieder massiv auf Blasinstrumente zurück und kann zudem mit gerappten Lyrics aufwarten; trotz, oder vielleicht wegen, des eher skurrilen Textes ist das Stück für mich eines der Highlights des Albums. Der Track groovt, zwingt den Hörer praktisch zum Mitwippen und bietet dabei auch noch musikalische Abwechslung. Mit „Fieber“ präsentiert die Band dann eher eine lockere Country-Nummer, was vor allem der Mundharmonika, dem Schlagzeug und den Gastvocals von Tabi Harzer geschuldet sein dürfte. Zwar kein schlechtes Stück, aber dennoch für mich eines der schwächeren Lieder des Albums. Wesentlich tanzbarer ist dagegen die erste Single „Po“, die sich, zumindest musikalisch, wieder deutlich am traditionellen Folk orientiert und ordentlich nach vorne geht. Textlich dreht sich der Track um bestimmte Teile der weiblichen Anatomie und ich glaube einige Ähnlichkeiten mit einem Stück von Sir Mix-A-Lot zu erkennen. Mein Lieblingstrack des Albums ist zweifellos „.&-“, das auch noch nach vielfachem Hören durch seine liebliche Querflötenmelodie und den mehrstimmigen Gesang glänzt. Doch ist es vor allem der großartige Text der dafür sorgt, dass mir der Track nachhaltig im Gedächtnis bleibt. Vom großen Zeichner und Humoristen Wilhelm Busch leiht sich die Band die Lyrics zu „Fünfter Streich“. Die Untaten von Max und Moritz werden hier musikalisch ansprechend untermalt und auch eine Trompete kommt wieder zum Einsatz, die einen kurzen, deutlichen Kontrast zu den restlichen Instrumenten setzt. Eine Aneinanderreihung von Sprichworten und Binsenweisheiten bekommt der Hörer bei „Eigentlich nicht viel zu sagen“ geboten, auch musikalisch werden hier zahlreiche Stile wild durcheinander geworfen. Ein sehr merkwürdiges Stück, dem ich aber einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen kann. Das vorletzte Stück setzt dann einen deutlichen Ruhepunkt und ist wahrscheinlich das persönlichste Lied des Albums. Der Hörer bekommt hier einen Eindruck vom Touralltag der Band und das Stück schafft es, trotz einer gewissen Melancholie, eine ruhige, entspannte Stimmung zu verbreiten. Schließlich zieht die Band mit „En plus“ noch einmal das Tempo an und liefert zum gelungenen Abschluss noch ein traditionelles Folk-Stück.

Die Band um Mastermind Max Heckel legt mit Kleinstadtrhapsodien ein recht spannendes, ungewöhnliches Album vor: Musikalisch finden sich zwar immer wieder Verweise auf den Irish Folk, mit dem das Quintett aus Stendal vor einigen Jahren angefangen hat, doch ist das musikalische Spektrum mit beispielsweise Banjo, Bläsern und Mundharmonika deutlich erweitert worden. Neben dem Folk angelsächsischer Prägung bekommt der Hörer zudem auch Country- und Western-Klänge geboten, Rapeinlagen, Bläsereinsätze und noch einiges mehr. Dies mag zwar nicht bei allen Stücken gleich gut funktionieren, macht die CD aber extrem unterhaltsam und abwechslungsreich. Der Band gelingt es mit diesen neuen musikalischen Möglichkeiten und mit deutschen, durchaus nicht unintelligenten und persönlichen, Texten etwas Frisches und Originelles zu schaffen, dass sich nur schwer in gängige Schubladen einordnen lässt.

Nobody Knows bieten dem Hörer abwechslungsreiche Musik mit starkem Folk-Einschlag zum Tanzen, Feiern, Schmunzeln und Spaß haben.

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