Marie’s Wedding – Both Sides

22. März 2017 von Marcus Pohlmann

Marie's Wedding - Both Sides

Musiker:

Label:

Genre:

Laufzeit: 59 Minuten

Tracklist:
01 – Both Sides Of The Tweed
02 – Cold Spray Blow
03 – Black Is The Colour
04 – Star Of The County Down
05 – Loch Tay Boat Song
06 – Erie Canal
07 – My Love Is Like A Red Red Rose
08 – Lord Franklin
09 – Rossbeigh Hearts
10 – Bonnie Ship The Diamond
11 – If I Were A Blackbird
12 – The Merchant's Son
13 – Wild Mountain Thyme
14 – The Parting Glass

Erscheinungsdatum: 01.02.2017

Sprache: Englisch

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Während die deutsche Volksmusik sich mittlerweile meist mit stumpfsinnigen Klatsch- und Schunkelorgien und grenzdebilen Texten begnügt, erfreut sich das irisch/schottische Pendant auch hierzulande schon seit Jahren ungebrochener Beliebtheit. Warum dies so ist, darüber kann ich nur Mutmaßungen anstellen – vielleicht hört sich angelsächsischer Folk einfach authentischer an oder die Musiker stellen die Traditionen in den Vordergrund. Fest steht jedoch, dass Folk-Konzerte immer sehr gut besucht sind und, gefühlt, keine Woche vergeht in der nicht ein Album mit „The Wild Rover“ veröffentlicht wird.
Natürlich ist dies ein klein wenig überspitzt formuliert – so findet sich beispielsweise dieser Klassiker auf Both Sides, dem neuen Album des Duos Marie’s Wedding, nicht. Veröffentlicht wird die CD mit ihren 14 Tracks von Prosodia – Verlag für Musik und Literatur, die sich auf dieses Genre spezialisiert haben.

Der Opener „Both Sides Of The Tweed“ ist vergleichsweise jung und wurde erst 1981 veröffentlicht – in dieser Interpretation hört sich das Stück jedoch deutlich älter an. Nur von Gitarre und Flöte begleitet, trägt Joanna Scott Douglas den Text vor, der sich mit den Interessenkonflikten (und Gemeinsamkeiten) zwischen Schotten und Engländern auseinander setzt. Eine schöne, wenn auch sehr melancholische Nummer, die bei der aktuellen politischen Lage, wieder an Relevanz gewinnen dürfte. Nicht viel fröhlicher wird das Album mit dem Liebeslied „Black Is The Colour“. Zur Gitarre gesellen sich diesmal Bass und Akkordeon, was im Mittelteil beinahe Ähnlichkeiten mit einem französischen Chanson hat. Tatsächlich ist es aber die Stimme der Sängerin, die das Stück trägt; vor allem die hohen Töne erzeugen beim Hörer eine Gänsehaut. In die Setlist jeder Folk-Band gehört das folgende „Star Of The County Down“. Die Version von Marie’s Wedding ist zwar eines der wenigen fröhlich-beschwinkten Stück auf dem Album, aber im Vergleich zu den Interpretationen anderer Bands immer noch sehr getragen. Wieder sind für die Band Gitarre, Bass und ein wenig Schlagwerk für eine effektive musikalische Untermalung ausreichend. Beim Refrain bekommt Frau Douglas diesmal stimmliche Verstärkung von Jan Jedding, was einen sehr schönen Kontrast ergibt. Das Akkordeon spielt bei „Erie Canal“ wieder eine herausragende Rolle – während die Gitarre einen leichten Country-Einfluss nicht leugnen kann. Der Song swingt locker leicht aus den Boxen und setzt sich unweigerlich im Gehörgang fest. Eindeutig mein Liebling auf dem Album und ein Beweis, dass die Band nicht nur melancholische Stücke gut interpretieren kann. Auf einem Text des schottischen Nationaldichters Robert Burns basiert „My Love Is Like A Red Red Rose“. Das Instrumentarium von Gitarre und Akkordeon wird bei diesem Stück um ein Cello erweitert, das ruhig etwas dominanter hätte eingesetzt werden können. Ein romantisches Liebeslied, das ausnahmsweise ganz ohne melancholische Grundtöne auskommt und wieder sehr schön die Stimme der Sängerin zur Geltung bringt. Würde es nicht im Booklet stehen, so würde ich „Rossbeigh Hearts“ ebenfalls im traditionellen Liederfundus einordnen. Doch ist das Stück tatsächlich komplett von Frau Douglas geschrieben und getextet. Hier kommt auch zum ersten Mal auf dem Album die Fiddle zum Einsatz, normalerweise bei Folk-Musik nicht wegzudenken. Wieder ein sehr ruhiges, leicht wehmütiges Stück, dass sich nahtlos in die vorherrschende Stimmung der anderen Tracks einreiht. Als letztes Stück haben sich Marie’s Wedding für „The Parting Glass“ entschieden – einen DER Klassiker des Genres schlechthin. Der zweistimmige Gesang wird nur von der Gitarre begleitet, was sich als völlig ausreichend erweist. Ein sehr passender Ausklang für dieses Album, der sich auch nicht hinter den Versionen ungleich bekannterer Künstler verstecken muss.

Nach diversen Trends, die in die Folk-Musik Einzug gehalten haben, ist es wieder einmal schön, wenn sich eine Band an der traditionellen Interpretation des schottischen und irischen Liedguts orientiert. Marie’s Wedding präsentieren ihre Stücke sparsam instrumentiert, ohne unnötige Spielereien und hinterlassen damit dennoch einen bleibenden Eindruck. Mit Both Sides hat das Duo, zusammen mit den zahlreichen Gastmusikern, ein ziemlich gutes, im positiven Sinne, altmodisches Album vorgelegt – was mir jedoch fehlt sind einige etwas schwungvollere Stücke (beispielsweise das eingangs erwähnte „The Wild Rover“). Davon abgesehen bekommt der Hörer hier einen tollen Soundtrack für verregnete Nachmittage im Sessel mit Tee und Shortbread.
Auch von produktionstechnischer Seite gibt es an dem Album nichts auszusetzen. Die CD ist extrem sauber produziert, wodurch die Stimme von Joanna Scott Douglas richtig zur Geltung kommt, auch die einzelnen Instrumente sind klar und gut aufeinander abgestimmt. Neben dem Album befindet sich im Digi-Pack noch das Booklet mit allen Texten und einer Auflistung der Musiker jedes Stückes.

Mit Both Sides bekommt der Hörer eine gute Stunde ruhigen, häufig melancholischen Folk, auf das Nötigste reduziert und im besten Sinne traditionell.

2 Gedanken zu “Marie’s Wedding – Both Sides”

  1. Max Heckel sagt:

    Vielen Dank (mal wieder)!

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