Johnny Reggae Rub Foundation – No Bam Bam

31.08.2017 von Marcus Pohlmann

Johnny Reggae Rub Foundation - No Bam Bam

Musiker:

Label:

Genre: , ,

Laufzeit: 44 Minuten

Tracklist:
01 - Mission is completed
02 - No Bam Bam
03 - Reggae Bitch
04 - Money is the Devil
05 - I can tell you
06 - Org*smic
07 - Baby
08 - Goddamn Right
09 - What about me
10 - Who are you
11 - Soulfood
12 - Org*smic Dub

Erscheinungsdatum: 16.06.2017

Sprache: Deutsch

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Zum ersten Mal stolperte ich über die Johnny Reggae Rub Foundation, als sie zusammen mit zwei anderen Bands im Binger JUZ ein kleines Konzert gaben. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich von dem Auftritt leider nur wenig mitbekam, da ich lieber draußen den Ausblick genoss und mich mit einigen Bekannten unterhielt. Nur drei Tage später sprangen die Kölner dann bei einem Ska-Festival auf der Mainzer Reduit für eine ausgefallene Band ein. Diesmal konnte ich meine volle Aufmerksamkeit der Musik widmen und war doch von den Live-Qualitäten sehr angetan. Daher erstand ich kurz entschlossen das Debüt-Album No Bam Bam, das erst wenige Tage zuvor auf dem alteingesessenen Berliner Ska-Label Pork Pie erschienen war.

Alleine wegen des Titels hätte „Mission is completed“ eigentlich ans Ende des Albums gehört. Doch die Band hat sich entschieden, diesen Track als Opener zu verwenden. Durchaus verständlich, nimmt die Nummer doch bereits viele Elemente vorweg, die auch die anderen Stücke ausmachen: der groovende Bass von Rolo Teng, das sehr charakteristische Orgelspiel, das minimalistische Schlagzeug und rhythmische Percussions. Beim Titeltrack (und der ersten Singleauskopplung) „No Bam Bam“ liefert die Percussion den Unterbau, während Gitarre und Bass sich dezent im Hintergrund halten und stellenweise kaum wahrnehmbar sind. Einzig die Orgel nimmt einen etwas größeren Raum ein und liefert eine fluffige kleine Melodie. Johnny Ska und Chrissie Reggae teilen sich die Arbeit am Mikrofon, wobei die Sängerin hier etwas größere Anteile hat. Für mich nicht unbedingt der beste Track des Albums, aber immerhin schön locker und entspannt. Eine Hörprobe (mit dazugehörigem Video) findet sich HIER. Ganz alleine am Mikrofon steht die Dame dann bei „Reggae Bitch“. Der eingängige, süßliche Refrain bildet hier einen Kontrast zum eher sehr selbstbewusst vorgetragenen Hauptteil. Dies passt sehr schön zu den Lyrics, die sich um Vorurteile gegenüber Menschen mit kurzen Haaren, Tätowierungen und Doc Martens drehen. Die Orgel hört sich ein wenig nach Alleinunterhalter an, aber Gitarre und Bass sorgen für den nötigen Groove. Unterstützt wird das Ganze schließlich noch durch die Percussions, die einen eingängigen Rhythmus vorgeben. In Kombination ergibt das eine der, zumindest für mich, besten Nummern des Albums. „Org*smic“ (und zum Abschluss des Albums auch der „Org*smic Dub“) ist eine Instrumentalnummer mit spärlich eingestreuten Gesangssamples. Die Orgel gibt hier hauptsächlich den Ton an, aber auch das Schlagzeug kommt ungewohnt dominant aus den Boxen. Die Gitarre tritt, bis auf wenige Ausnahmen, komplett in den Hintergrund und der Bass liefert ein solides Fundament für das ganze Stück. Bei „Goddamn Right“ übernimmt wieder Johnny Reggae den Gesangspart, beim Refrain darf jedoch wieder die ganze Band unterstützen. Verstärkung erhält das Kölner Trio hier zudem noch von Oliver Matt, der seine Trompete beisteuert. Schlagzeug, Bass und Percussion kann sich der Hörer nur schwer entziehen und wippt zwangsläufig – Orgel und Gitarre dienen hier hauptsächlich der Auflockerung. Einen ungewöhnlich starken rockigen/punkigen Einschlag weist „Who are you“ auf und fällt damit fast völlig aus dem Rahmen. Gitarre und Schlagzeug geben hier eindeutig den Ton an, die Vocals kommen eher rau und rotzig aus den Boxen, die Orgel ist kaum wahrzunehmen – einzig der typische Ska-Rhythmus ist geblieben. Eine ungewöhnliche, druckvolle Nummer, die ich in dieser Form auf dem Album nicht erwartet hätte. Eher psychedelisch schließt die Band No Bam Bam mit „Soulfood“ ab. Die Orgel pluckert wie in den 1960ern vor sich hin und der Bass hält dabei mühelos Schritt während Johnny Reggae seinen kritischen Text über die Konsumgesellschaft eher ins Mikrofon spricht als singt. Eingestreute Samples und Soundeffekte tragen weiter zu dem Klanggemisch bei – einzig der Refrain weist so etwas wie eine Melodie auf. Für mich die schwächste Nummer des Albums – wobei das restliche Niveau durchaus beachtlich ist.

Ich habe schon lange kein so entspanntes Album mehr gehört – der nahezu perfekte Soundtrack zum gepflegten Chillen am Baggersee oder mit einem kühlen Getränk auf der heimischen Terrasse. Das soll nicht heißen, dass bei der Johnny Reggae Rub Foundation der Schwung zu kurz kommt, es findet sich durchaus das eine oder andere tanzbare Stück auf dem Debüt. Der musikalische Fokus liegt dabei auf frühem Ska und Reggae, scheut sich aber auch nicht, Ausflüge in andere Genres zu machen.
Das Album ist nicht auf Hochglanz produziert, sondern hat sich einen rohen Charme bewahrt. So bekommt der Hörer direkt einen recht guten Eindruck von der Atmosphäre, die die Band auch live auf der Bühne verbreitet. Alle Bandmitglieder verstehen dabei ihr Handwerk, vor allem Johnny Ska leistet Schwerstarbeit, wenn er gleichzeitig singt, Gitarre spielt und mit den Füßen das Schlagzeug bedient. Das sehr kurz ausgefallene Booklet gibt außer einigen Bandfotos und den üblichen Produktionsinfos nicht mehr her.

Mit No Bam Bam liefert das Trio aus Köln ein sehr entspannt groovendes Debüt ab, das ein wenig für den verregneten Sommer entschädigt.

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