Frogbelly and Symphony – Blue Bright Ow Sleep

27. September 2015 von Marcus Pohlmann

Frogbelly and Symphony – Blue Bright Ow Sleep

Musiker:

Label: ,

Genre:

Tracklist:
01 – Mindbender
02 – Invite To Eternity
03 – Ride Off Into The Sunset And Disappear
04 – Before I Die
05 – Patch Of Blue
06 – Cola In Mongolia
07 – Leyla’s Find
08 – Shingle
09 – Organism
10 – Hazyland

Erscheinungsdatum: 05.06.2015

Sprache: Englisch

Es ist schon etwas länger her, da hatte ich die Debüt-EP von Frogbelly And Symphony als Rezensionsexemplar auf meinem Schreibtisch und konnte sie in der Wiesbadener Kreativfabrik auch live erleben. Nach fast zwei Jahren und einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne veröffentlicht das britisch-amerikanische Quartett mit Blue Bright Ow Sleep endlich ein richtiges Album über Labelship/Broken Silence und befindet sich wieder auf ausgedehnter Tour, die sie Ende des Jahres auch nach Europa führen wird.

„Mindbender“ macht da weiter, wo das Vorgängeralbum aufgehört hat: Tempowechsel, harmonischer Gesang mit merkwürdigen Texten und einer abwechslungsreichen Instrumentierung einschließlich Singender Säge. Nach dem dritten oder vierten Hören entwickelt diese Mischung auf mich eine merkwürdige Anziehungskraft und bestimmte Passagen wollen einfach nicht mehr aus dem Gehörgang verschwinden. Deutlich konventionellere Songstrukturen bekommt der Hörer dann bei „Invite To Eternity“ geboten. Hier sind es vor allem Violine und Schlagzeug die das Stück dominieren und den Gesang von Liz Hanley fast gleichberechtigt begleiten. Bei der melancholischen Klavierballade „Before I Die“ übernimmt Tom Hanley das Mikrofon und erzählt dem Hörer was er alles in seinem Leben noch erleben möchte. Das exzessive Gitarrensolo im Mittelteil und der dezidierte Schlagzeugeinsatz sorgen dafür, dass der Song nicht zu langweilig wird und schon fast als Mainstream-Musik durchgeht. Wähnt der Hörer sich nach diesem Stück jedoch in Sicherheit, so bekommt er mit dem folgenden „Patch Of Blue“ dissonante Töne und schrägen Gesang auf die Ohren. Doomige Gitarrenriffs, psychedelische Tonfolgen, zuckersüßer, mehrstimmiger Gesang, schrilles Gekreische und ein völlig durchgedrehtes Piano sorgen für ein verstörendes Musikerlebnis. Eine erneute stilistische Kehrtwende legt die Band bei „Leyla’s Find“ hin. Schwerer, erdiger Blues, bei dem sich die beiden Vokalisten abwechseln und sogar klare Melodien zu erkennen sind. Für mich eines der eingängigsten Stücke des Albums, das auch den Hörgewohnheiten normaler Musikkonsumenten entspricht. Bei „Hazyland“, mit fast 6 Minuten das längste Stück auf dem Silberling, wechseln sich Tom und Liz Hanley erneut bei den Vocals ab. Die Band verzichtet hier auf größere Spielereien und rockt ordentlich bis etwa zur Mitte des Tracks. Danach wird das Tempo nahezu völlig herausgenommen und kehrt erst in den letzten Sekunden wieder zurück.

Frogbelly And Symphony bewegen sich, wie schon auf ihrer EP, größtenteils abseits gängiger Hörgewohnheiten. Dennoch gelingt es der Band die unterschiedlichsten Musikstile zu einem gelungenen Ganzen zu verbinden. Psychedelische Klänge vermischen sich mit Musical-Harmonien, poppige Melodien treffen auf melancholischen Folk, rockige Gitarren werden mit Singende Sägen oder Kirchenorgeln kombiniert und über allem liegt der Gesang von Liz und Tom Hanley, die sich häufig abwechseln oder ergänzen. Ähnlich breit gefächert sind die Texte der Stücke, von philosophischen Ansätzen bis zu merkwürdigen Wort-Aneinanderreihungen findet sich hier alles wieder.
Große Charterfolge werden der Band mit diesem Album sicherlich nicht beschieden sein und auch der Einsatz in den Clubs dürfte in sehr überschaubarem Rahmen liegen. Dennoch geht, zumindest für mich, eine unbestreitbare Faszination von Blue Bright Ow Sleep aus. Je öfter ich die CD höre, desto mehr spannende Details gibt es zu entdecken: eine kleine versteckte Melodie hier, ein tolles Solo dort und auch die gesamten Stücke profitieren deutlich davon, dass sich der Hörer intensiv mit ihnen auseinander setzt.
Das Gestaltung des Digipack passt hervorragend zur Musik, ähnlich wie bei den Tracks gibt es für den aufmerksamen Beobachter zahlreiche Details zu entdecken, die nicht minder schräg sind. Leider leidet unter dieser stimmigen Gestaltung die Lesbarkeit der Songtexte und der anderen spärlichen Informationen, die hier untergebracht sind.

Ein etwas versponnenes, aber durchaus charmantes Album, das sich erfolgreich jeder Einordnung in gängige Schubladen widersetzt und neugierig auf die weitere Entwicklung der Band macht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.