Claudia Dylla & Steffen Sauer – Die lasterhaften Lieder und Balladen des François Villon

6. Juli 2017 von Marcus Pohlmann

Die lasterhaften Lieder und Balladen des Francois Villon

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Genre:

Laufzeit: 55 Minuten

Tracklist:
01 - Ein guter Ratschlag, den Villon den jungen Dingern gibt
02 - Die Ballade von den schönen Frauen von Paris
03 - Ballade von der ewigen Unzufriedenheit
04 - Die Ballade vom guten und vom schlechten Lebenswandel
05 - Die Sommerballade von der armen Luise
06 - Eine kleine Liebesballade, gedichtet für Jean de Queè
07 - Ballade von der Klempnerfrau
08 - Die Marienballade, die Villon seiner Mutter gedichtet hat
09 - Die Ballade von den Vogelfreien
10 - Eine nette Ballade, die Villon dem König aus der Verbannung sandte
11 - Die Ballade von den Lästerzungen
12 - Ballade, mit der Meister Villon seine lieben Mitmenschen um Verzeihung bittet
13 - Die Ballade von den allgemeinen Redensarten
14 - Eine kleine Ballade von dem Mäuslein, das in Villons Zelle Junge bekam
15 - Die Ballade von den Armen und den Reichen
16 - Die Galgenballade, die Villon seinen Freunden zum Abschied gedichtet hat
17 - Notwendige Anweisung, welches Gebet an meinem Grabe zu sprechen ist
18 - Notwendige Nachschrift, mein Begräbnis betreffend
19 - Die Liebesballade für ein Mädchen namens Leyla
20 - Eine kleine Zugabe, gestiftet von Villon, zum Abgewöhnen

Erscheinungsdatum: 15.03.2017

Sprache: Deutsch

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Einem größeren (deutschsprachigen) Publikum wurde das Werk des französischen Dichters, Kriminellen und Gelehrten François Villon sicherlich durch die spektakuläre Interpretation von Klaus Kinski aus dem Jahre 1971 bekannt. Zu Grunde lag, ebenso wie bei der hier vorliegenden Aufnahme Die lasterhaften Lieder und Balladen des François Villon, die Übersetzung und Bearbeitung von Paul Zech. Claudia Dylla und ihr musikalischer Begleiter Steffen Sauer haben sich aus dem Werk des Poeten ganze 20 Gedichte herausgepickt und für das Tangermünder Label Prosodia aufgenommen.

Thematisch decken die ausgewählten Balladen ein recht weites Spektrum des menschlichen Lebens im 15. Jahrhundert ab. Dabei ist die Sprachwahl streckenweise recht derb und direkt – weitab von der höfischen Sprache, die der Leser/Hörer aus dieser Epoche eher erwarten würde. Der Dichter beschäftigt sich mal ernsthaft, beispielsweise in „Die Marienballade, die Villon seiner Mutter gedichtet hat“ oder spöttisch, wie in „Notwendige Anweisung, welches Gebet an meinem Grabe zu sprechen ist“ mit Religion und Frömmigkeit. Einige Dichtungen sind den Freuden der Jugend („ Ein guter Ratschlag, den Villon den jungen Dingern gibt“) und der Mühsal des Alters gewidmet – so beklagt in der „Ballade von der Klempnerfrau“ die titelgebende Dame den Verlust ihrer Jugend, ihren körperlichen Verfall und die vielen verpassten Gelegenheiten ihres Lebens. Häufig thematisiert er auch sein kriminelles Umfeld, wie in „Die Ballade von den Vogelfreien“ oder „Ballade, mit der Meister Villon seine lieben Mitmenschen um Verzeihung bittet“.
Meist beschreibt Villon, der von sich selbst gerne in der dritten Person spricht, sein direktes Umfeld mit einem treffenden, aber nicht allzu kritischen Blick und wenigen, passenden Worten. Dies ermöglicht es auch dem modernen Hörer sich ein recht gutes Bild von den Lebensumständen der gemeinen Bürgers jener Zeit zu machen.

Claudia Dylla stellt bei den 20 Stücken von Die lasterhaften Lieder und Balladen des François Villon die Vielseitigkeit ihrer Stimme eindrucksvoll unter Beweis. Mal haucht sie den Text einschmeichelnd ins Mikrofon, nur um kurz darauf gehässig zu zischen. Sie wütet, flüstert, überschlägt sich beinahe und lässt Abgründe des Wahnsinns erahnen – grade so, wie es zu den vielseitigen Texten und ihren Themen passt. Dabei gelingt ihr der Spagat zwischen theatralisch überzogenem Vortrag und gefühlvoller, stimmiger Interpretation ausgezeichnet. Zu Anfang irritiert der Hall-Effekt ein wenig, der praktisch bei allen Stücken zum Einsatz kommt. Allerdings gewöhnt sich, so ging es zumindest mir, der Hörer rasch daran und nimmt dies nicht als störend wahr. Vielmehr verleiht dieser Effekt dem vorgetragenen Texten einen gewissen Nachdruck und Tiefe. Während ich mit dem gesprochenen Wort keinerlei Probleme habe, so finde ich die dezente musikalische Untermalung nur stellenweise gelungen. Keyboard, Glockenspiel oder Drehleier leisten durchaus ihren Beitrag zur Stimmung der Balladen, der aber nicht zwingend erforderlich gewesen wäre. Dagegen sind Perkussion und andere Soundeffekte der Atmosphäre regelrecht abträglich – hier wäre weniger sicherlich mehr gewesen.
Die Produktion ist sauber und klar, die Nuancen der Stimme von Frau Dylla kommen sehr schön zur Geltung – hat sich der Hörer an den erwähnten Hall gewöhnt. Das nur vierseitige Booklet bietet leider nur sehr wenige Informationen über François Villon und die beiden ausführenden Künstler.

Eine stimmige, spannende Interpretation der Texte des berühmten französischen Dichters, die sich allerdings nicht für den täglichen Hörgenuss eignet.

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