Courtesans – Better Safe Than Sober

08.02.2017 von Marcus Pohlmann

Courtesans - Better Safe Than Sober

Musiker:

Genre: ,

Laufzeit: 22 Minuten

Tracklist:
01 – Knowhere
02 – Feel The Same
03 – John Doe
04 – Mesmerise
05 – The Tide

Erscheinungsdatum: 18.02.2017

Sprache: Englisch

Im Sommer 2015 entdeckte ich eher zufällig eine kleine obskure Band aus London. Die Courtesans, damals noch mit einem „The“ im Namen, vermischten auf ihrem Debüt verschiedenste musikalische Stilrichtungen zu einem großen, unterhaltsamen Ganzen. Um die Wartezeit auf das nächste Album mit einer EP zu verkürzen starteten die vier Damen Ende letzten Jahres eine (erfolgreiche) Crowdfunding-Kampagne. Mittlerweile rückt nun auch der offizielle Veröffentlichungstermin (18. Februar 2017) von Better Safe Than Sober näher. Grund genug sich mit den fünf Tracks auf dem Silberling intensiver auseinander zu setzen.

„Knowhere“ leitet die EP recht rockig ein – die Gitarren sägen brachial, das Schlagzeug liefert einen stoischen Beat und der Gesang wirkt verzerrt. Wirklich spannend wird das Stück durch den eingängigen Refrain und einen sehr reduzierten Mittelteil der in mehrstimmigem Gesang mündet, während das Schlagzeug die Führung übernimmt. Wie schon bei ihrem Erstling vollzieht die Band mit dem zweiten Track „Feel The Same“ wieder eine stilistische Kehrwendung. Sängerin Sinéad Stone spricht oder rappt die Lyrics über eine gescheiterte Beziehung, unterlegt von einer minimalen, sehr ruhigen Instrumentierung. Beim gesungenen (und geschrieenen) Refrain bekommt die Frontfrau Unterstützung von ihren Mitmusikerinnen, auch Gitarre, Bass und Schlagwerk dürfen es in diesem Part wieder krachen lassen. „John Doe“ wird von der spröden Stimme der Sängerin getragen während die anderen Instrumente auf eine dezente, ruhige Untermalung beschränken. Zwei schnelle, rockige Passagen reißen den Hörer dabei aus der ruhigen, melancholischen Stimmung. Als Singleauskopplung erscheint demnächst „Mesmerise“ mit dazugehörigem Video. Hier vermischen die Courtesans unterschiedliche Musik- und Gesangsstile, Stimmungen und Tempi zu einem geschlossenen Ganzen. In diesem Fall finde ich das alles ein wenig zu viel des Guten, wobei das Outro des Stückes nochmals richtig die Gehörgänge durchbläst. Das letzte Stück, und zumindest für mich der Höhepunkt der EP, „The Tide“, kehrt wieder zu den gesprochenen Lyrics des Anfangs zurück. Ungewöhnlich ist dabei der verstärkte Keyboard-Einsatz in den ruhigen Passagen des Stückes. Dieser setzt so immer wieder einen Kontrastpunkt zu Gitarre, Bass und Schlagzeug in den krachigeren Parts.

Der wilde Stilmix von 1917 ist ein wenig in den Hintergrund getreten und einem recht rockigen Grundsound gewichen; dennoch bleiben die Courtesans immer unberechenbar und abwechslungsreich. Diese Mischung funktioniert sehr gut, bietet für den Liebhaber härterer Klänge ebenso etwas wie für den Indie-Freund oder den Goth-Rocker. Sehr spannend finde ich die Bandbreite an Stimmungen die Sinéad Stone mit ihrer Stimme abdeckt: im einen Moment spröde und verletzlich, dann wieder giftig keifend, einschmeichelnd oder wütend. Zusammen mit den, zumindest habe ich den Eindruck, sehr persönlichen Lyrics über gescheiterte Liebschaften und private Krisen, ergibt sich eine recht emotionale Platte. Auch die beinahe durchweg eingängigen und mehrstimmigen Refrains tragen das ihre zum Gelingen bei und sorgen dafür, dass die Stücke im Gedächtnis bleiben. Einziger Kritikpunkt ist die Kürze der EP, viel lieber hätte ich ein komplettes Album in dieser Qualität im Player gehabt.
Die Produktion ist sehr druckvoll, hart und schnörkellos – was hervorragend zur Musik und dem Auftreten der Damen passt. Einzig die Gitarren sind für meinen Geschmack vielleicht an manchen Stellen etwas zu dominant und der Bass etwas zu zurückhaltend.
Da die Band immer noch keinen Vertrieb hat, kann die EP, das Album und verschiedene Merchandise-Artikel direkt über https://www.thecourtesans.org/ geordert werden.

Vielleicht nicht ganz so überraschend wie das Debüt, aber immer spannend, ungekünstelt und direkt. Sicher keine Musik für das Mainstream-Radio, dafür genau richtig für die Indie-Clubs.

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